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Angst vor Staatspleite: Finanzmärkte strafen Spanien mit Rekordzinsen

Der Druck auf Spanien wird von Tag zu Tag größer. Bei einer Anleihenauktion musste das Land für kurzfristige Kredite mehr als fünf Prozent Zinsen zahlen. Das geplante Hilfspaket für die Banken kann die Investoren nicht beruhigen.

Börse in Madrid: "La crisis" ist nicht zu stoppen Zur Großansicht
REUTERS

Börse in Madrid: "La crisis" ist nicht zu stoppen

Madrid/Frankfurt - Eigentlich sollte das angekündigte Hilfspaket für Spaniens Banken die Anleger in Sicherheit wiegen. Doch davon ist bisher nichts zu spüren. Bei einer Auktion von Geldmarktpapieren konnte das Land am Dienstag zwar wie geplant drei Milliarden Euro einsammeln. Doch das Zinsniveau hat mittlerweile eine bedrohliche Höhe erreicht.

Dabei ging es nur um Anleihen mit Laufzeiten von 12 und 18 Monaten. Solch kurzfristige Papiere werden solvente Staaten normalerweise zu sehr niedrigen Zinsen weit unter einem Prozent los. Deutschland musste bei vergleichbaren Auktionen zuletzt sogar weniger als 0,1 Prozent Rendite bieten.

Für Spanien sieht es dagegen düster aus. Der durchschnittliche Zins bei der Ausgabe einjähriger Anleihen stieg auf 5,074 Prozent. Das ist der höchste Zinssatz, den das Land für Papiere mit dieser Laufzeit seit Beginn der Währungsunion zahlen musste. Bei der letzten vergleichbaren Auktion hatte Spanien lediglich 2,985 Prozent bieten müssen.

Bei den Papieren mit 18-monatiger Laufzeit legte die Rendite von zuletzt 3,302 Prozent auf 5,107 Prozent zu. Die Auktion war die erste des Landes seit der Parlamentswahl in Griechenland am vergangenen Sonntag und auch die erste, seitdem sich die spanische Regierung Anfang Juni mit den europäischen Partnern auf einen Hilfsantrag für ihre Banken geeinigt hat. Demnach will Spanien demnächst um bis zu 100 Milliarden Euro aus dem europäischen Rettungsfonds bitten - und soll das Geld auch bekommen.

Mittlerweile sind allerdings Zweifel aufgekommen, ob das Geld reichen wird. Laut spanischen Medienberichten sollen die mit der Prüfung der Banken beauftragten Unternehmen Oliver Wyman und Roland Berger einen Mittelbedarf von bis zu 150 Milliarden Euro festgestellt haben.

Die Investoren sehen spanische Staatspapiere daher weiter als unsicheres Investment. Die Rendite für Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit war am Montag über die Marke von sieben Prozent gestiegen und gab auch am Dienstag nur leicht nach. Für Donnerstag plant Spanien die nächste Bewährungsprobe: Dann sollen Staatsanleihen mit bis zu fünfjähriger Laufzeit verkauft werden.

stk/Reuters/dpa

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insgesamt 113 Beiträge
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1. Ich zahle für meinen Dispo....
juergw. 19.06.2012
als Geschäftsmann 12,75 % Zinsen für das Betriebskonto.Als Sicherheit steht die Bank im Grundbuch des bezahlten Hauses-kann man im Notfall zwangsversteigern:Welche Sicherheiten bietet Spanien?Leerstehende Immobilien ?
2. .
Methados 19.06.2012
Zitat von sysopREUTERSDer Druck auf Spanien wird von Tag zu Tag größer. Bei einer Anleihenauktion musste das Land für kurzfristige Kredite mehr als fünf Prozent Zinsen zahlen. Das geplante Hilfspaket für die Banken kann die Investoren nicht beruhigen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,839727,00.html
5 % ? ist doch gut. ich zahl 13 % als überziehungsszins. sollen sich mal nicht so anstellen. wer ne scheiss bilanz hat, wird halt betraft.
3. Spanien wird es schon richten
Herzbubi 19.06.2012
zur Unterstützung habe ich heute meinen Urlaub in Spanien gebucht und heute Abend geniesse ich einen guten Rioja. Ole
4. Man kann diesen hanebüchenen...
Roueca 19.06.2012
Zitat von sysopREUTERSDer Druck auf Spanien wird von Tag zu Tag größer. Bei einer Anleihenauktion musste das Land für kurzfristige Kredite mehr als fünf Prozent Zinsen zahlen. Das geplante Hilfspaket für die Banken kann die Investoren nicht beruhigen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,839727,00.html
...Unsinn nicht mehr hören! Wann erzählt uns Merkel was uns diese "Rettungsschirme und Brandmauern" wirklich kosten als Steuerzahler und wie sie denkt das Geld einzuziehen, denn es wird uns kosten und das nicht wenig!
5. Zurueck zur Normalitaet
localpatriot 19.06.2012
Zitat von sysopREUTERSDer Druck auf Spanien wird von Tag zu Tag größer. Bei einer Anleihenauktion musste das Land für kurzfristige Kredite mehr als fünf Prozent Zinsen zahlen. Das geplante Hilfspaket für die Banken kann die Investoren nicht beruhigen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,839727,00.html
Die Zinsstrukturen der ueberschuldeten Mittelmeerstaaten geheh auf das Niveau von Vor Euro zurueck. Dei Scheinstabilitaet welche voruebergehend von durch die Euro Camera Obscura vorgegaukelt wurde ist nun vorbei. Zinsen gehen zurueck zum angebrachten Niveau, eben dem wirklichen Risiko entsprechend. Hier ein Auszug vom Guardian: Indeed according to Bloomberg figures (we normally use Tradeweb but this shows a worse picture so we present it here anyway) Spanish yields are the highest since the mid 1990s. For balance Tradeweb says it's the highest since November 2011. Not so bad, but still bad.
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So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.

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