Deflation Preise in Spanien fallen immer stärker

Fallende Verbraucherpreise in Spanien schüren Ängste vor einer Deflation in der Eurozone. Im November lag die Inflationsrate in der viertgrößten Volkswirtschaft der Eurozone bei minus 0,4 Prozent.


Madrid - Die Preise in Spanien fallen immer stärker und sorgen damit für zunehmende Deflationssorgen in der Euro-Zone. Die Inflationsrate lag im November bei minus 0,4 Prozent, wie das Statistikamt in Madrid am Freitag mitteilte.

Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte mit Sorge auf die Entwicklung in der viertgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone schauen, in der die Preise nunmehr seit fünf Monaten in Folge fallen. Sie strebt für den Währungsraum eine Teuerungsrate von knapp zwei Prozent an und erwägt inzwischen sogar den Ankauf von Staatsanleihen in großen Stil, um die Inflation anzuheizen.

Die EZB will auf jeden Fall verhindern, dass eine Abwärtsspirale aus fallenden Preisen und sinkenden Löhnen entsteht, die zu einem zurückhaltenden Konsumverhalten der Verbraucher und geringerer Investitionsbereitschaft der Firmen führt. Eine solche Deflation kann eine Wirtschaft lange lähmen, wie das Beispiel Japan gezeigt hat.

Danach sieht es in Spanien derzeit nicht aus, da die Sparquote sinkt und die Verbraucher mehr ausgeben. Auch weil sie beim Tanken und Heizen nun nicht mehr so tief in die Tasche greifen müssen, denn der stark gesunkene Ölpreis dämpft die Energiekosten. Viele Experten rechnen damit, dass die Verbraucherpreise in Spanien auch im kommenden Jahr sinken werden.

In Italien droht eine ähnliche Entwicklung: In der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone steigen die Preise kaum noch. Sie zogen im November lediglich um 0,3 Prozent an.

ssu/Reuters



insgesamt 13 Beiträge
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yoinky 12.12.2014
1. Geldumlauf
Das Thema Inflation verwirrt mich in einem Punkt: so wie ich die Sache sehe, soll die Inflation durch die Angst vor Abwertung die Ausgaben anheizen und dadurch die Geldumlaufgeschwindigkeit erhöhen. Was ist aber mit den ganzen Superreichen? Die müssten die Inflation ja eigentlich hassen wie der Teufel das Weihwasser. Dies scheint jedoch nicht der Fall zu sein, was ich mir nur dadurch erklären kann, daß ihr Vermögen aufgrund der Zinsen absolut an Wert gewinnt. Wie kann es also sein, daß die Inflation nur für die "kleinen" Leute und Firmen ein Anreiz ist und nicht für die "großen" Fische? Ist der Zins schuld oder liegt die Ursache woanders?
neuronensalat 12.12.2014
2. Zweifelhaft
Ich halte die Schlüsse in dem Artikel für zweifelhaft. Zunächst ist es doch für jeden Bürger angenehm, wenn er weniger seines Einkommens für ein Gut ausgeben muss, wie man im Moment am Benzin merkt. Und das Argument, dass Käufe bei sinkenden Preisen in die Zukunft verschoben werden, halte ich für vorgeschoben, denn eine solche Marktsituation haben wir bei Computern und Smartphones seit Jahren. Und wo ist jetzt der Zusammenhang, dass die Inflation steigen soll, wenn die EZB (entgegen ihrer eigentlichen Aufgabendefinition) Staatsanleihen aufkaufen soll, das hätte ich gerne im Artikel erklärt gehabt. Vielleicht kann es ja auch ein volkswirtschaftlich bewanderter Forist erklären...
spreepirat 12.12.2014
3. Deflation in den Krisenländern ist zwangsläufig,
weil dort, z.B. in Spanien eine Immobilienblase existiert, und in Griechenland eine Blase der Einkommen im öffentlichen Dienst. Die überhöhten Preisniveaus für Immobilien und Staatsbediensteteneinkommen sind in keiner Weise durch die unterliegenden ökonomischen Fakten begründet. In Spanien müssen die Immobilienpreise fallen. Sie hatten nie und haben immer noch nicht mit der Lebenswirklichkeit der potentiellen Käufer zu tun. Genauso wie in Griechenland die völlig überhöhten Einkommen der Nomenklatura, die Griechenland arm frisst, an das Lohnniveau der Normalbürger angepasst werden muss. Wenn die Preise für Immobilein oder Arbeit gewollt sinken, ist das gewollte Deflation. Ohne diese gibt es keine Normalisierung der Verhältnisse. Darüber zu jammern, wie es Draghi tut, ist scheinheilig.
diefans 12.12.2014
4.
Zitat von yoinkyDas Thema Inflation verwirrt mich in einem Punkt: so wie ich die Sache sehe, soll die Inflation durch die Angst vor Abwertung die Ausgaben anheizen und dadurch die Geldumlaufgeschwindigkeit erhöhen. Was ist aber mit den ganzen Superreichen? Die müssten die Inflation ja eigentlich hassen wie der Teufel das Weihwasser. Dies scheint jedoch nicht der Fall zu sein, was ich mir nur dadurch erklären kann, daß ihr Vermögen aufgrund der Zinsen absolut an Wert gewinnt. Wie kann es also sein, daß die Inflation nur für die "kleinen" Leute und Firmen ein Anreiz ist und nicht für die "großen" Fische? Ist der Zins schuld oder liegt die Ursache woanders?
Wenn jemand ein Vermögen in Fiateuro (wie auch immer) angespart hat, dann führt ein Preisverfall dazu, daß er mit diesem Vermögen in Zukunft einen größeren Anteil am Wirtschaftsprodukt kaufen kann. Die kleinen Leute und Firmen haben auch keinen Vorteil von der Inflation, da der Fortschritt ihnen regelmäßig gestohlen wird. 2% jedes Jahr bedeutet, daß man 2% effektiver arbeiten muß, um den Vermögensverlust wieder gut zu machen. Ohne Inflation könnte man 2% mehr Vermögen haben. Der technische Fortschritt würde zu ständig sinkenden Preisen führen. Oder hat sich schon mal jemand gefragt, warum wir immer noch soviel arbeiten müssen, obwohl fast alles automatisierbar ist? Der Betrug an der Deflations- bzw. Inflationsrate ist der zugrundegelegte Warenkorb, der in Spanien offenbar aus Dingen besteht, die die Masse an Menschen nicht mehr haben möchte oder sich nicht mehr leisten kann. Würde man den Warenkorb aus Dingen zusammensetzen, die bei den mittleren 90% der Menschen 90% des durchschnittlichen Haushaltsumsatzes ausmachen, würde man wahrscheinlich etwas anderes messen. Aber diese Zahl will anscheinend niemand bekannt geben.
omop 12.12.2014
5. Irrwitzige Bewertungen..
müssen wieder auf normale Niveaus runterkommen..die Immobilienpreise in Spanien,Italien &Co. sind immer noch nicht auf einem angemessenen Niveau. Da kann sich Draghi auf den Kopf stellen.
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