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Spanien: Steuersünder sollen sich mit Staatspapieren freikaufen

Kuriose Idee der spanischen Regierung: Um die Schuldenkrise zu bewältigen, sollen Steuersünder Staatsanleihen kaufen - zu niedrigeren Zinsen. Im Gegenzug würden die Fiskus-Betrüger straffrei davonkommen.

Spaniens Premierminister Zapatero: Geheimes Projekt Zur Großansicht
AP

Spaniens Premierminister Zapatero: Geheimes Projekt

Madrid - Spanien plant offenbar eine Steueramnestie im Tausch gegen Geld für den Staat: Wer sein nicht versteuertes Vermögen offenlege, solle straffrei bleiben - und im Gegenzug spanische Staatsanleihen zu einem niedrigeren Zinssatz kaufen, berichtet "El Mundo" am Montag. Die Zeitung zitiert hohe Regierungsstellen, das Projekt sei "supergeheim".

"Zunächst würde das unsere Finanzierungskosten für neue Schulden senken, außerdem würden wir das versteckte Geld aufdecken, für das dann Steuern gezahlt werde müssten, was wiederum unsere Steuereinnahmen erhöhen würde", sagte ein Unterstützer des Vorhabens "El Mundo".

Spaniens Staatsdefizit erreichte im vergangenen Jahr 11,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Dies löste Unruhe an den internationalen Finanzmärkten aus, Rating-Agenturen senkten die Noten für die Kreditwürdigkeit Spaniens, und für die Kreditaufnahme muss das Land inzwischen entsprechend deutlich höhere Zinsen zahlen.

Schätzungen zufolge wird in Spanien bis zu einem Viertel der Wirtschaftsleistung schwarz erwirtschaftet. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero hat im Kampf gegen die hohe Verschuldung harte Sparmaßnahmen im Sozialbereich angekündigt. Derzeit sucht die Regierung nach Wegen, den Unmut der Bevölkerung darüber zu dämpfen. Unter anderem plant sie dazu eine Reichensteuer.

cte/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
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1. Schlimmste Strafe!
Transmitter, 07.06.2010
Zitat von sysopKuriose Idee der spanischen Regierung: Um die Schuldenkrise zu bewältigen, sollen Steuersünder Staatsanleihen kaufen - zu niedrigeren Zinsen. Im Gegenzug würden die Fiskus-Betrüger straffrei davonkommen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,699130,00.html
Keine kuriose, eine wahrhaft brilliante Idee der spanischen Regierung! Sowas grauenvolles kann nur von Sozen kommen. Eine furchtbare Strafe für Steuerhinterzieher. Folter oder Spontanenteignung sind dagegen der reinste Sanatoriumsaufenthalt. Aber zwangsweise Anleihen dieses Pleitestaates kaufen zu müssen, und dann zusehen zu müssen, wie diese Tag für Tag an Wert verlieren, quälend lange ertragen zu müssen, wie diese Papiere immer weniger wert werden um am Ende gänzlich wertlos zu werden. . . . . . DAS nenne ich Kapitalistenfolter. Grauenhaft. Furchtbar. Unmenschlich. Sowas kann sich nur ein perverses Sozen-Gehirn oder die kath. Inquisition ausdenken. Die Todesstrafe ist human dagegen.
2. Schon vor 20 Jahren
Zaharoff 07.06.2010
gab es in Spanien ein solches Modell. Da es schon damals gut funktioniert hat, ist an der "Idee" weder etwas kurios, noch neu. Nur im Kopfbeton-Deutschland scheint soetwas undenkbar. Schließlich wird ein "Steuersünder" hier härter bestraft, als bestimmte Personen, die hunderte von Kinderpornobilder gesammelt haben. Daran kann man die wahren Werte einer Gesellschaft erkennen...
3. Sowas von peinlich
Ursprung 07.06.2010
Zitat von Zaharoffgab es in Spanien ein solches Modell. Da es schon damals gut funktioniert hat, ist an der "Idee" weder etwas kurios, noch neu. Nur im Kopfbeton-Deutschland scheint soetwas undenkbar. Schließlich wird ein "Steuersünder" hier härter bestraft, als bestimmte Personen, die hunderte von Kinderpornobilder gesammelt haben. Daran kann man die wahren Werte einer Gesellschaft erkennen...
Kopfbeton ist eine prima Wortsschoepfung, die den deutschen Nagel im Brett vor und auf den Kopf trifft. Dagegen steht die spanische Grandezza einer eleganten Problemloesung. Seit ich die deutsche Eselei gegenueber der brutalen griechischen Betruegerabzocke realisieren muss, werde ich wieder in Erwaegung ziehen, meine Nationalitaet im Ausland zu verleugnen. Ist zuviel alte DDR-Stoffeligkeit untergemischt. Ist ja wieder sowas von peinlich geworden, dieser Pass...
4. alte idee
egils 07.06.2010
bei der katholischen Kirche hiess das frueher Ablasshandel, oder? Luther, hol' den Hammer raus. Zeit mal wieder etwas anzuschlagen...
5. Wenn er´s durchkriegt...
frank_lloyd_right 07.06.2010
In Spamien (ganz im Gegensatz zu Portugal) kriegeich nicht mal einen Kassenzettel an der Tanke oder in der Apotheke - da gibt es massenhaft Kandidaten für ZapaterosSchema - obwohl die meisten in der Baubranche und in den Gemeinden selbst sitzen. Nur, haben die überhaupt genug Angst ?Weil sie nämlich recht selten erwischt werden.
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