Madrid/Paris - Spanien wird zur Rettung maroder Banken nur einen Teil der von der EU zugesagten Hilfen benötigen. Die erforderliche Summe werde sich auf etwa 60 Milliarden Euro belaufen, sagte Wirtschaftsminister Luis de Guindos der Zeitung "International Herald Tribune". Dies entspreche auch der Schätzung des Consulting-Unternehmens Oliver Wyman.
Die EU hatte Spanien für die Banken-Sanierung eine Kredithilfe von bis zu 100 Milliarden Euro zugesagt. Wenn die Forderungen der Geldhäuser über die Einschätzungen der Experten hinausgingen, werde man der Meinung der Consulting-Firma den Vorrang geben, betonte der Minister. Es sei nicht zu erwarten, dass Banken geschlossen werden müssten.
Die Banken sind eine große Schwachstelle im spanischen Finanzsystem. Seit dem Ende des Baubooms haben sie eine Vielzahl fauler Immobilienkredite in ihren Bilanzen, die nicht eingelöst werden können. Allein das Geldhaus Bankia, die viertgrößte Bank in Spanien, benötigt für ihre Sanierung vom Staat mehr als 24 Milliarden Euro.
Spaniens Konjunktur läuft bereits seit zwei Jahren schlechter als angenommen. 2011 schaffte die viertgrößte Ökonomie des Eurolandes nur ein Wachstum von 0,4 Prozent - statt 0,7 Prozent wie bislang angegeben. Das gab das Nationale Statistik-Institut bekannt. 2010 war die spanische Wirtschaftsleistung demnach sogar um 0,3 Prozent geschrumpft, und nicht wie bislang angenommen um 0,1 Prozent.
Noch viel schlimmer sieht es indes im laufenden und im kommenden Jahr aus: Für 2012 erwartet die Regierung in Madrid einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 1,5 Prozent, für 2013 um weitere 0,5 Prozent.
ssu/dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Staat & Soziales | RSS |
| alles zum Thema Schuldenkrise in Spanien | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH