Solarförderung: Regierung verzichtet auf Kürzung im Juli

Die Solarbranche kann vorerst aufatmen: Die Bundesregierung verzichtet auf eine Kürzung der Förderung im Juli - weil im laufenden Jahr bislang nur moderat Anlagen zugebaut werden. Kritiker warnen vor einer Fehlkalkulation.

Solaranlage: "Die Flaute kommt nicht zufällig" Zur Großansicht
REUTERS

Solaranlage: "Die Flaute kommt nicht zufällig"

Berlin - Hausbesitzer haben in diesem Jahr weniger Solaranlagen gekauft als von der Politik erwartet. Die Installation neuer Solaranlagen wird daher auch künftig so gefördert wie bisher. "Es wird im Juli keine Absenkung der Vergütung geben", sagte die parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium, Katherina Reiche (CDU), der "Financial Times Deutschland" ("FTD").

Begründung: Von März bis Mai seien außergewöhnlich wenig Solaranlagen neu gebaut und gemeldet worden. "Es sind nur 700 Megawatt installiert worden", sagte Reiche. Hochgerechnet auf das Jahr wären das 2800 Megawatt - und damit weniger als 3500 Megawatt Ausbau pro Jahr. Nach Plänen der Regierung sollten die Förderungen aber erst ab dieser Zielmarke zusätzlich gekappt werden.

Die nächste Kürzung steht nun im Januar an. Dann wird die Förderung um neun Prozent zurückgehen. Sollte der Zubau bis Ende 2011 stärker ausfallen als aktuell geschätzt, wäre eine höhere Kürzung möglich. Die Reduzierung der Solarförderung war beschlossen worden, um Verbraucher zu entlasten, die den Öko-Boom der vergangenen Jahre über den Strompreismitbezahlt haben.

An der Börse kam die Nachricht gut an: Aktien der Hesteller Solarworld Chart zeigen, Phoenix Solar Chart zeigen, Q-Cells und Centrotherm Chart zeigen legten im TecDax Chart zeigen zwischen 2,3 und 0,9 Prozent.

Käufe ziehen im Juni an

Fachleute fürchten, dass sich die Regierung verkalkuliert hat. Demnach ziehen die Käufe neuer Photovoltaikanlagen wieder an. Kritiker warnen vor einem "Sommerschlussverkauf" im Juni. Dafür spricht, dass seit einigen Monaten die Preise für Solarmodule und Solarwechselrichter fallen. Die großen gewerblichen Investoren dürften die Preissenkung abwarten - und dann neue Anlagen in Auftrag geben.

Auch in der schwarz-gelben Koalition gibt es Politiker, die hinter der aktuellen Flaute ein System vermuten. "Das kommt nicht zufällig", sagte Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs (CDU) der "FTD". In den kommenden Monaten dürfte "es wieder einen Ansturm geben. Diesen Effekt gab es bereits in der Vergangenheit."

yes/ssu/dpa

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insgesamt 117 Beiträge
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1. Ohne Lobbygemauschel geht in Deutschland nichts
u.loose 16.06.2011
Kritiker des Kompromisses, den Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) mit der Solarwirtschaft ausgehandelt hat, hatten von Anfang an vor einem "Sommerschlussverkauf" im Juni gewarnt. Erst waren es wohl die Versorger und heute geben sich die Lobbyisten der sogenannten "Solar-Industrie" die klinke in die Hand. Bleibt die Frage, wie der Bürger so vor einer ständig steigenden EEG Umlage geschützt werden soll. Vermutlich gar nicht.... Heute schon kassieren die PV-Anlagen fast 50% der Gesamtförderung von 17.1 Mrd pro Jahr und liefern dafür real fast nichts. Und dann soll die "Wende" für 50 Euro im Jahr zu machen sein. Eine dreiste Lüge!
2. Solarenergie ist übrigens Kernenergie
firem 16.06.2011
Die Sonne ist ein enormer Fusionreaktor. An der Kernfusionstechnik arbeitet das Max-Planck-Institut nun seit 40 Jahren mit Milliardenaufwänden ohne jeden wirklichen Fortschritt. Man sollte diesen Fehlweg endlich beenden, weil es widersinnig ist, mit unbeherrschbaren hohen Temperaturen (9 Mio.° C) Dampf zu erzeugen, um darüber mit Dampfturbinen und Generatoren Elektrizität zu erzeugen. Die Luft ist voller Elektrizität, die man nur anzapfen bräuchte, um die Versorgung sicherzustellen. Aber da wird nicht geforscht. Oder wie man die Magnet-Bubbles anzapfen kann, um direkte Elektrizität daraus zu gewinnen. Die Generatorentechnik von Miller und Tesla ist 130 Jahre alt und es wird langsam Zeit, bei der direkten Erzeugung von Elektrizität (s. Brennstoffzellen) anzusetzen.
3. Schieflage...
archnase 16.06.2011
Zitat von sysopKritiker sehen eine Schieflage, weil ein Hartz-IV-Empfänger somit die Erträge des Hausbesitzers mitzahlt, der sich eine Photovoltaikanlage auf dem Dach leisten kann.
Ich halte die garantierte Einspeisevergütung auch für falsch, einfach weil ich nicht glaube, dass Solarstrom in einem freien Markt vom Kosten/Nutzen-Verhältnis bestehen könnte. Aber Fakt - ohne emotionale Aufladung betrachtet - ist doch, dass von den genannten Personengruppen die Hausbesitzer die einzigen sind, die Schritte unternehmen, die zumindest theoretisch geeignet sind der Energieproblematik beizukommen. Und dass sich - dank Einspeisevergütung - die Investition irgendwann amortisiert ist eine Sache, aber die Liquidität ist erstmal futsch, und wenn man sich für den Betrag ein neues Auto kauft oder die Investition komplett ausfiele, ist der gesellschaftliche Nutzen nunmal nicht da.
4. Freie Wirtschaft ? oder mehr Geld für die Reichen ?
EE-Buerger 16.06.2011
"Begründung: Von März bis Mai seien außergewöhnlich wenig Solaranlagen neu gebaut und gemeldet worden." Dies sagt doch schon alles ! Die wenigsten Menschen "dekorieren" ihre Dachflächen mit Modulen weil sie die Umwelt schonen wollen oder alternative Energien gut finden. Nein, die Module werden von den reicheren Hausbesitzern auf die Dächer gebaut, weil damit gutes Geld zu verdienen ist. Und dies Geld müssen ALLE durch ihre Stromrechnung bezahlen. Wieder einmal wird den Ärmeren unter uns das Geld aus ihren Taschen gezogen, ohne dass sie sich wehren können. Ganz davon abgesehen dass PV weiterhin nur eine Nischenfunktion bei der Stromerzeugung ausübt. Ohne diese Einspeisegarantie gäbe es bestimmt keine PV-Anlagen ... Und so etwas nennt sich nun freie Wirtschaft !
5. Die Lüge wird so langsam ruchbar.
ir² 16.06.2011
Zitat von sysopDie Bundesregierung gibt weniger für die Solarförderung aus als geplant - und verzichtet daher auf die für Juli vorgesehene Kürzung. An der Börse legen Öko-Werte deutlich zu. Doch*Kritiker warnen*vor einer Fehlkalkulation der schwarz-gelben Koalition. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,768732,00.html
Das vorgeschobene Ziel der EEG-Einspeisevergütung u.a. PV in die Wirtschftlichkeit zu tragen wird immer unglaubwürdiger. PV, wie auch WKA, bleiben eine ewige Subventionsbaustelle, da es sich primär um die Durchsetzung von politisch vorgegebenen Zubauzahlen geht, und nicht um die propagierte Wettbewerbsfähigkeit.
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