Negativrekord Jeder vierte Spanier ist arbeitslos

Die Zahl der Menschen ohne Job in Spanien hat einen traurigen Rekord erreicht: Die Arbeitslosenquote liegt landesweit bei mehr als 25 Prozent. Im Süden übersteigt sie sogar die 40-Prozent-Marke.

Protestcamp vor der Bank Bankia in Madrid: Höchste Arbeitslosenquote seit 35 Jahren
AP

Protestcamp vor der Bank Bankia in Madrid: Höchste Arbeitslosenquote seit 35 Jahren


Madrid - "5.778.100 Arbeitslose" titelt die einflussreiche spanische Tageszeitung "El Pais" am Freitagmorgen in schwarzen Großbuchstaben auf ihrer Internetseite. Darüber steht in kleinerer Schrift: "Das Drama der Arbeitslosigkeit".

Übertrieben ist das nicht: Die Zahl der Menschen ohne Job ist in dem krisengeschüttelten Euro-Land auf den höchsten Stand seit 35 Jahren gestiegen. Im Sommerquartal war jeder vierte Spanier ohne Job. Die Arbeitslosenquote kletterte auf etwas mehr als 25 Prozent, wie das nationale Statistikamt am Freitag in Madrid mitteilte. In der EU ist die Quote nur in Griechenland minimal höher. In Deutschland lag sie zuletzt bei 6,5 Prozent.

In 16 spanischen Provinzen überstieg die Quote sogar die 30-Prozent-Marke, dazu gehörten alle Provinzen im südlichen Andalusien. In der autonomen Stadt Ceuta, eine spanische Exklave in Nordafrika, erreichte die Arbeitslosigkeit sogar eine Quote von 41,03 Prozent.

Spanien erlebt derzeit zum zweiten Mal innerhalb der vergangenen drei Jahre eine schwere Rezession. Notenbank-Angaben zufolge sank das Bruttoinlandsprodukt von Juli bis September um 0,4 Prozent zum Vorquartal und um 1,7 Prozent zum Vorjahr. Die Frühindikatoren weisen auf einen anhaltenden Absturz hin. Massive Sorgen bereitet auch der Finanzsektor: Das Bankensystem muss neu strukturiert werden, was bis zu 60 Milliarden Euro kosten soll. Spanien hat bei den Euro-Partnern bereits Bankenhilfen beantragt. Zudem prüft die Regierung, ob sie weitere Finanzhilfen braucht und unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen sollte.

Die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy geht die schwierige Lage mit einem eisernem Sparkurs an, um verlorenes Vertrauen an den Finanzmärkten zurückgewinnen. Geplant sind deshalb Budgetentlastungen von rund 60 Milliarden Euro bis 2014. Auf die Bevölkerung kommen harte Zeiten zu - sie muss Steuererhöhungen und Gehaltskürzungen verkraften. Der Sparkurs trifft deshalb auf starken Widerstand: Die Gewerkschaften haben für den 14. November zum Generalstreik aufgerufen.

Arbeitslosigkeit könnte weiter steigen

Auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt könnte sich nach Ansicht von Experten weiter verschlechtern. Die Regierung sei zu optimistisch, was das Wirtschaftswachstum für 2013 betreffe, sagte Analyst Silvio Peruzzo von der Nomura-Bank. Die Regierung erwartet für nächstes Jahr ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,5 Prozent, von Reuters befragte Experten hingegen rechnen mit einem dreimal so starken Rückgang. Ein stärkeres Schrumpfen als erwartet, "verbunden mit dem Sparkurs, könnte die Arbeitslosenquote nächstes Jahr leicht auf 26 Prozent hochtreiben", sagte Peruzzo.

Für 2012 stellt sich die Regierung nach offizieller Schätzung auf ein BIP-Minus von 1,5 Prozent ein. Demnach soll die Arbeitslosenquote bis 2014 nicht unter die Marke von 24 Prozent fallen.

yes/dpa/Reuters

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insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
sagmalwasdazu 26.10.2012
1. Sollen zu uns kommen ...
...denn hier herrscht ja wieder mal aktuell akuter Fachkräftemangel.
cemi 26.10.2012
2. Prima!
Die von EU, IWF und nicht zuletzt Merkel eingeforderten "Reformen" greifen. Die "Sparanstrengungen" wirken genau so, wie von allen wirklichen Fachleuten vorhergesagt. Et läuft...
paulboutique 26.10.2012
3. Anstatt ..
.. um das Vertrauen der "Finanzmärkte", diesen schattenhaften mit bösartigem Eigenleben versehenen und unvorhersehbar agierenden Gespenstern, zu ringen, sollte die spanische Regierung (und sämtliche Regierungs- und Oppositionspolitiker vieler anderer Länder) lieber um das Vertrauen der eigenen Landsleute kämpfen. Nur wer in die Bevölkerung investiert erntet Stabilität. Und zwar auf lange Sicht. Es scheint aber leider der Fall zu sein, dass für die heutige Politikerriege diese Sicht am eigenen (Designer)Brillerrand endet.
Thaeve 26.10.2012
4.
Zitat von paulboutique.. um das Vertrauen der "Finanzmärkte", diesen schattenhaften mit bösartigem Eigenleben versehenen und unvorhersehbar agierenden Gespenstern, zu ringen, sollte die spanische Regierung (und sämtliche Regierungs- und Oppositionspolitiker vieler anderer Länder) lieber um das Vertrauen der eigenen Landsleute kämpfen. Nur wer in die Bevölkerung investiert erntet Stabilität. Und zwar auf lange Sicht. Es scheint aber leider der Fall zu sein, dass für die heutige Politikerriege diese Sicht am eigenen (Designer)Brillerrand endet.
Und daran merkt man, wer der Souverän ist.
Nabob 26.10.2012
5. Unsere Instinkte sind reduziert auf jene der Tierwelt
Zitat von sysopAPDie Zahl der Menschen ohne Job in Spanien hat einen traurigen Rekord erreicht: Die Arbeitslosenquote liegt landesweit bei mehr als 25 Prozent. Im Süden übersteigt sie sogar die 40-Prozent-Marke. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/spanien-arbeitslosenquote-steigt-auf-mehr-als-25-prozent-a-863572.html
So lange unser persönlicher Napf nicht leer ist, ist uns alles egal, innen- wie außenpolitisch. Und wer trägt täglich dazu bei?
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