Schuldenkrise: Spaniens Sorgenbanken bedrohen Euro-Zone

Die Sorge um spanische Banken rückt in den Mittelpunkt der Schuldenkrise. Die Institute leiden unter dem Platzen der Immobilienblase, sie müssen massenhaft faule Kredite abschreiben. Die Forderungen werden lauter, die Banken direkt mit Geld des Rettungsfonds zu versorgen.

Santander-Chef Saenz: 3,1 Milliarden Euro Rücklagen für faule Kredite Zur Großansicht
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Santander-Chef Saenz: 3,1 Milliarden Euro Rücklagen für faule Kredite

Madrid - Die Immobilienkrise setzt den spanischen Banken zu. Großbanken wie Santander und BBVA mussten deutliche Gewinnrückgänge hinnehmen. Santander etwa verzeichnete im ersten Quartal ein Ertragsminus von knapp einem Viertel auf 1,6 Milliarden Euro. Allein 3,1 Milliarden Euro musste die Bank für möglicherweise ausfallende Kredite zurücklegen - das sind 51 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Großbank BBVA hatte am Vortag für das erste Quartal einen Gewinnrückgang um 12,6 Prozent auf 1,0 Milliarden Euro bekanntgegeben.

Die Regierungen Spaniens und Portugals hatten die höheren Rücklagen von ihren Banken gefordert. Ohne die Vorsorge hätte Santander einen Rekordgewinn erzielt. Die spanischen Banken sitzen nach dem Platzen der Immobilienblase auf Krediten in Höhe von 176 Milliarden Euro, die zum Großteil nicht zurückgezahlt werden können.

Die bedrohliche Lage der Geldhäuser sorgt nun offenbar sogar dafür, dass ein Tabu bei der Euro-Rettung bröckelt: Die Europäischen Zentralbank und die Euro-Staaten prüfen, wie angeschlagene Institute an Geld aus dem Rettungsfonds ESM kommen können. Das berichtete die "Süddeutsche Zeitung" am Donnerstag. Bislang wurde eine solche Option vor allem von der Bundesregierung strikt abgelehnt. Die Idee dahinter: Hilfskredite sollen nur im Gegenzug für Spar- und Reformprogramme der Staaten gezahlt werden.

Doch die Sorge, dass eine Pleitewelle unter Spaniens Banken die Schuldenkrise eskalieren lassen könnte, scheint größer. Die Haushaltslage in dem südeuropäischen Land hatte sich zuletzt verschlechtert; die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen waren mehrfach deutlich gestiegen.

Laut "SZ" soll nun eine Arbeitsgruppe der Euro-Länder prüfen, wie eine direkte Vergabe von Krediten abgewickelt werden könnte. Damit solle vermieden werden, dass ein ganzes Land den Fonds anzapfen muss. Die Sorge: Im Falle Spaniens und Italiens könnte der Rettungsfonds nicht ausreichen.

Draghi für Auffanglösung

EZB-Präsident Mario Draghi sprach sich am Donnerstag klar für eine Lösung auf europäischer Ebene aus. Ein Rettungssystem für die Bank sei dringender geworden, sagte der Notenbank-Chef am Donnerstag auf einer gemeinsamen Konferenz von EZB und EU-Kommission in Frankfurt am Main. "Es wäre äußerst hilfreich, wenn jetzt daran gearbeitet würde", fügte Draghi hinzu.

Sein Stellvertreter Vitor Constancio erläuterte, es gebe allein 36 große systemrelevante Banken, für die vorsorglich ein Auffangfonds gebildet werden sollte. "Das ist der einzige Weg, wie die verzwickte Frage der Lastenverteilung in der Krise gelöst werden kann."

cte/dpa/Reuters

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insgesamt 20 Beiträge
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1.
Lux-smoker 26.04.2012
Bitte Schäuble sag uns das dass alles nicht so schlimm ist. Sind doch nur Bürgschaften die niemals eintreten werden. Bitte bitte...
2. ???
brux 26.04.2012
Dafür, dass diese Banken pleite sind, erzielen sie ja noch ganz schöne Gewinne. Warum verstaatlicht man sie nicht einfach, wenn der Staat am Ende doch blechen muss?
3. Falsche Überschrift
altmannn 26.04.2012
Zitat von sysopREUTERSDie Sorge um spanische Banken rückt in den Mittelpunkt der Schuldenkrise. Die Institute leiden unter dem Platzen der Immobilienblase, sie müssen massenhaft faule Kredite abschreiben. Die Forderungen werden lauter, die Banken direkt mit Geld des Rettungsfonds zu versorgen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,830019,00.html
Nicht die spanischen Banken bedrohen die Eurozone, sondern die Qualitätspolitiker , die zugunsten der Banken die Marktmechanismen aushebeln.
4. 36 systemrelevante Banken
pansen 26.04.2012
no comment :-)
5.
Shaft13 26.04.2012
Millairdengewinne und sind denoch in der Klemme? Ist klar,hauptsache die dummen Deutschen zahlen für alles.
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