Spanien in Not: König Juan Carlos bittet die alten Kolonien um Hilfe

Vor nicht allzu langer Zeit waren sie die wirtschaftlichen Sorgenkinder. Nun sollen die Staaten Lateinamerikas den früheren Kolonialmächten zu Hilfe kommen. Spaniens König Juan Carlos bat um Unterstützung für den alten Kontinent.

Familienfoto in Cadiz: König Juan Carlos (Mi.) bat die Regierungschefs um Hilfe Zur Großansicht
AFP

Familienfoto in Cadiz: König Juan Carlos (Mi.) bat die Regierungschefs um Hilfe

Cadiz - Staats- und Regierungschefs aus lateinamerikanischen Ländern halten seit Freitag gemeinsam mit Spanien und Portugal den Iberoamerikanischen Gipfel ab. Die Staatenlenker beraten in der andalusischen Stadt Cadiz. Bei der Eröffnung bat der spanische König Juan Carlos die lateinamerikanischen Partner um Hilfe bei der Bewältigung der aktuellen Krise in Europa.

"Iberoamerika ist im Aufstieg. Der Kontinent wächst, verringert die Armut und verbessert den sozialen Zusammenhalt", zitierte die Zeitung "El País" das spanische Staatsoberhaupt auf ihrer Internetseite. "Auf dieser Seite des Atlantiks sehen wir uns hingegen mit einer schwierigen Situation konfrontiert - ausgelöst von der Wirtschafts- und Finanzkrise. Unsere Blicke richten sich auf euch. Wir brauchen mehr Iberoamerika."

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy betonte, Lateinamerika sei als wirtschaftlich aufsteigende Region heutzutage vor allem für Spanien und Portugal eine Chance zur Überwindung der Krise in Europa. "In der Vergangenheit war Europa eine Chance für Lateinamerika, jetzt soll Lateinamerika eine Chance für Europa sein", sagte der konservative Regierungschef bei seinem ersten Auftritt bei einem iberoamerikanischen Gipfeltreffen.

Die beiden ehemaligen Kolonialmächte Spanien und Portugal leiden derzeit schwer unter Rezession und Schuldenkrise. Lateinamerika hingegen erfreut sich eines soliden Wachstums. Für 2012 erwartet die OECD zwar einen leichten Rückgang von 4,4 Prozent im Vorjahr auf 3,2 Prozent. Für 2013 wird aber schon wieder ein Anstieg auf 4 Prozent Wirtschaftswachstum vorhergesagt.

Gegen Massenentlassungen protestierende Werftarbeiter versuchten am Nachmittag, den Auftakt des Treffens zu stören und behinderten eine Stunde lang den Verkehr. Die Polizei ging mit Gummigeschossen gegen die Demonstranten vor.

Bei der Eröffnung des Treffens waren 15 Staats- und Regierungschefs anwesend. Sieben Präsidenten - Argentinien, Uruguay, Venezuela, Kuba, Paraguay, Guatemala und Nicaragua - hatten aus unterschiedlichen Gründen ihre Teilnahme abgesagt.

ler/dapd/dpa

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insgesamt 44 Beiträge
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1. Der Mann sollte...
Hupert 17.11.2012
Zitat von sysopVor nicht allzu langer Zeit waren sie die wirtschaftlichen Sorgenkinder. Nun sollen die Staaten Lateinamerikas den früheren Kolonialmächten zu Hilfe kommen. Spaniens König Juan Carlos bat um Unterstützung für den alten Kontinent. [url]http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziale
...einfach weiter ab und an mal Elefantenjagd gehen und dem Rest der Welt derlei peinliche Ansagen ersparen. Wenn man sich mal überlegt das Spanien mal über 90% des Weltvermögens zusammengeraubt hatte und nix besseres zu tun wußte als das zusammengeraffte Vermögen in hübsche Tapeten und Teppiche für die "Leistungseliten" (gabs auch damals schon) zu investieren frage ich mich warum die Flamen der Barrikaden des spanischen Bürgertums nicht bis Flensburg sichtbar sind... jahrelang gut leben und jetzt wo die Kante des Abgrunds in Sichtweite ist, noch bei denen anklopfen die man einst mit Füßen trat...lieber König Juan Carlos ich wünsch ihnen was ;-)
2. Das ist doch wohl ein Witz
hans-juergen.matschiske 17.11.2012
Die Kolonien die ausgeraubt und ausgeplündert wurden, deren Menschen versklavt oder wie räudige Hunde totgeschlagen wurden, sollen jetzt helfen. Ein noch dreisteres Ansinnen kann es kaum geben. Hoffentlich findet man in den ehemaligen Kolonien dafür die richtigen Worte. Deren Knochen wurden doch von diesen Kolonialherren so abgenagt, das es kaum noch etwas zu holen gibt.
3.
janne2109 17.11.2012
ach königliche Hoheit, Sie sind der falsche Mann um zu bitten. Und wäre es nicht wirkungsvoller und erfolgreicher wenn sich Ihre Regierung persönlich auf den Weg in Ihre alten Kolonialstaaten macht. Wenn die Herren dann noch vernünftige Vorschläge und Ideen auf einem Papier mitbringen wäre das vielleicht hilfreich. Die Herren sollten aber schlauerweise das Thema spanische Immobilienkrise und die Gründe dafür verschweigen. Das wirft auch kein gutes Licht auf die spanische Bevölkerung, die sich mit billigen Krediten ( von denen sie hätten wissen können, bei etwas nachdenken, das sie diese nie bedienen können wenn der Zins höher wird) größere Wohnungen und Häuser gekauft haben, oder auch Zweit-und Drittwohnungen u. Häuser um diese dann vermieten zu können. Immer im Gedanken an die anderen Europäer die wegen des starken Sonnenscheins zu tausenden einfliegen werden. Und schicken Sie auch niemanden aus der Bauwirtschaft, das sind die Herren die zu tausenden Marokkanische Hilfsarbeiten zum bauen dieser Immobilien ins Land geholt haben. Damit natürlich billig haben bauen können, aber der eigenen Bevölkerung wenig Arbeitsplätze geschaffen haben.
4. Ach ja,
widerspiegel 17.11.2012
erst überfallen die Kolonialstaaten ESP, POR, FR und andere Lateinamerika, metzeln die Ureinwohner nieder, plündern die Länder über Jahrhunderte aus und nun, wo die Ex-Herren ihren Augias-Stall daheim nicht mehr aufgeräumt kriegen, wollen sie ihr Prekariat in die aufstrebenden Länder entsenden. Das sie dabei den Einheimischen Aufstiegschancen nehmen, interessiert diese Herrenmenschen nach wie vor nicht. Juan Carlos, Sproß einer Räuberdynastie mit langer Historie, soll erstmal seine Beute investieren. Für mich ist das Ganze an Geschmacklosigkeit kaum noch zu toppen...
5. Da bettelt der Richtige!
dasistdiezukunft 17.11.2012
Zitat von sysopVor nicht allzu langer Zeit waren sie die wirtschaftlichen Sorgenkinder. Nun sollen die Staaten Lateinamerikas den früheren Kolonialmächten zu Hilfe kommen. Spaniens König Juan Carlos bat um Unterstützung für den alten Kontinent. [url]http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziale
Warum sollten diese Staaten uns helfen? Haben diese Staaten nicht schon genug mit sich zu tun, genug gelitten? Leben wir nicht schon seit Jahrzehnten über dem Limit? Müssten wir nicht alle einfacher leben um die Welt gerechter, nachhaltiger und zukunftsfähiger zu machen? Zuallererst müssten die großen Vermögen der Reichen zerschlagen und umverteilt werden. - Der König kann gleich mal bei sich selbst anfangen! Er kann ja in seinen Palästen Zimmer für solche einrichten, die in der Immobilien-Krise ihre Wohnungen verloren haben. - Der Mann ist peinlich.
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