Schuldenkrise Spanien erwägt Antrag auf EZB-Hilfe

In Spanien verschärft sich die Schuldenkrise - jetzt erwägt der Ministerpräsident neue Maßnahmen: Man prüfe ein Hilfsgesuch bei der Europäischen Zentralbank, sagt Mariano Rajoy in einem Interview. Die EZB soll notfalls Anleihen des rezessionsgeplagten Landes kaufen.

Spanischer Premier Rajoy: Antrag auf Anleihekäufe möglich
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Spanischer Premier Rajoy: Antrag auf Anleihekäufe möglich


Helsinki - Spanien erwägt nach den Worten des Ministerpräsidenten einen Antrag auf Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank. "Zusätzlich zum Wachstum ist die einzige Option, die ich erwäge, eine Verwendung des von der Zentralbank angekündigten Mechanismus", sagte Mariano Rajoy in einem Interview mit der finnischen Zeitung "Kauppalethi". Ein vollständiges Rettungsprogramm für das gesamte Land komme jedoch nicht infrage.

Das Land, von Schuldenkrise und Rezession geplagt, müsste dadurch wohl weitere Sparauflagen erfüllen und Restrukturierungen durchführen.

Rajoy hatte stets betont, dass Spanien nur Hilfsgelder für seine Banken benötige. Eine derartige Unterstützung wäre an weniger Auflagen gekoppelt als ein Hilfsprogramm des Euro-Rettungsschirms für das ganze Land. Würde Rajoy nun zusätzlich einen Antrag stellen, dass die EZB spanische Staatsanleihen kauft, würden sich die Bedingungen wohl verschärfen.

EZB-Chef Mario Draghi hat es zur Bedingung gemacht, dass die Länder, die für das Anleihekaufprogramm in Frage kommen, zunächst einen Antrag beim Euro-Rettungsschirm gestellt haben. Allerdings, auch das hat Draghi gesagt, reiche es aus, wenn die Länder am erweiterten Kreditprogramm des EFSF, ECCL genannt, teilnehmen.

Streitpunkt Pensionen

Dafür wiederum sind die Bedingungen deutlich weicher. Aus Kreisen von EU-Diplomaten heißt es, ein Land könne schon dann einen ECCL-Kredit bekommen, wenn es nur verspricht, die ohnehin mit der EU-Kommission vereinbarten Etatziele einzuhalten. Insgesamt kann ein Staat dann für bis zu zwei Jahre eine Summe von bis zu zehn Prozent seines Bruttoinlandsprodukts abrufen - im Falle Spaniens wären das rund 115 Milliarden Euro.

Rajoy betonte in dem Interview, die spanische Regierung werde die Auflagen des EZB-Programms genau prüfen - die Hoheit über den eigenen Haushalt werde man jedoch nicht abgeben. "Ich bin bereit, das Defizit zu reduzieren, aber andere dürfen nicht entscheiden, wie es reduziert wird", sagte Rajoy. In einer Fernsehansprache am Montag hatte der Ministerpräsident betont, er werde die Pensionen der spanischen Bürger nicht anrühren. Viele Ökonomen sehen dies jedoch als wahrscheinliche Auflage für ein Hilfsprogramm an.

ssu/Reuters



insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
mr_uk 12.09.2012
1. Ein nettes Ansinnen
Ein Antrag an die EZB? Dafuer soll doch der ESM/ESFS da sein. Hat der Herr sich versprochen? - Wenn nicht, dann kann er ja auch Antrag auf Hartz4 stellen fuer die beduerftigen Spanier in Deutschland. Ist genauso relevant. Und bringt bestimmt mehr fuer die Spanier.
Wunderläufer 12.09.2012
2. War zu erwarten
Nach den Äußerungen massivster Ablehnung dise Woche durch Rajoy war dies zu erwarten: irgendjemand muss doch die aberwitzigen Gehälter von Messi, CR7 etc. finanzieren
mr_uk 12.09.2012
3. Ein nettes Ansinnen
es ist ja ok, wenn die EU Mitgliedsstaaten selber bestimmen, wie sie sparen. Aber es muss doch irgendwelche Repressionen geben fuer die Staaten und/oder die Politiker, wenn sie es erst mal versprechen und dann nicht machen oder sehr schlecht machen. (Das uebliche Geschaetsmodell des Politikers weltweit)
mr_uk 12.09.2012
4. Ein nettes Ansinnen - 3
gebt doch einfach allen Buergern der Euro Staaten das Recht, Hartz4 zu beantragen. Dann kann der Wettbewerb der staatlichen Organe untereinander entscheiden, welche bevorzugt werden. Und das Geld fliesst wirklich an die Beduerftigen und nicht an irgendwelche notleidenden staatlichen Stellen oder kaputte Banken.
nudelsuppe 12.09.2012
5. Große Eröffnung!
Zitat von sysopREUTERSIn Spanien verschärft sich die Schuldenkrise - jetzt erwägt der Ministerpräsident neue Maßnahmen: Man prüfe ein Hilfsgesuch bei der Europäischen Zentralbank, sagt Mariano Rajoy in einem Interview. Die EZB soll notfalls Anleihen des rezessionsgeplagten Landes kaufen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,855311,00.html
Heute große Eröffnung des Selbstbedienungsladen ESM/EZB. Großer Ausverkauf gestartet. Alles muss raus. Für umsonst. Greifen sie zu! Wer will noch mal, wer hat noch nicht?
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