Rentnerin erstickt bei Brand Tausende Spanier demonstrieren gegen Energiearmut 

Eine 81-jährige Spanierin ist in ihrer Wohnung erstickt - weil sie die Stromrechnung nicht zahlen konnte und Kerzen anzündete. Laut einer Studie starben 7000 Spanier im Jahr 2014 an den Folgen der Energiearmut.

Pablo Iglesias (r.) bei einer Demonstration in Madrid
AFP

Pablo Iglesias (r.) bei einer Demonstration in Madrid


In Spanien haben Tausende Menschen gegen Energiearmut protestiert und an den Tot einer Rentnerin erinnert. Bei Kundgebungen in rund 20 Städten wurden die Behörden sowie die als "gierig" bezeichneten Versorger kritisiert.

Hintergrund der Demonstrationen war der Tod einer 81-Jährigen. Die alleinlebende Frau war am Montag bei einem Brand in ihrer Wohnung in der katalanischen Gemeinde Reus erstickt. Sie hatte Kerzen angezündet, weil ihr der Strom wegen unbezahlter Rechnungen abgestellt worden war.

Laut einer Studie der Sozial- und Umwelt-Stiftung ACA standen im Jahr 2014 mehr als 7000 Todesfälle im Zusammenhang mit der Energiearmut, also Problemen beim Bezahlen der Strom- und Gasrechnungen. Das Institut erhebt laut der Zeitung "El País" bereits zum dritten Mal im staatlich Auftrag Daten zur Energiearmut in Spanien.

"Das sind keine Todesfälle, das sind Ermordungen!", schrien am Samstag in Madrid Hunderte von Demonstranten vor dem Sitz des Energiekonzerns Gas Natural Fenosa. Das Unternehmen hatte der Rentnerin den Strom abgedreht.

"Es kann nicht sein, dass in der viertgrößten Volkswirtschaft der Eurozone Menschen sterben müssen, weil Firmen, die dicke Gewinne machen und ihren Chefs Skandalgehälter zahlen, armen und älteren Menschen den Strom abdrehen", sagte der Chef der linken Protestpartei Podemos, Pablo Iglesias, der an einer Demonstration teilnahm.

Darüber hinaus erinnerte Iglesias laut der Zeitung "Público" an den Artikel 128 der spanischen Verfassung. Der besage, dass der Reichtum des Landes dem allgemeinen Interesse untergeordnet werden müssen. Auch Unternehmen wie Gas Natural Fenosa sollten laut dem Politiker an die Verfassung gebunden sein.

sun/dpa



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i.dietz 19.11.2016
1. Diese armen Menschen haben wir mittlerweile auch in der BRD
die ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen können und Lebensmittel bei der Tafel betteln . Es ist beschämend für jedes Land, in denen die Reichen im reicher und die Armen immer ärmer werden ! Dies ist wohl auch ein Grund dafür, dass die sogen. "rechten" Parteien einen enormen Zulauf haben und sich die Vermehrung der "Wutbürger" nicht mehr stoppen läßt !
Teile1977 19.11.2016
2. Griechenland
Nun, wenn es egal wäre ob die Menschen ihre Rechnung bezahlen, würden sehr schnell sehr viele Menschen der Meinung sein sie wären Arm und würden auch nicht mehr bezahlen. In Griechenland war das doch so, und was ist mit der Volkswirtschaft geschehen?
Stadtguerilla 19.11.2016
3. ...
Zitat von i.dietzdie ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen können und Lebensmittel bei der Tafel betteln . Es ist beschämend für jedes Land, in denen die Reichen im reicher und die Armen immer ärmer werden ! Dies ist wohl auch ein Grund dafür, dass die sogen. "rechten" Parteien einen enormen Zulauf haben und sich die Vermehrung der "Wutbürger" nicht mehr stoppen läßt !
Es hat nun einfach die kritische Masse erreicht derjenigen die tatsächlich verarmt sind und derjenigen die, nicht nur eingebildet, die nächsten sind "die dran sind". Ich schätze diese Menge mittlerweile mal so auf 30-40% der Euro und US Bevölkerung. Natürlich kann man nun wieder daher schwadronieren ob diese A)selber schuld B)eine Minderheit sind, oder C)nicht das Volk - meistens eh alles zusammen. Grotesk dabei ist ja das wir hier von einigen der reichsten Staaten der Erde reden und nicht von irgendeinem Teil der Sahara, das wäre dann in der Tat ein unterschied. Hier spiegelt es nur die völlige verkommenheit des neofeudalen Kapitalismus wieder, der uns, sofern nicht ähnlich tiefgreifende Reformen ähnlich der Agenda 2010, nur andersrum, kommen in-bälde um die Ohren fliegen wird...
jj2005 19.11.2016
4. Freie Energie und freie Lebensmittel!
Der "Tot" der Rentnerin hätte sicher vermieden werden können, wenn man ihr den Strom geschenkt hätte. Vielleicht wäre sie aber dann verhungert, weil sie ihre Lebensmittel nicht bezahlen konnte. Deswegen: Freien Strom und freie Lebensmittel für Arme!
giostamm11 19.11.2016
5. 4. grösste Eurowirtschaft
das hört sich gut an aber wenn man die genauen Zahlen ansieht. Es hat ein BIP von 1.400 Mia Dollar bei 50 mio Einwohner....Italien die drittgrösste Volkswirtschaft mit 60 mio ein Bip von 2.150. Mia. Das ist Bevölkerungsbereinigt ein Unterschied von fast 400 Mia... Noch schlimmer siehts im Vergleich zu den Niederlanden aus die mit 15 Mio Einwohner ein BIP von 850 mia Dollar erreichen. Dazu kommen Werte der Arbeitslosigkeit die nur von Griechenland getoppt werden. Aber es ist grundsätzlich doch ein reiches Land und muss offensichtlich an der Vermögensverteilung arbeiten.
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