Miese Bonitätsbewertung Slowenien will Rating-Agentur verklagen

Sloweniens Regierung droht einer Rating-Agentur mit juristischen Schritten: Moody's hatte die Bewertung für die Kreditwürdigkeit des Landes Anfang Mai gesenkt. Zu selben Zeit hatte die Regierung versucht, sich am US-Markt Geld zu leihen - und war zunächst gescheitert.

Slowenische Regierungschefin Bratusek: "Ungerechtfertigt eingemischt"
REUTERS

Slowenische Regierungschefin Bratusek: "Ungerechtfertigt eingemischt"


Ljubljana - Slowenien will die Ratingagentur Moody's verklagen, weil sie Anfang Mai die Bonität des angeschlagenen Euro-Landes auf Ramschniveau gesenkt hatte - und das ausgerechnet während der Ausgabe slowenischer Staatsbonds in den USA.

"Wir denken über Rechtsmittel gegen Moody's nach, und ich persönlich neige dazu", sagte die slowenische Regierungschefin Alenka Bratusek der Zeitung "Vecer". "Die haben sich ungerechtfertigt in die Ausgabe slowenischer Staatsbonds eingemischt, und so etwas sollte keine Rating-Agentur dürfen."

Das wirtschaftlich angeschlagene Slowenien hatte Anfang Mai Dollar-Anleihen im Wert von umgerechnet 2,7 Milliarden Euro aufgelegt. Das Finanzministerium stoppte das Angebot vorübergehend, nachdem Moody's ihre Bewertung für die Kreditwürdigkeit des Landes am 1. Mai auf "Ba1" gesenkt hatte. Damit war die erste Stufe des sogenannten Junk-Bereichs erreicht, der spekulative Anlagen kennzeichnen soll.

Ihre Regierung sei vor der Ausgabe der Dollar-Staatsbonds mit Moody's in Kontakt gewesen, doch es habe damals keinerlei Hinweise auf eine Änderung des Ratings gegeben, sagte Bratusek.

Am Ende konnte Slowenien die geplante Geldsumme dennoch einsammeln, musste für die Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit aber eine vergleichsweise hohe Rendite von sechs Prozent zahlen.

Slowenien wird als nächster Kandidat für die Flucht unter den Euro-Rettungsschirm gehandelt. Die größten Probleme des Landes sind eine schwere Rezession und ein angeschlagener Bankensektor, der durch faule Kredite in Schwierigkeiten geraten ist. Die Regierung will die Krise aus eigener Kraft überwinden und hat Anfang Mai Sparmaßnahmen angekündigt.

ssu/dpa



insgesamt 30 Beiträge
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snafu-d 18.05.2013
1. optional
Und wieder mal ist das Messgerät schuld...
petrasha 18.05.2013
2. endlich mal jemand, der sich traut...
ich wartete schon lange darauf, dass man sich mal gegen die ratingagenturen beschwert. sie scheinen allmächtig und allwissend zu sein und tragen zu sehr viel unruhe bei.
Social_Distortion 18.05.2013
3.
Zitat von sysopREUTERSSloweniens Regierung fühlt sich ungerecht behandelt - und droht einer Rating-Agentur mit juristischen Schritten: Moody's hatte die Bewertung für die Kreditwürdigkeit des Landes Anfang Mai gesenkt. Zu selben Zeit hatte Ljubljana versucht, sich am US-Markt Geld zu leihen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/slowenien-will-rating-agentur-verklagen-a-900673.html
Meine Güte, wie machen die das alle nur: 20.273 km², hoch verschuldet, und ein angeschlagener Bankensektor. Kann ich mit 20.273 m² Grundstück, einer kränkelnden Wirtschaft, vielen Schulden und einer angeschlagenen Bank eigentlich auch unter den Rettungsschirm ? Keiner will mir mehr Geld leihen, und immerhin bin ich auch ein EU- Mitglied. Und auf dem besten Wege: Dem Gärtner, dem Fahrer, der Putzfrau und dem Kindermädchen wird das Gehalt gekürzt. Ich versprechs. :)
sarkosy 18.05.2013
4. Slowenien,
ein kleines Land mit einer Frau als Regierungschefin zeigt Mumm,Mut und Entschlusskraft!Eine Klage würde die Ratingagentur zwingen,endlich einmal die wissenschaflichen Grundlagen der selbsternannten Schiedsrichterposition offenzulegen,die Geschäftsgrundlagen,das Einkommen,dieUnabhängigkeit der Agentur offenzulegen und eventuelle Geldverluste der Beurteilten zu erstatten!Das wäre doch einmal etwas?
iffel1 18.05.2013
5. Einflußnahme auf Rating-Agenturen ist finanzieller Selbstmord !
Slowenien fehlen die Fachleute, die verstehen, wie die globale Wirtschaft funktioniert. Androhung gerichtlicher Mittel ist wie Schutzgelderpressung - das geht schnell nach hinten los. Aber für Gewerbliche Anleger ist diese Anleihe gut. Kaufen, sofort Abschreibungen bilden und mit diesen die Steuern auf den hohen Zinsertrag von 6% mindern. Zusehen, wie der Kurs der Anleihen runtergeht (mit Sicherheit, da Slowenien die fachliche Kompetenz fehlt und die Ratingagenturen da noch nachziehen zur Strafe), niedrig bilanzieren und nach Ablauf den Kursgewinn steuerfrei entgegennehmen. Für Privatanleger gilt, sinkende Kurse abwarten und bei 90 zuschlagen, die Kursgewinne sollten bei Ablauf steuerfrei sein. Die 6% Zinsen sind auch nett, aber immer dran denken: das Geld kann auch futsch sein - denn de Slowenen sind finanziell nicht die Könner !
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