Umweltschutz Sozialverbände sehen kostenlosen Nahverkehr kritisch

Kostenlos mit Bus und Bahn - die Idee hat zweifelsohne ihren Reiz. Besonders für Menschen, die wenig Geld haben. Trotzdem bleiben die Sozialverbände skeptisch.

U-Bahn-Haltestelle in Stuttgart
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U-Bahn-Haltestelle in Stuttgart


Die Sozialverbände in Deutschland haben mit Skepsis auf Vorschläge der Bundesregierung für einen zeitweise kostenlosen Nahverkehr reagiert.

Aus sozialpolitischer Sicht sei eine solche Maßnahme "eher problematisch", teilte der Sozialverband VdK mit. "Es besteht die Gefahr, dass dieses Vorhaben zulasten wichtigerer Zielsetzungen im Bereich Mobilität geht." Bedeutsamer seien der Ausbau der Barrierefreiheit und die bessere Erschließung des ländlichen Raums. Ein kostenloses Nahverkehrsangebot sei nur für bestimmte Personengruppen sinnvoll, etwa Rentner, Behinderte oder Hartz-IV-Empfänger.

Der Sozialverband Deutschland begrüßt derweil einen kostenlosen Nahverkehr grundsätzlich, vermisst aber ein konkretes Konzept. "Die Sache muss von Anfang bis Ende durchdacht sein", sagte Verbandssprecher Benedikt Dederichs. "Man darf nicht Hoffnungen wecken, die sich dann nicht erfüllen lassen." Reaktionen von Einzelmitgliedern habe es bislang nicht gegeben. "Ich glaube, dass unsere Mitglieder gerade vor allem interessiert, ob das mit dem Koalitionsvertrag klappt, weil es da um die paritätische Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung und die Rente geht."

Die Bundesregierung hält einen zeitweilig kostenlosen Nahverkehr zugunsten besserer Luft für denkbar und will zusammen mit Ländern und Kommunen über entsprechende Modelle nachdenken. Deutschland droht eine Klage der EU, weil seit Jahren in vielen Städten Grenzwerte beim Ausstoß von Stickoxiden nicht eingehalten werden - diese gelten als gesundheitsschädlich. "Wir sind bereit, Schritte zu machen", hatte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch angekündigt.

mik/dpa

insgesamt 67 Beiträge
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unzensierbar 15.02.2018
1. Was?
In wie weit ist denn kostenloser Nahverkehr nur für Arbeitslose und Rentner hilfreich? Jeder würde damit Geld sparen und den ÖVPN kostenlos zu machen hat doch nichts mit dem Ausbau zu tun. Im Gegenteil. Mit mehr staatlicher Kontrolle könnte man auch mal dafür sorgen dass das Geld in die Modernisierung und den Ausbau geht anstatt in die Taschen der Chefs.
K:F 15.02.2018
2. Nebelkerze der Bundesregierung
Lenkt das doch von den wahren Problemen in Deutschland ab. Die Bundesregierung will mit aller macht die Autoindustrie schützen. Egal was da komme. Da kann man schon mal was von freier Fahrt im Nahverkehr quasseln. Trump läßt grüßen.
michlauslöneberga 15.02.2018
3. Na ja, die Sozialverbände!
Nicht nur gelegentlich habe ich den Eindruck, als ob diese ihre Klientelpolitik übertreiben,, dass also der "Normalverdiener" als Melkkuh betrachtet wird, die durchaus und ungeniert zur Kasse gebeten werden darf. Dass der "Normalverdiener" ab einem bestimmten Einkommenslevel bei Betrachtung vieler Subventionen und Zuschüsse in der Betrachtung des verfügbaren Einkommens nicht selten sehr nahe am verfügbaren Einkommen der "Kundschaft" der Sozialverbände liegt, spielt wohl keine große Rolle. Rentner per se als schutzbedürftig einzustufen, ist mE ebenfalls nicht richtig, der Bezug von Rente alleine sagt über die tatsächlichen Einkommens- und Vermögensverhältnisse wenig aus.
Dromedar 15.02.2018
4. Denken
erzeugt keine Fakten. Woher nehmen sie Verbände ihre Gewissheit? Sind sie Gott? Der vorgeschlagene Ansatz ist dagegen sinnvoll: In 4 ziemlich unterschiedlichen Städten ausprobieren und dann bewerten.
sponcon 15.02.2018
5. Man kann kein Geld damit sparen
Zitat von unzensierbarIn wie weit ist denn kostenloser Nahverkehr nur für Arbeitslose und Rentner hilfreich? Jeder würde damit Geld sparen und den ÖVPN kostenlos zu machen hat doch nichts mit dem Ausbau zu tun. Im Gegenteil. Mit mehr staatlicher Kontrolle könnte man auch mal dafür sorgen dass das Geld in die Modernisierung und den Ausbau geht anstatt in die Taschen der Chefs.
Man darf nicht vergessen, dass dann auch der Wegfall von Energie- und Mehrwertsteuer kompensiert werden muss. Eine Steuererhöhung wäre dann die Schlussfolgerung.
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