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720.000 Euro bei WM-Titel: Spaniens Superprämien entfachen Neiddebatte

Spaniens Nationalspieler winken bei der WM großzügige Boni. Die Prämie für den Titel ist doppelt so hoch wie in Deutschland. Viele Spanier macht das wütend - immerhin leiden sie noch immer unter den Folgen einer gewaltigen Wirtschaftskrise.

Spaniens Carles Puyol mit Pokal: Hohe Prämie für den WM-Sieg Zur Großansicht
DPA

Spaniens Carles Puyol mit Pokal: Hohe Prämie für den WM-Sieg

Rio de Janeiro - 720.000 Euro soll jeder spanische Nationalspieler bekommen, wenn das Team den WM-Titel verteidigt. Schon ein Finaleinzug würde 360.000 Euro bringen - das ist immer noch mehr als jeder Spieler der deutschen Nationalmannschaft mit einem WM-Sieg verdienen würde. Die hohen Prämien lösten in dem von den Nachwehen einer langen Finanz- und Wirtschaftskrise gebeutelten Land eine hitzige Debatte aus.

Die hohe Prämie sei eine "Beleidigung der Bürger" angesichts der Krise, teilten die Sozialisten Pablo Martin Pere und Susana Ros mit. Der Politiker Carlos Martínez Gorriarán (UPyD) nannte sie "aus einer anderen Welt". "Angesichts der vielen Menschen, die unter der Krise leiden, passt eine solche Bezahlung nicht zu unserer Alltagswelt", sagte der Großhandelskaufmann Juan Burgos dem irischen "Independent". Die Prämie sei mehr als doppelt so hoch wie die der Deutschen, schimpfte der Abgeordnete Josep Antoni Duran i Lleida auf Twitter. "Sind wir etwa doppelt so reich wie die Deutschen?"

Die Deutschen, die sich mit Neid-Debatten auskennen, bekommen von ihrem Verband 300.000 Euro für den Titelgewinn in Brasilien. Bei einem vorzeitigen Aus in der Vorrunde oder im Achtelfinale würde das Team von Bundestrainer Joachim Löw sogar völlig leer ausgehen. "Die Spieler bekennen sich mit dieser stark erfolgsabhängigen Regelung wieder ganz klar zum Leistungsprinzip", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

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Spaniens Fußballverband mühte sich, die Wogen zu glätten. "Wir betrachten das als eine Investition", zitierte die spanische Zeitung "El Pais" Verbandskreise. "Wir teilen mit den Spielern das Geld, das wir vom Weltverband FIFA erhalten."

Spaniens Wirtschaft war mehr als zwei Jahre in der Rezession. Im ersten Quartal dieses Jahres legte das Bruttoinlandsprodukt um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu. Die Arbeitslosigkeit in dem südeuropäischen Land liegt aber noch immer bei fast 26 Prozent.

Italiens Playstation-Probleme

Die FIFA hat die Prämien für die WM 2014 um 37 Prozent erhöht. Der Titelträger kassiert etwa 26,5 Millionen Euro. Selbst wenn das gesamte Trainerteam der "Roten Furie" um Vicente del Bosque ebenfalls eine saftige Belohnung einstreicht, bleibt beim Verband eine schöne Stange Geld übrig.

Während zum Unmut einiger Landsleute in Spanien also geklotzt wird, kleckert eine andere krisengeplagte Nation aus Südeuropa. Nach Angaben der Tageszeitung "La Repubblica" bekämen die italienischen Nationalspieler nur 200.000 Euro für den Titelgewinn.

Zurückzuführen sei das auf die hohen Reisekosten, die mit 4,7 Millionen Euro beziffert werden. Der Fußballverband hat mit einem Containerschiff Lebensmittel, Trainingsgeräte, Fernsehapparate und Playstations für die Spieler nach Brasilien geliefert. Für das Ressort in Mangaratiba, in dem die Italiener untergebracht sind, muss der Verband insgesamt 806.000 Euro zahlen. Ein Zimmer kostet 350 Euro pro Nacht. Familienangehörige der Fußballer, die nach Brasilien mitreisen wollen, müssen Flug und Aufenthalt selbst zahlen. Jüngere Spieler mussten auf dem Flug nach Brasilien in der Economy-Class reisen.

In Kamerun konnten sich die Spieler gar nicht über die WM-Prämie einigen. In der Folge drohte die Elf von Trainer Volker Finke vor dem Test gegen Deutschland sogar mit Boykott. Die Vorbereitung war empfindlich gestört, sogar der Abflug Richtung Brasilien verzögerte sich wegen des Geschachers. In den Augen vieler Fußball-Fans verließ ein Haufen Verlierer die Heimat: geldgierige Fußballer und machtgeile Funktionäre.

ssu/sid

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insgesamt 216 Beiträge
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1. Die Banken in Spanien...
Ausfriedenau 09.06.2014
Zitat von sysopDPASpaniens Nationalspieler winken bei der WM großzügige Boni. Die Prämie für den Titel ist doppelt so hoch wie in Deutschland. Viele Spanier macht das wütend - immerhin leiden sie noch immer unter den Folgen einer gewaltigen Wirtschaftskrise. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/spanien-neiddebatte-wegen-hoher-praemien-fuer-wm-titel-a-974114.html
zahlen locker die enormen Prämien für diese "Fussballhungerleider" aus. Die EU kommt für alles auf!!!! Auch das ist ein Skandal, dem Einhalt geboten werden muss. Der Fussball wird zunehmend zum Ärgerniss. Schade!!!!
2. Prämien? Lächerlich!
Orthoklas 09.06.2014
Als wenn finanzielle Anreize diese stinkreichen Profis interessieren würden! Eine Prämie nach Ausscheiden im 1/8- Finale wäre ohnehin lächerlich. Der Anreiz, Weltmeister werden zu können, muss doch größer sein, als ein Handgeld.
3.
Boesor 09.06.2014
Die Debatte könnte ich verstehen, wenn der Spanische Steuerzahler die Prämie aufbringen müsste.
4. Das gleiche Bonisystem wie bei Topmanager
killi 09.06.2014
Wenn die Spieler keine supertolle Prämie erhalten, wandern sie doch noch aus! Topmanager benötigen ja schliesslich auch Millionenboni damit sie nicht zur Konkurrenz rennen. Und ohne finanfziellen Anreiz hat auch kein Spieler die Motivation, den Ball in das Tor zu kicken. Weshalb sonst freuen sich die Spieler bei einem geschossenen Tor dermassen? Mögen sie anfangs kaum rennen, verbrennen sie beim Torjubel mehr kalorien als in den 90 Minuten Spielzeit. Weswegen? Sie sehen die eigenen Konten steigen. (---:
5. Passt in die Landschaft
wug2012 09.06.2014
Ich bewundere ein ganz klein wenig die deutschen Fußballer. Sie sind wenigstens so clever, dass sie diese Diskussion nicht öffentlich führen. Was Spanier und Kameruner betrifft stimme ich mir dem Artikel überein.
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