Wirtschaft


Sparkurs: Spaniens Reformen bringen neun Milliarden Euro zu wenig

Spanien braucht einen radikalen Sparkurs - doch die jüngsten Reformen reichen offenbar nicht. Laut der Zeitung "El Pais" bringt das Paket neun Milliarden Euro zu wenig in die Kassen. Dafür kann das Land nach SPIEGEL-Informationen bis ins Jahr 2028 mit EU-Geld rechnen.

Flaggen Spaniens und der EU: Beunruhigende Signale aus MadridZur Großansicht
dapd

Flaggen Spaniens und der EU: Beunruhigende Signale aus Madrid

Madrid - Das hoch verschuldete Spanien werkelt an einem umfassenden Reformpaket, mit dem sich Madrid aus der schlimmsten Krise manövrieren will. Doch die Neuerungen ziehen offenbar nur bedingt - und bringen fast neun Milliarden Euro weniger als angekündigt.

Durch das in der vergangenen Woche vorgestellte Programm würden in den kommenden zweieinhalb Jahren 56,4 Milliarden Euro eingespart. Dies berichtete "El Pais" am Samstag auf seiner Internetseite. Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte aber am Mittwoch in Aussicht gestellt, dass Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen 65 Milliarden Euro in die leeren Kassen der Madrider Regierung spülen würden.

Laut "El Pais" sollen die fehlenden 8,6 Milliarden Euro durch andere Maßnahmen zusammenkommen - wie neue Steuern in der Energiewirtschaft, die noch im Juli angekündigt würden. Von den bisher vereinbarten 56,4 Milliarden Euro würden rund 29 Milliarden durch Steuererhöhungen und 27 Milliarden durch Ausgabenkürzungen erzielt, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise weiter.

Das Finanzministerium nahm zu dem Bericht zunächst keine Stellung. Am Freitag hatte das Ressort eine genaue Aufschlüsselung der Reformmaßnahmen noch abgelehnt.

Spanien muss sein Haushaltsloch um 65 Milliarden Euro verkleinern, um bis 2014 das von der Europäischen Union (EU) vorgegebene Defizitziel von 2,8 Prozent zu erreichen. Das vor allem unter maroden Banken, hoher Arbeitslosigkeit und den Folgen einer geplatzten Immobilienblase leidende Euro-Land ringt mit den Reformen um das Vertrauen der EU und der Märkte.

EU-Gelder können bis 2028 fließen

Außer den eigenen Sparbemühungen soll schon bald Geld aus der EU nach Spanien fließen. Das 100 Milliarden Euro schwere Hilfsprogramm des europäischen Rettungsschirms EFSF für die Banken soll in vier Tranchen ausgezahlt werden. Das sieht nach Informationen des SPIEGEL ein vertraulicher Vorschlag der EFSF-Führung vor. Danach soll die erste Rate über 30 Milliarden Euro bereits Ende Juli fließen.

Zwei Drittel davon stehen für Eigenkapitalspritzen an notleidende Kreditinstitute zur Verfügung, falls diese kurzfristig gebraucht werden. Die restlichen zehn Milliarden Euro dienen als "langfristiger Sicherheitspuffer", wie es in dem Papier heißt. Die zweite Tranche ist für Mitte November vorgesehen und umfasst zusätzliche 15 Milliarden Euro. Ende Dezember 2012 und Ende Juni 2013 sollen jeweils noch einmal 15 Milliarden Euro fällig werden.

Für Ende November ist zudem die Gründung einer Bad Bank für "problematische Papiere" vorgesehen. Diese Institution soll mit einem Kapital von bis zu 25 Milliarden Euro ausgestattet werden.

Das Hilfsprogramm für Spanien hat eine Laufzeit bis maximal 2028. Die Hilfen sollen laut der Vorlage nicht auf die Staatsschuld des Landes angerechnet werden, damit "Spanien weiter Zugang zum Finanzmarkt hat".

jok/Reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 29 Beiträge
Gebetsmühle 14.07.2012
zuwenig in der kasse. da wird man wohl endlich mal ans eingemachte gehen müssen. höhere steuern, verkauf von staatlichen liegenschaften, verwertung von staatsvermögen, verkleinerung des beamtenapperats, abschaffen eines [...]
Zitat von sysopSpanien braucht einen radikalen Sparkurs - doch die jüngsten Reformen reichen offenbar nicht. Laut der Zeitung "El Pais" bringt das Paket neun Milliarden Euro zu wenig in die Kassen. Dafür kann das Land nach SPIEGEL-Informationen bis ins Jahr 2028 mit EU-Geld rechnen. Spanien: Reformen bringen neun Milliarden Euro zu wenig - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,844429,00.html)
zuwenig in der kasse. da wird man wohl endlich mal ans eingemachte gehen müssen. höhere steuern, verkauf von staatlichen liegenschaften, verwertung von staatsvermögen, verkleinerung des beamtenapperats, abschaffen eines sinnlosen königshauses, mir fallen da noch genügend dinge ein um geld in die kasse zum spülen, damit man das bezahlen kann, was man jahrzehntelang auf pump gekauft und verfrühstückt hat.
Juan Carlos und die Herzogin von Alba werden doch wohl noch ein paar Kröten übrig haben, oder?
Juan Carlos und die Herzogin von Alba werden doch wohl noch ein paar Kröten übrig haben, oder?
markus1907 14.07.2012
Bis ins Jahr 2028? Da ist man sich auch wirklich ganz sicher, dass die EU bis dahin Bestand haben wird. Ich glaube nicht so daran. In den nächsten 5-10 Jahren wird uns der ganze Laden, meiner Meinung nach, um die Ohren [...]
Zitat von sysopSpanien braucht einen radikalen Sparkurs - doch die jüngsten Reformen reichen offenbar nicht. Laut der Zeitung "El Pais" bringt das Paket neun Milliarden Euro zu wenig in die Kassen. Dafür kann das Land nach SPIEGEL-Informationen bis ins Jahr 2028 mit EU-Geld rechnen. Spanien: Reformen bringen neun Milliarden Euro zu wenig - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,844429,00.html)
Bis ins Jahr 2028? Da ist man sich auch wirklich ganz sicher, dass die EU bis dahin Bestand haben wird. Ich glaube nicht so daran. In den nächsten 5-10 Jahren wird uns der ganze Laden, meiner Meinung nach, um die Ohren fliegen.
hubertrudnick1 14.07.2012
Nur mit Liegenschaften verkaufen wird es nicht dauerhaft besser, dass wäre nur ein Sturm im Wasserglas. Man kann nur aus der Schuldenfalle kommen wenn auch mehr für die Wertschöpfung tut und dann mit den Einnahmen sorgfältig [...]
Zitat von Gebetsmühlezuwenig in der kasse. da wird man wohl endlich mal ans eingemachte gehen müssen. höhere steuern, verkauf von staatlichen liegenschaften, verwertung von staatsvermögen, verkleinerung des beamtenapperats, abschaffen eines sinnlosen königshauses, mir fallen da noch genügend dinge ein um geld in die kasse zum spülen, damit man das bezahlen kann, was man jahrzehntelang auf pump gekauft und verfrühstückt hat.
Nur mit Liegenschaften verkaufen wird es nicht dauerhaft besser, dass wäre nur ein Sturm im Wasserglas. Man kann nur aus der Schuldenfalle kommen wenn auch mehr für die Wertschöpfung tut und dann mit den Einnahmen sorgfältig umgeht.
elgitano 14.07.2012
100 Milliarden € in vier Tranchen. 30 15 15 15 Milliarden, und der Rest wie ueblich fuer die Politker oder wie darf ich das verstehen
100 Milliarden € in vier Tranchen. 30 15 15 15 Milliarden, und der Rest wie ueblich fuer die Politker oder wie darf ich das verstehen
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
alles zum Thema Schuldenkrise in Spanien

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Samstag, 14.07.2012 – 18:37 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 29 Kommentare

Wer den ESM noch ratifizieren muss
13 der 17 Euro-Länder haben den Rettungsfonds ESM bereits ratifiziert. Der Nachfolger des EFSF soll mit einem Stammkapital von 700 Milliarden Euro Länder der Währungsunion unterstützen, die in finanzieller Not sind. Der ESM tritt in Kraft, wenn 90 Prozent des Stammkapitals erreicht sind. Da Deutschland einen Anteil von rund 27 Prozent besitzt, hat die Bundesrepublik ein Vetorecht. Folgende Länder haben den Vertrag noch nicht ratifiziert:





TOP



TOP