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Rekordquote: Spaniens Arbeitslosigkeit so hoch wie 1976

Im Tourismus herrscht Hochkonjunktur, trotzdem ist die Arbeitslosenquote in Spanien auf Rekordniveau gestiegen. Im zweiten Quartal lag sie bei fast 25 Prozent - so hoch wie seit 36 Jahren nicht mehr. Vor allem bei Jugendlichen ist die Lage katastrophal: Mehr als jeder zweite hat keinen Job.

Menschenschlange vor Arbeitsagentur in Madrid: Fast jeder zweite Jugendliche ohne Job Zur Großansicht
REUTERS

Menschenschlange vor Arbeitsagentur in Madrid: Fast jeder zweite Jugendliche ohne Job

Madrid - Die Krise in Spanien trifft immer mehr Menschen. So hat die Arbeitslosigkeit im zweiten Quartal den höchsten Stand seit mehr als 30 Jahren erreicht. Die Quote stieg auf 24,6 Prozent, teilte das spanische Statistikamt am Freitag mit. Ein höheres Niveau hat es seit Einführung der Statistik 1976 - und damit ein Jahr nach dem Tod des langjährigen Diktators Franco - nicht gegeben. Im Vorquartal betrug die Quote noch 24,4 Prozent.

Zwar lag die Quote knapp unter den Erwartungen: Analysten hatten mit einer Arbeitslosenquote von 24,9 Prozent gerechnet. Doch es ist die höchste in der gesamten Europäischen Union. Vor allem Jugendlichen fehlt die Perspektive. Mehr als jeder zweite hat keinen Job.

Zwar ist die Zahl der registrierten Arbeitslosen im Juni deutlich zurückgegangen; ein Rückgang im Sommer ist nicht ungewöhnlich, da im spanischen Tourismussektor zur Hochsaison viele Leute eingestellt werden. Doch dies hatte nur geringen Einfluss auf die enttäuschende Quartalsquote. "Die Daten sind ein weiterer Beleg dafür, in welch miserabler Lage die Wirtschaft ist", sagte Analyst Ben May von Capital Economics. "Die Dinge werden nur noch schlechter werden".

Spanien hat nicht nur Probleme mit einer hohen Zahl von Arbeitslosen, sondern auch mit der schwierigen Finanzlage des Landes. Nach Angaben von Wirtschaftsminister Luis de Guindos kann die Regierung ihre Kredite dennoch weiter bedienen. Spanien sei auch mittel- und langfristig kreditwürdig und in der Lage, seine Schulden zurückzuzahlen, sagte Guindos am Donnerstagabend in Madrid. Auch kurzfristig könne man seine Verpflichtungen erfüllen.

Er habe niemals auch nur im Entferntesten daran gedacht, dass Spanien ein Rettungspaket erhalten müsse, betonte Guindos. Das ist zwar richtig: Als Nation braucht Spanien - derzeit - keine Hilfe der Euro-Partner. Allerdings hat das Land ein 100-Milliarden-Euro-Paket erhalten, um seine schwer gebeutelten Banken zu unterstützen.

Spanien gilt als Sorgenland in der Euro-Zone, weil die Zinsen für Staatsanleihen am Markt in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen sind. Zudem steckt das Land in einer tiefen Rezession. Ende 2011 und Anfang 2012 schrumpfte die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone bereits, für das abgelaufene zweite Quartal befürchtet die spanische Notenbank ein Minus von 0,4 Prozent.

yes/Reuters

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insgesamt 109 Beiträge
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1. Tja...
freigeist1964 27.07.2012
Zitat von sysopREUTERSEin Anstieg trotz der Hochsaison im Tourismussektor: In Spanien hat die Arbeitslosigkeit weiter zugenommen. Im zweiten Quartal lag die Erwerbslosenquote bei fast 25 Prozent - so hoch wie seit 1976 nicht mehr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,846701,00.html
.. die Folgen der Globalisierung. Da exportiert man die Arbeit nach China und sonstwohin und wundert sich hinterher, dass man Millionen Arbeitslose durchzuschleppen hat. Eine seltsame Politik ist das...
2. Auswirkungen der Finanzkrise
snakesnif 27.07.2012
Spanien hat noch vier Jahren immernoch mit den Folgen der Finanzkrise zu kämpfen. Ich habe dazu auf meinem Blog (eutopia-blog.blogspot.com) etwas geschrieben. Es muss klar gesagt werden dass Euro- und Finanzkrise im Grunde ein und dieselbe Krise sind, da die einen Probleme durch die Anderen ausgelöst wurden.
3.
muellerthomas 27.07.2012
Wie bitte? Sie sind der Ansicht, es gäbe eigentlich genug Arbeitsnachfrage und die Spanier wären nur falsch erzogen?
4.
muellerthomas 27.07.2012
Zitat von freigeist1964.. die Folgen der Globalisierung. Da exportiert man die Arbeit nach China und sonstwohin und wundert sich hinterher, dass man Millionen Arbeitslose durchzuschleppen hat. Eine seltsame Politik ist das...
Sie unterstellen, dass es ein ganz bestimmtes festgelegtes Arbeitsvolumen gibt, welches einfach auf verschiedene Volkswirtschaften aufgeteilt wird; also entweder sind "wir" arbeitslos oder eben die Chinesen. Doch mit der richtigen Politik könnten natürlich alle Arbeit haben, es würden dann mehr Güter und Dienstleistungen erstellt und es ginge allen besser.
5.
limrz 27.07.2012
Zitat von snakesnifSpanien hat noch vier Jahren immernoch mit den Folgen der Finanzkrise zu kämpfen. Ich habe dazu auf meinem Blog (eutopia-blog.blogspot.com) etwas geschrieben. Es muss klar gesagt werden dass Euro- und Finanzkrise im Grunde ein und dieselbe Krise sind, da die einen Probleme durch die Anderen ausgelöst wurden.
Die Krise in Spanien ist hausgemacht, alles andere ist ein Märchen. Bankia-Skandal in Spanien - Ehemaliger IWF-Chef Rato im freien Fall - Geld - sueddeutsche.de (http://www.sueddeutsche.de/geld/bankia-skandal-in-spanien-ehemaliger-iwf-chef-rato-im-freien-fall-1.1423723)
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Bevölkerung: 46,440 Mio.

Fläche: 505.968 km²

Hauptstadt: Madrid

Staatsoberhaupt:
König Felipe VI.

Regierungschef: Mariano Rajoy

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Gedränge unter dem Rettungsschirm
Griechenland
Im April 2010 beschloss der EU-Gipfel das erste Rettungspaket in Höhe von 110 Milliarden Euro für drei Jahre, bestehend aus bilateralen Krediten unter Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Ein Jahr später legten die Staats- und Regierungschefs ein zweites Rettungspaket nach, an dem sich neben dem IWF auch die privaten Gläubiger mit einem Forderungsverzicht beteiligten. Das später ausgehandelte Gesamtvolumen: 172,6 Milliarden Euro (inklusive 24,4 Milliarden aus dem alten Programm) für die kommenden zwei Jahre. 30 Milliarden Euro davon gehen indes nicht an Athen, sondern zur Absicherung an die Banken. Deren Verlust aus dem Schuldenschnitt: 107 Milliarden Euro.
Irland
Dublin hatte Ende 2010 Beistand der Euro-Partner beantragt, Anfang 2011 flossen die ersten Hilfsmilliarden. Insgesamt ist das Rettungspaket 85 Milliarden Euro schwer, wobei 35 Milliarden zur Rekapitalisierung des Bankensektors vorgesehen sind und Dublin 17,5 Milliarden selbst stemmt. Die letzte Tranche von drei Milliarden Euro ist für Ende 2013 vorgesehen.
Portugal
Im Mai 2011 vereinbarten die EU-Finanzminister Hilfszahlungen in Höhe von 78 Milliarden Euro für das Land. Das über drei Jahre bereitgestellte Geld fließt zu zwei Dritteln aus dem Euro-Rettungsfonds und zu einem Drittel aus dem IWF-Budget.
Spanien
Nach langem Zögern und auf Druck seiner europäischen Partner hat Ende Juni auch die Regierung in Madrid Finanzhilfen für den heimischen Bankensektor beantragt. Den Kapitalbedarf muss ein Team aus Experten aber noch beziffern. Zwei Beratungsfirmen haben ein Volumen von maximal 52 bis 62 Milliarden Euro ermittelt, damit die Kreditinstitute bei einer Zuspitzung der Krise nicht kollabieren. Der IWF geht von mindestens 40 Milliarden Euro aus, bliebe als Geldgeber bei einer reinen Bankenrettung ohne Spardiktat indes außen vor. Grundsätzlich hatten die Euro-Finanzminister Spanien schon vor zwei Wochen bis zu 100 Milliarden Euro zugesagt.
Zypern
Nur wenige Stunden nach Madrid schlüpfte auch Nikosia unter den Rettungsschirm. Wie im Falle Spaniens ist der genaue Kapitalbedarf noch offen und muss zunächst von einem Expertenteam geklärt werden. Diplomatenkreisen zufolge dürfte er sich aber deutlich unter zehn Milliarden Euro bewegen. Ähnlich wie Spanien liebäugelt auch Zypern mit einer "Bankenrettung light", um seine eng mit der krisengeschüttelten griechischen Wirtschaft verbandelten Geldhäuser zu rekapitalisieren. (dapd)


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