Gasstreit Bulgarien stoppt Arbeiten an South-Stream-Pipeline

Zwischen Moskau und Brüssel verhärten sich die Fronten. Bulgarien hat den Bau der South-Stream-Pipeline auf Geheiß der EU-Kommission vorerst ausgesetzt. Durch das Projekt soll Gas um die Ukraine herum nach Europa gelangen.

South-Stream-Pipeline (Archivbild): Streit um milliardenschweres Bauprojekt
AP

South-Stream-Pipeline (Archivbild): Streit um milliardenschweres Bauprojekt


Sofia - Bulgarien hat die Vorbereitungen für das Gasleitungsprojekt South Stream vorerst eingestellt. "Das Projekt wird nur dann fortgesetzt werden, wenn wir alle Kritikpunkte aus Brüssel ausgeräumt haben", sagte Regierungschef Plamen Orescharski. Das Projekt liege jedoch nur vorläufig auf Eis, betonte Energieminister Dragomir Stoynev. Langfristig sei das Projekt "unumkehrbar" und "wichtig sowohl für Europa als auch für Bulgarien".

Die EU-Kommission hatte am Dienstag verlangt, die Arbeiten am bulgarischen Abschnitt der Leitung vorerst einzustellen. Grund waren Bedenken, dass Bauaufträge nicht im Einklang mit EU-Recht vergeben wurden. Brüssel leitete deswegen ein Verfahren gegen Bulgarien ein. Auch die USA bemängelten die Vergabe des Bauauftrags an ein Konsortium um das russische Unternehmen Stroytransgaz, das von den US-Sanktionen im Ukraine-Konflikt getroffen ist.

Orescharski sagte, er habe angeordnet, dass die Arbeiten eingestellt würden, solange die Beratungen mit der EU über South Stream andauern. Am 13. Juni werden EU-Experten in Bulgarien erwartet. Bulgariens Staatspräsident Rossen Plewneliew sprach sich für die Umsetzung des South-Stream-Projekts aus. Allerdings müsse dies "im Einklang mit dem EU-Recht und auf marktwirtschaftlicher Grundlage" erfolgen.

Die Regierung des ärmsten EU-Landes möchte das South-Stream-Projekt für russisches Gas unbedingt umsetzen, um eine sichere Energielieferung zu garantieren. Die geplante Erdgasleitung soll das Krisenland Ukraine umgehen und damit die Gaslieferungen für Bulgarien unabhängig von der Lage in der Ukraine machen.

Das einstige Ostblockland Bulgarien hängt mehr als sieben Jahre nach dem EU-Beitritt noch immer fast komplett vom russischen Erdgas ab. Bulgarien war vom Gasstreit zwischen der Ukraine und Russland Anfang 2009 hart getroffen worden. Die Lieferungen aus Russland durch die Ukraine blieben damals aus, Hunderttausende Bulgaren mussten frieren.

Zurzeit streiten Russland und die Ukraine erneut über den Preis von Gaslieferungen. Auch die Gasversorgung der Europäischen Union könnte von dem Streit betroffen sein. Die führenden westlichen Industrienationen (G7) wollen daher zusammen mit der EU Notfallpläne für eine sichere Energieversorgung im kommenden Winter vorbereiten.

ssu/dpa-AFX/Reuters



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 217 Beiträge
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Markenbox 09.06.2014
1. Lustig
Zitat von sysopREUTERSZwischen Moskau und Brüssel verhärten sich die Fronten. Bulgarien hat den Bau der South-Stream-Pipeline auf Geheiß der EU-Kommission vorerst ausgesetzt. Durch das Projekt soll Gas um die Ukraine herum nach Europa gelangen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/south-stream-bulgarien-stoppt-arbeiten-an-pipeline-a-974111.html
Die Eu boykottiert sich selbst.
burghard42 09.06.2014
2. Und
Zitat von sysopREUTERSZwischen Moskau und Brüssel verhärten sich die Fronten. Bulgarien hat den Bau der South-Stream-Pipeline auf Geheiß der EU-Kommission vorerst ausgesetzt. Durch das Projekt soll Gas um die Ukraine herum nach Europa gelangen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/south-stream-bulgarien-stoppt-arbeiten-an-pipeline-a-974111.html
was kann man im Netz noch lesen : "Im Zusammenhang mit einer Anfrage von der EU-Kommission stellen wir die Arbeiten am Projekt ein“, sagte Orescharski am Sonntag nach Angaben des Nachrichtenportals novinite.bg. Weitere Entscheidungen würden nach Beratungen mit Brüssel getroffen werden. Dieses Statement gab Orescharski nach einem Treffen mit John McCain und anderen US-Senatoren ab, die am Wochenende Bulgarien besucht hatten. Die EU-Kommission hatte Bulgarien zum Stopp der Arbeiten an der South-Stream-Pipeline aufgefordert, um zu prüfen, ob das Projekt mit EU-Recht vereinbar ist." Zitat Ende Na klar: Flüssiggasmöchtegernlieferant USA hat die Finger nicht drinnen,oder ?
fuenfringe 09.06.2014
3. Na geil!
Zitat von sysopREUTERSZwischen Moskau und Brüssel verhärten sich die Fronten. Bulgarien hat den Bau der South-Stream-Pipeline auf Geheiß der EU-Kommission vorerst ausgesetzt. Durch das Projekt soll Gas um die Ukraine herum nach Europa gelangen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/south-stream-bulgarien-stoppt-arbeiten-an-pipeline-a-974111.html
Da sorgen Präsident Putin und "Präsident" Poroschenko für schwache Zeichen der Entspannung, und was tut Brüssel? Wieder das Irrationalste, das im Katalog steht: die Spannungen verschärfen. Wäre ich Putin oder Poroschenko, ich käme mir komplett verarscht vor. Zudem hackt sich die EU mit der Maßnahme im Zweifelsfall den eigenen Arm ab: Southstream sollte gerade die Versorgung sicherstellen, falls der Ukraine einfällt, das für die EU bestimmte Gas - sagen wir - einem anderen Zweck zuzuführen. Aber der wahre Grund ist wohl sowieso eher dies: Ist klar: die USA wollen sicher stellen, dass die EU mittelfristig das US-Frackinggas kaufen muss. Europa, jedenfalls der EU-Teil davon, wie blöd bist du!
rico.gubler 09.06.2014
4. USA und Auftragsvergabe
Was bitte geht es die USA an wie die Aufträge vergeben werden! Sind sie nicht einverstanden weil keine US-Firma berücksichtigt wird. Die mischen sich in alles ein was sie nichts angeht! Auch wenn die Firma Stroytransgaz auf der Sanktionsliste der USA steht ist das ein Europäisches Problem. Aber Brüssel spingt um den USA zu willen zu sein!
ro2bärt 09.06.2014
5. In Geiselhaft genommen
Zitat von sysopREUTERSZwischen Moskau und Brüssel verhärten sich die Fronten. Bulgarien hat den Bau der South-Stream-Pipeline auf Geheiß der EU-Kommission vorerst ausgesetzt. Durch das Projekt soll Gas um die Ukraine herum nach Europa gelangen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/south-stream-bulgarien-stoppt-arbeiten-an-pipeline-a-974111.html
Ich habe schon damals die Aufregung um Gerhard Schroeder und den Nord-Stream nicht verstanden. Was kann besser sein, als mit dem Herstellerland direkt verbunden zu sein - ohne staaten dazwischen, die einen erpressen können. Nun wird der South-Stream gestoppt. Das Gas soll also auf Gedeih und Verderb durch die Ukraine geleitet werden, dem Ort also, wo nun alle mitkassieren möchten, einschließlich Herr Biden junior. Alle Gasbezieher Westeuropas werden dafür in Geiselhaft genommen, denn sie zahlen die Zeche am Schluss.
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