Soziale Kluft 118 Millionen EU-Bürgern droht Armut

Europas Wirtschaft erholt sich. Dennoch ist laut einer Studie der Anteil der Menschen, die trotz eines Vollzeitjobs von Armut bedroht sind, deutlich gewachsen.

Plattenbau
imago

Plattenbau


Der Anteil der Menschen, die trotz eines Vollzeitjobs von Armut bedroht sind, ist in Europa laut einer Studie gestiegen. Laut dem "Social Justice Index 2016", der von der Bertelsmann-Stiftung erhoben wird, stieg ihr Anteil im vergangenen Jahr auf 7,8 Prozent. Das heißt: Millionen Menschen in der EU sind von Armut bedroht, obwohl sie einen Vollzeitjob haben. Vor drei Jahren lag der Anteil noch bei 7,2 Prozent.

Auch wenn die EU-Staaten sich langsam von den Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise erholten, komme der Aufschwung am Arbeitsmarkt nicht bei allen Menschen an, so die Autoren der Studie. Für die Studie werden jährlich anhand von 35 Kriterien sechs Bereiche beleuchtet, darunter Armut, Bildung, Arbeitsmarkt, Gesundheit und Generationengerechtigkeit.

Laut der Studie ist jeder vierte EU-Bürger von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht - insgesamt sind das 118 Millionen Menschen. Die Gründe sehen die Autoren der Studie vor allem im wachsenden Niedriglohnsektor.

Der Anstieg der sogenannten working poor - also Menschen, die trotz Arbeit von Armut bedroht sind -, bereitet den Studienautoren große Sorgen. "Ein steigender Anteil von Menschen, die dauerhaft nicht von ihrer Arbeit leben können, untergräbt die Legitimität unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung", erklärte der Vorsitzende der Stiftung, Aart De Geus.

Problematisch sehen die Autoren in Deutschland das nach wie vor hohe Armutsrisiko sowie Probleme bei der sozialen Durchlässigkeit im Bildungssystem. Der Anteil der von Armut bedrohten Vollzeitbeschäftigten ist in Deutschland von 5,1 Prozent im Jahr 2009 auf 7,1 Prozent im Jahr 2015 gestiegen. Damit liegt Deutschland im EU-Vergleich auf Platz sieben, obwohl die Bundesrepublik über die größte volkswirtschaftliche Kraft in Europa verfügt. Den Spitzenplatz belegt Schweden, Schlusslicht bleibt Griechenland.

Gerade in Südeuropa drohen junge Menschen abgehängt zu werden. EU-weit sind 27 Prozent der Kinder und Jugendlichen bis 18 Jahren von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. In Griechenland, Italien, Spanien und Portugal ist dagegen im Schnitt sogar jedes dritte Kind von Armut bedroht.

hej/dpa/AFP



insgesamt 246 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kakadu 14.11.2016
1. Ausgrenzen
Demnächst können wir die Armen stigmatisieren und auch sie zu Sündenböcken machen. Beispielsweise, indem wir herausfinden, daß es überproportional viele alleinerziehende Mütter gibt und sie so garnicht in unsere konservative Ehevorstellung passen. Das wäre doch mal etwas Neues, nach dem wir nun alle Ausländer bereits wieder stigmatisiert haben. Nicht wahr?
bernhard.geisser 14.11.2016
2. Problem freier Warenverkehr
Spottbilliger Treibstoff für den globalen Transport und Freihandel setzen den EU-Arbeitnehmer direkter Konkurrenz wie z.B. aus China aus. Entsprechend driftet der EU-Wohlstand am unteren Ende in die Tiefe.
Bahnix 14.11.2016
3. 118 Millonen Bürger
Sind auch 118 Millionen Wähler! Hallo Ihr Politiker: Das bitte nicht vergessen. VorAllem bei der Festlegung der Diäten!
cosifantutte 14.11.2016
4. In Deutschland gibt es keine Armut
Nach dem Krieg waren alle viel ärmer(selbst erlebt).
kayakclc 14.11.2016
5. Bedrohungen
Das Wort Bedrohung kommt von Drohen. Da "droht Armut", es wird aber nicht gesagt, wie Armut definiert wird und darin liegt schon die Krux. Wenn wir in Deutschland auf eine Schlag die Gehälter verdopplen würden, und alle mehr kaufen Könnten, ändert sich nichts an der Armutsquote als Folge der Definition von Armut. Wenn wir die deutsche Definition von Armut auf die EU ausweiten würden wahrscheinlich 80% der Menschen in Ost-Europa arm sein. Damit ist der Begriff "Armut" im ein relativer, weswegen eine Gruppe von Leute, und dazu gehöhren Auch Medien eine permanente Bedrohungslage sehen. Kern und Angelpunkt ist immer eine Eigenverantwortung der Menschen, die Bildungsangebote des Landes auch zu nutzen, den Hintern hoch zu bekommen, und es sich nicht in einer Nische bequem zu machen. Dabei geht es nicht um Bildungsabschlüsse, wie die Politik uns suggerieren will, sondern um wirkliches Wissen. Aber leider ist das von geringen interesse. Wir wollen mediale Aufmerksamkeit und das erreichen wir mit eine "Bedrohungslage", ob Terrorismus, innerer Sicherheit oder Armut, das spiel keine rolle weil diese Artikel alle keine wirklichen Anworten geben (wollen)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.