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Bankenkrise: Slowenien wirbt um Euro-Hilfen

Slowenische Bankzentrale: Faule Kredite lasten auf den Bilanzen Zur Großansicht
REUTERS

Slowenische Bankzentrale: Faule Kredite lasten auf den Bilanzen

Die Banken wackeln, die Wirtschaft rutscht ab: Slowenien ist womöglich das nächste Land, das von den Euro-Partnern gerettet werden muss. Die Regierung in Ljubljana fürchtet, dem Druck der Finanzmärkte nicht mehr lange standhalten zu können.

Ljubljana - Nach Griechenland, Portugal, Irland und Zypern deutet sich die nächste Rettungsaktion für einen Euro-Staat an: Slowenien steckt in der Krise - und sieht sich selbst als möglichen Anwärter für Hilfen, falls sich die Lage weiter verschlechtert. "Ich habe Angst vor einem organisierten Druck der Finanzmärkte, dem wir nicht standhalten können", sagte Igor Luksic, Präsident der zweitgrößten Partei in der drei Wochen alten Regierungskoalition, der Nachrichtenagentur Reuters. Auf die Frage, ob das Land Finanzhilfen benötigen könnte, antwortete er: "Es ist immer möglich, aber nicht unsere erste Option."

Slowenien könne ein Rettungspaket vermeiden, sagte Luksic. Bis September verfüge Slowenien über ausreichende Finanzmittel. Die Regierung wolle so schnell wie möglich Anleihen begeben. Ministerpräsidentin Alenka Bratusek hatte zuvor beteuert, ihr Land könne seine Probleme ohne fremde Hilfe lösen.

Slowenien gilt seit Wochen als Kandidat für einen Antrag auf Hilfe aus dem Euro-Rettungsfonds ESM. Die größten Probleme des Landes sind eine schwere Rezession und ein angeschlagener Bankensektor, der durch faule Kredite in Schwierigkeiten geraten ist. Der Rating-Agentur Fitch zufolge benötigen allein die drei größten Finanzhäuser in diesem Jahr rund zwei Milliarden Euro frisches Kapital.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schlägt deshalb bereits Alarm: "Die dringlichste Priorität ist, dem Bankensektor wieder auf die Beine zu helfen", mahnte die OECD in ihrem Länderbericht. Slowenien sei dem Risiko einer langen Wachstumsschwäche und eines begrenzten Zugangs zu den Finanzmärkten ausgesetzt. Daher seien "zusätzliche und radikale Maßnahmen sobald wie möglich nötig".

Die EU fordert rasche Reformen

Die OECD sieht Slowenien auch dieses Jahr in der Rezession: Die Wirtschaftsleistung soll um 2,1 Prozent schrumpfen. Zugleich sagt sie dem Land eine rasant steigende Staatsverschuldung voraus. Die Schuldenquote dürfte von zuletzt 47 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2025 auf 100 Prozent klettern, sollte sich die Regierung nicht zu neuen Reformen durchringen.

Schnelle Hilfe aus dem Euro-Rettungsfonds ist laut OECD jedoch noch nicht nötig. "Die Regierung dieses Landes hat es bislang geschafft, ihren Finanzbedarf ohne Schwierigkeiten zu decken", betonte OECD-Vizechef Yves Leterme. Das sei zwar nur zu relativ hohen Kosten gelungen. Ein "unmittelbarer Bedarf" für Hilfen sei aber nicht abzusehen.

Die EU-Kommission forderte Sloweniens Regierung zu raschen politischen Reformen und Einsparungen im Haushalt auf. "Wir brauchen sofortige, rasche Maßnahmen zur Verhinderung einer Krise in der Zukunft", sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Dienstag in Brüssel nach einem Gespräch mit Regierungschefin Alenka Bratusek. "Und wir brauchen auch eine schnelle Konsolidierung der öffentlichen Haushalte, die das nachhaltige Wachstum nicht behindert."

Barroso sagte, Slowenien stehe vor der schwierigen Aufgabe, Reformen durchzusetzen und zugleich einen nationalen Konsens über diese Reformen herzustellen. Er sei zuversichtlich, dass Slowenien der Herausforderung gewachsen sein werde.

Ministerpräsidentin Bratusek gab sich kämpferisch: "Vor uns liegen keine einfachen Zeiten, das ist mir klar", sagte die neugewählte Regierungschefin. "Unsere Priorität ist es, das Bankensystem zu stabilisieren. Daran arbeiten wir Tag und Nacht."

stk/Reuters/AFP/dpa

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1.
Freizeit 10.04.2013
Zitat von sysopREUTERSDie Banken wackeln, die Wirtschaft rutscht ab: Slowenien ist womöglich das nächste Land, das von den Euro-Partnern gerettet werden muss. Die Regierung in Ljubljana fürchtet, dem Druck der Finanzmärkte nicht mehr lange standhalten zu können. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/slowenien-sieht-sich-als-kandidat-fuer-hilfen-aus-dem-esm-a-893478.html
Die Karawane zieht weiter. Der nächste bitte!
2. wir haben's ja...
crimesceneunit 10.04.2013
soros hat recht, Deutschland sollte aus dem (t)euro raus! deshalb AfD im September...
3. aha!
Spiegelleserin57 10.04.2013
Zitat von sysopREUTERSDie Banken wackeln, die Wirtschaft rutscht ab: Slowenien ist womöglich das nächste Land, das von den Euro-Partnern gerettet werden muss. Die Regierung in Ljubljana fürchtet, dem Druck der Finanzmärkte nicht mehr lange standhalten zu können. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/slowenien-sieht-sich-als-kandidat-fuer-hilfen-aus-dem-esm-a-893478.html
der nächste Wackelkandidat. Wann werden denn nun die restlichen Staaten folgen? Es sieht doch so aus als kann sich die EU nicht mehr halten. Es gibt nur niemand offen zu. Vielleicht erst nach unserer Wahl!
4. Länderfinanzausgleich
forsthaus-neuhaus 10.04.2013
Beim Länderfinanzausgleich hängen an 3 Bundesländer alle Anderen am Tropf. Ähnliches zeichnet sich in Europa ab. Letztes Beispiel war Zypern. 2004 in der EU, 2007 Einführung des Euro und 2012 war Zypern bankrott. Jetzt ist Slowenien dran und der Nachbar Kroatien steht schon in den Startlöchern. Vorher werden noch Bulgarien und Rumänien geholfen und hoffentlich machen Portugal, Spanien und Italien nicht schlapp. Europa Quo Vadis?
5.
XRay23 10.04.2013
Na wer hätte das gedacht... Diese Entwicklung war absehbar als man sich diese Armmutsstaaten mit ins Boot geholt hat. Da kommt noch viel mehr.
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Fläche: 20.273 km²

Bevölkerung: 2,063 Mio.

Hauptstadt: Ljubljana

Staatsoberhaupt: Borut Pahor

Regierungschef: Miro Cerar

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Grafiken: Die wichtigsten Fakten zur Euro-Krise
So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.


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