Arbeitslose in Spanien: Die Krisenfischer von Ayamonte

Im Süden Spaniens flüchten arbeitslose Bauarbeiter vor der Krise in die Natur: Als Muschelfischer versuchen sie, sich im andalusischen Ayamonte ein Auskommen zu sichern. Doch die Arbeit ist nicht nur schlecht bezahlt, sondern auch illegal.

Spanien: Aus Maurern werden Muschelfischer Fotos
Getty Images

Hamburg - Auf den ersten Blick könnten die Bilder des Getty-Fotografen Gonzalo Arroyo Moreno auch Teil eines Spanien-Reiseführers sein. Sie zeigen Männer am Strand des andalusischen Ayamonte, die im Sonnenschein einer ziemlich urtümlichen Arbeit nachgehen: dem Muschelfang.

Doch im Hintergrund mancher Fotos wird die Idylle getrübt. Dort sind halbfertige Gebäude zu sehen - der frühere Arbeitsplatz der Muschelfischer. Sie arbeiteten einst als Bauarbeiter an den Immobilienkomplexen, die in Ayamonte wie in vielen Küstenregionen Spaniens aus dem Boden schossen. Dann platzte die Immobilienblase.

Jetzt versuchen die Ex-Bauarbeiter, mit dem Fang von Muscheln oder auch Fischen ihre Existenz zu sichern. Dabei ist die Arbeit fast immer illegal: Die andalusischen Behörden haben die Fischerei-Lizenzen streng limitiert, das Muschelfischen ist aufgrund einer Schadstoffbelastung in Ayamonte seit kurzem sogar komplett verboten. Wer erwischt wird, dem droht eine Strafe von 3000 Euro.

Doch nicht nur in Andalusien gehen die Fischer das Risiko ein. Ayamonte liegt direkt an der Grenze zu Portugal, das ebenfalls schwer von der Krise getroffen wurde. Auch am Ufer des Flusses Tejo in der Hauptstadt Lissabon gehen inzwischen viele Arbeitslose auf Muschelsuche. "Ich werde nicht rauben und erst recht keine Drogen verkaufen", sagte die frühere Postangestellte Carla Safara der Nachrichtenagentur AFP. "Deshalb greife ich auf die Muscheln zurück."

dab

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Das läuft hier...
babaluaye 27.07.2013
in Frankreichs Norden, 400 km von Deutschland entfernt schon seit Jahren. Und der Preis für die gesammelten Miesmuscheln ist nicht hoch. Die Leute haben einen Stundenlohn von maximal 5€.
2. Die Menschen haben das Recht
ratxi 27.07.2013
Zitat von sysopIm Süden Spaniens flüchten arbeitslose Bauarbeiter vor der Krise in die Natur: Als Muschelfischer versuchen sie, sich im andalusischen Ayamonte ein Auskommen zu sichern. Doch die Arbeit ist nicht nur schlecht bezahlt, sondern auch illegal. [url]http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziale
Die Menschen haben das Recht, das zu tun. Wenn es um die eigene Existenz geht, kann keine Regierung dieses Recht absprechen. Schon gar nicht eine Regierung, die von Legalität kaum je was gehört hat. Sicher, den Fischern droht Strafe, aber zu Glück gehen Theorie und Praxis in diesem schönen Land meist meilenweit auseinander...
3. System noch nicht verstanden
olaf_b. 27.07.2013
Zitat von ratxiDie Menschen haben das Recht, das zu tun. Wenn es um die eigene Existenz geht, kann keine Regierung dieses Recht absprechen.
Sie haben leider das System noch nicht verstanden. Man wird diesen Menschen das Recht auf Sicherung ihrer Existenz verweigern. Es wird nicht lange dauern, bis die Politik mit stolzgeschwellter Brust verkündet, dass man jetzt eine Task-Force gegründet habe mit dem Ziel, dieses Schwarzfischen ein für allemal zu unterbinden. Stattdessen wird man diese Menschen in irgend ein Sozialsystem zwingen, in dem sie unter Androhung des Verhungerns jedwede Drecksarbeit zu einem Hungerlohn zu akzeptieren haben. Ansonsten drohen wegen sozialschädigenden Verhaltens Sanktionen. Es geht darum, sich ein Reservoir von Billigstlohnarbeitern zu schaffen, die dann die Yachten der Superreichen putzen dürfen.
4. Insider_de
Insider_de 27.07.2013
olaf_b. heute, 14:05 Uhr Sie haben vollkommen recht und dem kann ich nichts hinzufügen. Ausser das wir in Deutschland auf dem gleichen Wege sind!
5. Unverschämtheit
stopfiatmoney 27.07.2013
Das auch noch schwarz zu machen. Wer kommt dann für die Banken-"rettung" auf? Und die Kosten für Spaniens Afghanistan-Einsatz, plus Zinsen? Wer zahlt spanischen Beamten die Pensionen? Es sind Mechanismen, die ich bis heute unfassbar finde, die aber von der Mehrheit der Bevölkerung immer noch gewählt werden. Der große Knall kommt noch und wir sollten keine Angst davor haben.
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