Madrider Top-Politikerin: Neue Hilfen für Spanien "unausweichlich"

Spanien muss womöglich bald ganz unter den europäischen Rettungsschirm schlüpfen. Das deutete die Madrider Bürgermeisterin an. Ein neuer Hilfsantrag scheine "unausweichlich", sagte die Top-Politikerin. Die Banken des Landes sitzen mittlerweile auf faulen Krediten in Rekordhöhe.

Spanien und der Euro: Das Schicksal des Landes entscheidet die Zukunft der Währung Zur Großansicht
dapd

Spanien und der Euro: Das Schicksal des Landes entscheidet die Zukunft der Währung

Madrid - In Spanien hat erstmals ein hochrangiger Politiker EU-Hilfen als unausweichlich bezeichnet. Es sei sehr wahrscheinlich, dass Spanien die Unterstützung beantrage müsse, sagte die Bürgermeisterin von Madrid, Ana Botella, der Nachrichtenagentur Europa Press. "Das steht völlig außer Frage", zitierte die Agentur die Frau des früheren Ministerpräsidenten Jose Maria Aznar, die in der konservativen Regierungspartei zu den wichtigsten Politikern gehört. "Das scheint unausweichlich", sagte Botella mit Blick auf einen möglichen Hilfsantrag.

Spanien hatte erst Ende Juni einen Rettungsantrag für seine maroden Banken gestellt. Wie hoch die Hilfen ausfallen werden, ist noch unklar. Bis zu 100 Milliarden Euro wurden von den Euro-Staaten zugesichert. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Madrid kündigte am Freitag an, dass die Regierung in Kürze die Auszahlung der ersten Tranche beantragen werde.

Doch ob das reicht, ist fraglich. An den Finanzmärkten spekulieren viele Anleger darauf, dass Spanien einen allgemeinen Hilfsantrag stellen muss, der nicht auf den Bankensektor beschränkt ist. Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte angekündigt, erst nach Kenntnis über die Auflagen über einen solchen allgemeinen Antrag beim europäischen Rettungsfonds EFSF oder bei dessen Nachfolger ESM entscheiden zu wollen.

Spanien hat gleich mehrere Probleme. Das Land steckt in der Rezession. Viele Verbraucher haben sich im Zuge des Immobilienbooms hoch verschuldet. Die spanischen Banken sitzen deshalb auf faulen Krediten in noch nie dagewesener Höhe. Wie die Zentralbank am Freitag mitteilte, stieg das Volumen des ausfallgefährdeten Darlehen allein im Juni um 8,4 Milliarden Euro auf 164,4 Milliarden Euro. Das waren 9,42 Prozent aller Darlehen - also fast ein Zehntel. So viele faule Kredite gab es noch nie, seit der Wert 1962 erstmals erfasst wurde.

stk/Reuters/dpa/AFP

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insgesamt 35 Beiträge
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1. Irgendwie erinnert mich das an Griechenland.
glaubblosnix 17.08.2012
Bloss nicht alles auf einmal offenlegen. Besser Scheibchen für Scheibchen, damit man die Geber nicht allzusehr verstimmt.
2. staatsapparat um 50% reduzieren
ausmisten 17.08.2012
kein land europas leistet sich 3 gigantische polizeien,die im zeichen der pleite angehalten sind,dem buerger strafzettel aufzudruecken.in jeden kaff ab 2000 einwohner gibt es policia local und oft noch guardia civil.das gleiche gilt fuer gesundheitscenter der seguridad social.saemtliche behoerden sind kafkaesk ueberdimensioniert.ohne background kann man halt nicht beamtenparadies spielen...EU hilfen sollten an radikalen beamtenabbau gekoppelt werden.
3. Risikomanagement?
neuronensalat 17.08.2012
Und weil die spanischen Banken blöd genug waren, jedem, der nicht bei drei auf den Bäumen war, einen Kredit für den Erwerb einer Immobilie zu geben, sollen wir die jetzt unterstützen? Das ist doch völlig absurd! Kennen diese Banken kein Risikomanagement?
4. Ein anderes Land, dasselbe Spiel!
Brennstoff 17.08.2012
Schon bevor Spanien seinen Hilfsantrag zur Bankenrettung gestellt hatte und bevor dieses ominöse Gutachten mit lediglich rund 65 Mrd. vorlag, hatte JP Morgan den Refinanzierungsbedarf der spanischen Banken auf zwischen 360 und 550 Mrd. Euro Minimum taxiert. Minimum wie gesagt! Jeder der sich mal die Mühe gemacht hatte, sich an seinen 10 Fingern, mehr brauchte man dazu nicht, - anhand veröffentlichter Zahlen einen Anhaltswert des Kapitalbedarfs der spanischen Banken auszurechnen, kam auf ein ähnliches Ergebnis wie die Analysten von JP. Dieses 65 Mrd. Gutachten war für Interessierte von vorherein ein Fake für die Öffentlichkeit. Wie in Griechenland wird uns nun häppchenweise ein ansteigen des Kapitalbedarfs präsentiert. Keine Bange, die aktuelle Zahl von etwa 165 Mrd. ist nur eine weitere Sprosse auf der Leiter. Ich bin nur auf die Maßnahmen der Euroretter gespannt. Die spanischen Banken allein rund 500 Mrd. Dann noch der spanische Staat mit einer Summe X-Billionen, nur um eine Hausnummer zu präsentieren. Wie wollen unsere Euroretter das machen? Und Italien ist da noch im Hintergrund, die ganzen kleinen wie Slowenien, Zypern etc. überhaupt nicht eingepreist! EFSF an seiner Leistungsgrenze. ESM noch nicht einmal in Kraft und falls er kommt, ist er schon wieder an seiner Kapazitätsgrenze. Also erstmal Bankenlizent für den ESM. Dann Staatsanleihenkäufe durch die EZB, inzwischen sicher schon ohne Finnland. ELAs wohin man schaut und dann?? Ach, es widert mich an!
5. Ich kanns nicht mehr hören!
FreieWelt 17.08.2012
Griechenland, Spanien usw., wann läßt man die Banken endlich Pleite gehen und warum müssen wir für Lügner und Betrüger blechen? Entweder die Politiker sind schon so korrumpiert, dass sie gerne Steuergeld an Bankster verschenken oder aber die Politiker wollen sich als große Retter aufspielen weil sie ja sonst noch nie irgendwo gebraucht wurden. Wie auch immer, langsam reichts, raus aus dem Euro und zwar sofort!
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