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Sonderkonditionen für Liberale: Große Privatversicherung lockt FDP-Mitglieder

Sie wollen sich zu Super-Konditionen privatversichern? Dann werden Sie am besten erst mal FDP-Mitglied. Denn die DKV, zweitgrößte Privatkasse der Republik, bietet Sympathisanten der Liberalen einen besonders attraktiven Tarif.

FDP-Chef Westerwelle: Die Besserverdienenden stets im Blick Zur Großansicht
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FDP-Chef Westerwelle: Die Besserverdienenden stets im Blick

Hamburg - Keine Frage: Es ist ein verlockendes Angebot - und das auch noch "exklusiv für FDP-Mitglieder": Die Deutsche Krankenversicherung (DKV), in Deutschland einer der größten Anbieter privater Krankenversicherungen und europaweit sogar Marktführer auf dem Gebiet, wirbt auf der Website der liberalen Plattform netzwerk-mit-nutzwert.de mit einem besonderen Clou für Besserverdiener und andere Freunde von Guido Westerwelle. Das Angebot, so die Werbung, stelle eine "liberale Alternative zur Gesundheitsreform" dar.

Was gar nicht mal übertrieben ist: Denn FDP-Mitglieder, überdurchschnittlich häufig privatversichert, bekommen bei der zum Ergo-Konzern gehörenden DKV fünf Prozent Rabatt auf den regulären Tarif, haben sie bereits Vorerkrankungen, ist das anders als bei Nicht-Anhängern kein Hindernis für einen Versicherungsschutz. Und Wartezeiten für den Neuvertrag gibt es auch nicht.

Ist das Zusammenspiel von DKV und FDP ein Skandal? Nein. Denn derartige Gruppenverträge für bestimmte Unternehmen und Verbände sind keine Seltenheit - egal, welche Firma ihn für wen anbietet. So können FDP-Mitglieder auch bei Sixt zu attraktiveren Konditionen Autos mieten und über Vodafone günstiger telefonieren. Auch andere Parteien, die nicht überall den ganzen Tag "Mehr netto vom brutto" fordern, bieten ihren Mitgliedern Einsparpotentiale. Und, ja, auch Journalisten können sich über die DKV zu vergleichbaren Konditionen wie FDP-Mitglieder versichern.

DKV um Schadensbegrenzung bemüht

Was der Causa DKV/FDP allerdings ein Geschmäckle verleiht, ist die Tatsache, dass sich die Liberalen massiv für die Belange der privaten Krankenversicherer einsetzen. Während in allen anderen Parteien Politiker zumindest hinter vorgehaltener Hand die in Europa einzigartige Trennung von privaten und gesetzlichen Kassen für überkommen halten, stellt fast jeder liberale Politiker die Besserbehandlung von Besserverdienenden stets unter Artenschutz.

So hatte die FDP in ihrem Wahlprogramm ursprünglich sogar vorgesehen, das gesamte Krankenkassensystem zu privatisieren. Weil diese Revolution mit der Union nicht durchsetzbar war, bedient der Juniorpartner in der Koalition nun die Belange der Branche in evolutionären Schritten: Gutverdiener sollen schon bald wieder nach einem Jahr mit Verdienst über der Versicherungspflichtgrenze zur Privatversicherung überlaufen können. Und ein Lobbyist der Privatversicherungen wird mit der Berufung auf einen Spitzenposten im Gesundheitsministerium zum zentralen Gestalter der von der Regierung geplanten Reform des Krankenkassensystems.

Die DKV ist derweil sichtlich um Schadensbegrenzung bemüht. Man verfolge mit dem FDP-Angebot keinerlei politische Ziele, sagte ein Sprecher des Unternehmens SPIEGEL ONLINE. Und: "Wir würden auch eine andere Partei, die mit dem Anliegen eines Gruppenvertrags auf uns zukommt, nicht abweisen."

Die größten privaten Krankenversicherungen
Unternehmen Mitglieder
Debeka 2.186.111
DKV 899.885
Axa 756.128
Allianz 683.008
Central 494.368
Signal 471.871
Continentale 386.975
HUK-Coburg 385.664
Bayerische Beamtenkasse 380.402
Barmenia 306.344
Quelle: Versicherungsjournal.de

Vollversicherte, Stand: 2011

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Forum - Wird die private Krankenversicherung unfinanzierbar?
insgesamt 832 Beiträge
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1.
ender, 17.12.2009
Zitat von sysopAlle Jahre wieder erhöhen die privaten Krankenversicherungen ihre Prämien - aber mit einem Plus von bis zu 20 Prozent erwischt es viele Kunden dieses Mal besonders heftig. Viele Versicherte befürchten bereits, dass der First-Class-Schutz unbezahlbar wird. Ist diese Furcht berechtigt?
Ich halte schon jetzt das Preis/Leistungsverhältnis der privaten Krankenversicherungen für völlig indiskutabel. Mir fiele nicht im Traum ein, mich privat zu versichern. Das geld auf ein Sparbuch und wenn's dann wirklich enötig sein sollte: Privatarzt + Sanatorium.
2.
Stefanie Bach, 17.12.2009
Zitat von sysopAlle Jahre wieder erhöhen die privaten Krankenversicherungen ihre Prämien - aber mit einem Plus von bis zu 20 Prozent erwischt es viele Kunden dieses Mal besonders heftig. Viele Versicherte befürchten bereits, dass der First-Class-Schutz unbezahlbar wird. Ist diese Furcht berechtigt?
Wenn die ehedem so günstig und komfortabel Versicherten dann tatsächlich älter und krank werden, dann wird es teuer, das liegt in der Logik der Sache. Schwarz-Gelb hat kein Konzept in der Gesundheitspolitik, Norbert Blüm hat das richtig erkannt: Koalitionsvertrag - Fehlstart schwarz-gelber Geisterfahrer (http://www.plantor.de/2009/koalitionsvertrag-fehlstart-schwarz-gelber-geisterfahrer/)
3.
rolli 17.12.2009
Zitat von sysopAlle Jahre wieder erhöhen die privaten Krankenversicherungen ihre Prämien - aber mit einem Plus von bis zu 20 Prozent erwischt es viele Kunden dieses Mal besonders heftig. Viele Versicherte befürchten bereits, dass der First-Class-Schutz unbezahlbar wird. Ist diese Furcht berechtigt?
Die PKV hat bisher in ihrer Prämienberechnung so getan, als ob es das Krankenhaus oder die Ausbildung eines Arztes nicht in die Kostenrechnung einfliessen würde. Deswegen die preiswerten Prämien, die, nebenbeibemerkt zu astronomischer Höhe ab dem 65. Lebensjahr ansteigen. Die Finanzierung des Krankenhausbaus oder der Universitäten etc. flossen nicht in die Prämien ein. Nun wird aus der PKV eben eine Versicherung, die sich auch an diesen Kosten beteiligen muss. Prämienerhöhung inbegriffen udn Nimbus der PKV zerstört.
4.
grauer kater 17.12.2009
Zitat von enderIch halte schon jetzt das Preis/Leistungsverhältnis der privaten Krankenversicherungen für völlig indiskutabel. Mir fiele nicht im Traum ein, mich privat zu versichern. Das geld auf ein Sparbuch und wenn's dann wirklich enötig sein sollte: Privatarzt + Sanatorium.
Dann haben Sie zumindest den GKV Schutz, sonst bleibt Ihnen im Ernstfall nur das letzte Hemd und sie hinterlassen einen riesigen Schuldenberg, falls Sie jemand aus humanitärer Sicht behandelt!
5.
Volker Gretz, 17.12.2009
Zitat von sysopAlle Jahre wieder erhöhen die privaten Krankenversicherungen ihre Prämien - aber mit einem Plus von bis zu 20 Prozent erwischt es viele Kunden dieses Mal besonders heftig. Viele Versicherte befürchten bereits, dass der First-Class-Schutz unbezahlbar wird. Ist diese Furcht berechtigt?
Ich frage mich, was das soll? 20%-Erhöhungen waren doch schon immer an der Tagesordnung. Wenn die PKV allgemein um 3% erhöht - dann steigt eben nicht der Beitrag eines 40-jährigen (der sich mit mit 20 privat versichert hat) um 3%. Sondern er steigt um 3% von dem was ein 40-jähriger jetzt bei Neueintritt bezahlen würde. Ich denke, die PKV-Strategen wollen einfach Rössler beim Schutz der PKV unterstützen.
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Fotostrecke
Schwarz-gelbe Pläne: Wie sich die Finanzierung der gesetzlichen Kassen ändern soll

Die bisherigen Gesundheitsreformen
1977: Die Kürzungen beginnen
Es dauert fast drei Jahrzehnte, bis es in der Bundesrepublik zur ersten größeren Gesundheitsreform kommt: Mit dem "Kostendämpfungsgesetz" der sozial-liberalen Koalition versucht die Regierung, die Inanspruchnahme von Leistungen zu steuern: Sie führt Zuzahlungen bei Arznei-, Verbands- und Heilmitteln ein - in Höhe des aus heutiger Sicht niedlichen Betrags von einer Mark pro Medikament.
1983: Auch die Rentner müssen zahlen
Mit zwei Reformen zu Beginn der achtziger Jahre werden die Zuzahlungen durch die Versicherten erhöht. Auch für die Rentner sind die rosigen Zeiten vorbei. Konnten sie sich zuvor kostenlos versichern, müssen sie seit 1983 auch einen einkommensabhängigen Beitrag leisten.
1989: Der erste Rundumschlag
Mit dem "Gesundheitsreformgesetz" von Norbert Blüm geht es ans Eingemachte: Die Eigenbeteiligung der Patienten wird weiter erhöht - etwa bei Arzneimitteln, im Krankenhaus und beim Zahnersatz. Erstmals unternimmt die Regierung auch den Versuch, die Kosten für Medikamente mit radikalen Maßnahmen in den Griff zu bekommen, indem sie Bagatallmedikamente aus dem Leistungskatalog streicht und Festbeträge für Arzneimittel einführt. Seither zahlen die Kassen nicht mehr automatisch jeden Preis für Tabletten und Co., sondern nur noch einen Höchstbetrag. Verschreibt der Arzt ein teureres Mittel, muss der Patient die Differenz zahlen. Trotz dieses Rundumschlags an Kosteneinsparungen sind die Beiträge jedoch nur für kurze Zeit stabil.
1993: Die Leistungen werden budgetiert
Gesundheitsminister Horst Seehofer verfolgt mit dem "Gesundheitsstrukturgesetz" 1993 erneut das Ziel, die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen in den Griff zu bekommen. Um den Anstieg der Leistungsausgaben besser zu kontrollieren, werden sie für einen begrenzten Zeitraum budgetiert. Gleichzeitig erhöht die Regierung erneut die Selbstbeteiligung bei Arznei- und Verbandsmitteln. Das Projekt einer Positivliste, die alle erstattungsfähigen Medikamente benennt, scheitert allerdings. Auch deshalb wird das Reformziel stabiler Beiträge erneut nur für wenige Jahre erreicht.
1997: Zahnersatz bitte selbst zahlen
Die "GKV-Neuordnungsgesetze" stehen ebenfalls in der Tradition ihrer Vorgängerinnen: Patienten müssen sich an den Kosten für Arznei- und Heilmittel, Krankenhaushaufenthalte und Fahrten etwa vom Krankenhaus noch stärker beteiligen. Jüngere Jahrgänge bekommen außerdem geringere Kassenzuschüsse beim Zahnersatz.
1999: Rot-Grün wagt den Leistungsausbau
Mit dem "Solidaritätsstärkungsgesetz" bringt erstmals seit rund zwei Jahrzehnten eine Gesundheitsreform wieder ein Mehr an Leistungen. So werden unter anderem die Zuzahlungen für die Patienten gesenkt. Gleichzeitig führt die rot-grüne Koalition aber zur Begrenzung des Ausgabenwachstums erneut Budgets für Arzthonorare, Krankenhäuser und Arzneimittel ein.
2004: SPD und Union bitten zur Kasse
Nachdem die rot-grüne Regierung in den Folgejahren ebenfalls zum Leistungsabbau umgeschwenkt ist, wagt sie in Kooperation mit dem unionsdominierten Bundesrat ähnlich wie 1989 einen Kostendämpfungsrundumschlag: Das "Gesetz zur Modernisierung der Gesetzlichen Krankenversicherung" sieht unter anderem vor, dass Patienten eine Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal zahlen müssen, verschreibungsfreie Medikamente gar nicht mehr erstattet werden und die Selbstbeteiligung bei erstattungsfähigen Arznei- und Heilmitteln zehn Prozent der Kosten (maximal zehn Euro) beträgt.
2005: Paritätische Finanzierung am Ende
Aus für ein Prinzip, das seit 1883 in Deutschland bestand: Wurden die Beitäge zur Krankenversicherung zuvor paritätisch finanziert, also jeweils zur Hälfte durch den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer, müssen die Versicherten nun einen Sonderbeitrag in Höhe von 0,9 Prozent zahlen.
2009: Der Gesundheitsfonds kommt
Zum Jahresbeginn 2009 ändert sich die Finanzierung der Krankenkassen grundlegend: Konnten die Versicherungen bislang ihren Beitragssatz weitgehend selbst festlegen, wird dieser künftig einheitlich von der Regierung bestimmt. Die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer mitsamt Steuerzuschuss fließen nun in den Gesundheitsfonds. Die Krankenkassen erhalten dann Pauschalen pro Versichertem von dieser gigantischen Geldsammelstelle. Weitere Änderung: Jeder Bürger muss eine Krankenversicherung abschließen.

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