Schuldenkrise: Spanien stockt Sparprogramm auf

Die spanische Regierung will noch mehr kürzen: Weitere zehn Milliarden Euro sollen pro Jahr eingespart werden, bei der Bildung und im Gesundheitswesen. Dabei sollen auch die Besserverdienenden ihren Beitrag leisten.

Premier Rajoy: Sparen bei Bildung und Gesundheit Zur Großansicht
REUTERS

Premier Rajoy: Sparen bei Bildung und Gesundheit

Madrid - Spanien steht trotz seiner Sparpolitik weiter im Visier der Finanzmärkte. Das hochverschuldete Land hat nun zusätzliche Einsparungen in Milliardenhöhe angekündigt. Wie die Regierung des konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy am Montag mitteilte, will Madrid durch eine Reform des Bildungs- und Gesundheitssystems die Ausgaben in diesen Bereichen um mehr als zehn Milliarden Euro senken.

Die Einsparungen sollten dadurch erreicht werden, dass doppelte Zuständigkeiten verschiedener staatlicher Instanzen beseitigt, die vorhandenen Mittel rationeller eingesetzt und die Effektivität der Verwaltung im Bildungs- und Gesundheitswesen erhöht werden. Nähere Einzelheiten gab die Regierung zunächst nicht bekannt.

Das Kabinett erwägt aber offenbar eine höhere Belastung der Reichen bei der Reform des überschuldeten Gesundheitssystems. Es müsse darüber diskutiert werden, ob Gesundheitsleistungen für jemanden kostenlos sein müssen, der 100.000 Euro verdient, sagte Wirtschaftsminister Luis de Guindos am Montag dem Radiosender SER. "Wir müssen unnötige Kosten senken und schlecht laufende Bereiche rationalisieren - andernfalls ist die Zukunftsfähigkeit des Systems gefährdet", fügte er hinzu. Die meisten gut verdienenden Spanier haben zwar eine private Krankenversicherung, nutzen für teure Behandlungen etwa von Krebs aber häufig das öffentliche Gesundheitssystem.

Premier Rajoy hatte im Haushaltsentwurf für 2012 bereits die Schließung einer Finanzlücke in Höhe von 27 Milliarden Euro vorgesehen. Dies soll durch Einsparungen in Rekordhöhe und zusätzliche Steuereinnahmen erreicht werden. Das Sparprogramm reichte aber nicht aus, um Spanien vom Druck der Finanzmärkte zu befreien.

In der vorigen Woche stiegen die Renditen für langfristige Anleihen des spanischen Staates drastisch an und näherten sich dem Höchststand von November 2011. Dies hatte zur Folge, dass die Finanzierung der Madrider Staatsschulden sich erheblich verteuert.

Rajoy plant ein Stabilitätsprogramm für 2012 bis 2015, das noch in diesem Monat der EU-Kommission vorgelegt werden soll. Darin will Madrid seine Entschlossenheit bekräftigen, bis 2013 seine Neuverschuldung so weit zu reduzieren, dass Spanien dann wieder die zulässige Obergrenze von 3,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts einhält. Außerdem soll sichergestellt werden, dass die einzelnen Regionen die Vorgaben zur Erreichung des Defizitziels einhalten. Madrid kündigte ferner an, den Prozess zur Sanierung des spanischen Bankensektors zu beschleunigen.

fab/dpa/Reuters

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 34 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Wieso eigentlich die Besserverdiener?
altmannn 09.04.2012
Zitat von sysopREUTERSDie spanische Regierung will noch mehr kürzen: Weitere zehn Milliarden Euro sollen pro Jahr eingespart werden, bei der Bildung und im Gesundheitswesen. Dabei sollen auch die Besserverdienenden ihren Beitrag leisten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,826445,00.html
Das sind doch die Leistungsträger, die die ganzen Arbeitsplätze schaffen. An dieser Stelle einzusparen wäre völlig kontraproduktiv. Dann doch lieber bei Bildung und Gesundheit kürzen und die , die nichts mehr haben in die Eigenverantwortung entlassen....
2.
DerKritische 09.04.2012
Zitat von altmannnDas sind doch die Leistungsträger, die die ganzen Arbeitsplätze schaffen. An dieser Stelle einzusparen wäre völlig kontraproduktiv. Dann doch lieber bei Bildung und Gesundheit kürzen und die , die nichts mehr haben in die Eigenverantwortung entlassen....
Stimmt. Zudem was sind ein Jahresbrutto bei einer 4-köpfigen Familie. Ich würde nicht behaupten, das sind Besserverdienende.
3. Schuldenkrise: Spanien stockt Sparprogramm auf
oldgreywolve 09.04.2012
Zitat von altmannnDas sind doch die Leistungsträger, die die ganzen Arbeitsplätze schaffen. An dieser Stelle einzusparen wäre völlig kontraproduktiv. Dann doch lieber bei Bildung und Gesundheit kürzen und die , die nichts mehr haben in die Eigenverantwortung entlassen....
4. Schuldenkrise: Spanien stockt Sparprogramm auf
oldgreywolve 09.04.2012
Wenn ich das schon lese. Ich glaube nicht, das einer meiner beiden Vorredner hier in Spanien lebt. Bei dem Einkommen, was ein Spanier im Durchschnitt verdient oder verdient hat, gibt es eine begrenzte Zeit Arbeitslosengeld, ca, 500 - 700 €uronen. Danach ist Schluss. Aber waehrend dieser Zeit der Arbeitslosigkeit gibt es, anders als im glorreichen D, keinerlei Zuschuesse oder geschweige denn ein Sozialamt. Eigenverantwortung - so kann nur jemand reden, der ein wundervolles Sozialnetz hat. Und nicht zu vergessen - hier in Spanien sind ca. 50 % Prozent der Jugendlichen allein arbeitslos. Also, was die Zukunft Spaniens betrifft - ich sehe da mehr als schwarz!!!!!
5. Hatte ich
altmannn 09.04.2012
Zitat von sysopREUTERSDie spanische Regierung will noch mehr kürzen: Weitere zehn Milliarden Euro sollen pro Jahr eingespart werden, bei der Bildung und im Gesundheitswesen. Dabei sollen auch die Besserverdienenden ihren Beitrag leisten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,826445,00.html
überlesen: "Sanierung des Bankensektors". Jetzt ist wenigstens auch klar, wo die Kohle hin soll. Aber grämt Euch nicht, Ihr Spanier. Dank ESM werden wir auch Eure Banken retten. Das wird Euch soviel nützen, wie den Griechen die ganzen "Rettungspakete". Denen geht es schon wieder richtig gut mittlerweile.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Schuldenkrise in Spanien
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 34 Kommentare