London/Brüssel - US-Investor George Soros hat eine neue Rolle für sich entdeckt: Ausgerechnet der Spekulant gibt sich in der Weltfinanzkrise als Mahner und als Unterstützer der Wirtschaftskritiker. Soros solidarisierte sich bereits mit den Wall-Street-Demonstranten, nun trommelte er auch noch Prominente für einen offenen Mahnbrief an die Euro-Länder zusammen. Das "Handelsblatt" zitierte aus dem Schreiben. Die Forderung: "Die Euro-Krise muss sofort gelöst werden."
Soros habe etwa hundert Politiker, Ökonomen, Unternehmer und Manager aus ganz Europa als Unterzeichner gewinnen können, berichtete die Zeitung. Diese kritisieren, dass die derzeitigen Maßnahmen im Kampf gegen die Schuldenkrise nicht ausreichend seien, zu spät kämen und weltweit Verwerfungen an den Finanzmärkten auslösten.
Zu deutschen Unterzeichnern des Briefs zählen laut der Zeitung der ehemalige Außenminister Joschka Fischer, der frühere Bundesfinanzminister Hans Eichel und der Ex-Chefökonom der Deutschen Bank, Norbert Walter. Zudem konnte Soros neben anderen Prominenten den ehemaligen EU-Außenbeauftragten Javier Solana als Unterstützer gewinnen.
"Einen Befreiungsschlag wird es nicht geben"
Sie alle fordern eine europäische Lösung der Schuldenkrise. Das Streben nach nationalen Alleingängen führe unweigerlich zum Zusammenbruch, heißt es in dem Brief. Allerdings haben die Promis nicht nur Forderungen, sondern auch Vorschläge parat. So plädieren sie dafür, ein Finanzinstitut zu gründen, das ähnlich wie ein Finanzministerium Geld für die Euro-Zone als Ganzes verwaltet und für Haushaltsdisziplin in den Mitgliedsländern sorgen kann. Zudem setzen sie sich für eine stärkere Überwachung und Regulierung des Finanzsystems ein.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dämpfte aber die Erwartungen für eine schnelle Lösung der Euro-Krise. Auch das kommende Gipfeltreffen der EU-Staats- und Regierungschefs am 23. Oktober werde nicht die eine Lösung für das gesamte Problem bringen, sagte Merkel während eines Auslandsbesuchs in Vietnam. "Einen Paukenschlag, einen Befreiungsschlag wird es nicht geben." Die Verschuldung in einzelnen Euro-Staaten sei über Jahrzehnte entstanden. Jetzt müsse ein mühsamer und schmerzhafter Reformweg beschritten werden.
Ganz oben auf der Agenda der Euro-Retter steht die Stärkung der Banken. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso will an diesem Mittwoch im Europaparlament Vorschläge machen, wie diejenigen Kreditinstitute mit zusätzlichem Kapital versorgt werden sollen, denen im Zuge der Staatsschuldenkrise hohe Abschreibungen drohen.
Zunehmende Sorgen der Deutschen angesichts der Krise
Auch die europäische Bankenaufsicht EBA arbeitet laut einem Zeitungsbericht an konkreten Schritten für eine Bankenrettung. Laut "Financial Times" sollen die Institute angesichts der Schuldenkrise künftig eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent vorweisen. Sie sollen sechs bis neun Monate Zeit bekommen, um dies zu erreichen - ansonsten drohen ihnen staatlich verordnete Finanzspritzen. Die Aufseher hätten diese Pläne im Grundsatz beschlossen, schreibt die Zeitung. Damit würden die Kapitalregeln weit stärker verschärft als in der Branche erwartet.
Die Sorge vor einer Eskalation der Schuldenkrise beschäftigt offenbar nicht nur die Finanzwelt und die Politik. Laut einer Umfrage ist die Angst vor der Endlos-Krise zur größten Sorge der Deutschen geworden. Die Zeitschrift "Stern" veröffentlichte am Mittwoch ein sogenanntes "Sorgenbarometer". Demnach ist die Verunsicherung der Bürger aufgrund der Euro-Krise seit Ende Juli deutlich gewachsen.
An erster Stelle rangiert demnach die Angst vor den Staatsschulden, die 71 Prozent der Befragten nannten. Das ist ein Plus von acht Punkten gegenüber der Juli-Umfrage. Noch stärker gestiegen ist die Furcht, dass die Politiker mit den Problemen des Landes überfordert sind. Es ist die zweitgrößte Sorge und wurde von 61 Prozent der rund tausend Befragten angegeben.
mmq/dpa
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