Aufschwung Spaniens Wachstum erreicht Vorkrisenniveau

Die spanische Wirtschaft gewinnt zunehmend an Schwung. Von Januar bis März wuchs sie um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal - so stark wie seit Beginn der Krise vor sechs Jahren nicht mehr.

Seat-Produktion bei Barcelona (Archiv): Zwei Jahre Rezession vorüber
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Seat-Produktion bei Barcelona (Archiv): Zwei Jahre Rezession vorüber


Madrid - Gute Nachrichten aus dem Krisenland: Spaniens Wirtschaft erholt sich zusehends. Im ersten Quartal dieses Jahres legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ersten Schätzungen zufolge um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu, teilte die Zentralbank des Landes mit. Das entspricht dem höchsten Wachstum seit Beginn der Krise Anfang 2008.

Bereits Mitte des vergangenen Jahres hatte die spanische Wirtschaft die Trendumkehr geschafft. Nach mehr als zwei Jahren Rezession wuchs das BIP im dritten Quartal 2013 zum ersten Mal wieder, damals noch mit recht mageren 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. In den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres steigerte sich das Wachstum bereits auf 0,2 Prozent.

Getragen wurde das Wachstum im ersten Quartal 2014 der spanischen Zentralbank zufolge von einer leicht verbesserten Binnennachfrage. Auch die Unternehmen hätten wieder mehr investiert. Für das gesamte Jahr rechnen die Zentralbanker mit einem Wachstum von 1,2 Prozent. 2015 soll das BIP in der viertgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone um 1,7 Prozent zulegen.

Arbeitslosigkeit weiter hoch

Auch die Regierung ist optimistisch. Wirtschaftsminister Luis de Guindos hatte am Mittwoch seine Prognose erhöht und rechnet mit einem Wachstum "um die 1,5 Prozent" im Schnitt für die Jahre 2014 und 2015.

Zur positiven Stimmung trägt auch bei, dass Spanien von Investoren mittlerweile wieder günstig Geld bekommt. Am Donnerstag gab das Land Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit aus - und konnte sie zu historisch niedrigen Zinsen von 3,1 Prozent platzieren. Bei der letzten vergleichbaren Auktion Anfang April hatten sie noch 3,3 Prozent betragen. Auch die Renditen für Anleihen mit kürzerer Laufzeit fielen. Insgesamt spülten drei Versteigerungen 5,56 Milliarden Euro in die Staatskasse.

Ein Aspekt trübt jedoch den Optimismus in Spanien: Die Arbeitslosigkeit bleibt laut Wirtschaftsminister de Guindos "erschreckend" hoch. Im ersten Quartal suchte der Statistikbehörde zufolge mehr als jeder vierte Spanier einen Job. Die Quote lag bei 25,7 Prozent.

fdi/Reuters/dpa/AFP



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insgesamt 6 Beiträge
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mfetzer 24.04.2014
1. solange die Parteien
gegeneinander kämpfen anstatt fürs spanische Volk gemeinsam eine Lösung zu suchen gibt es die nächsten 2 jahre keinen Aufschwung und Mars der dumme Möchtegern Politiker sollte einfach einmal einsehen dass er Spanien versucht zu schwächen.
linus23 24.04.2014
2. morgen der Artikel über Portugals Wiederauferstehung oder wie ??
Zitat von sysopAFPDie spanische Wirtschaft gewinnt zunehmend an Schwung. Von Januar bis März wuchs sie um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal - so stark wie seit Beginn der Krise vor sechs Jahren nicht mehr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/spanien-wachstum-der-wirtschaft-so-hoch-wie-vor-der-euro-krise-a-965951.html
Jetzt fehlt nicht mehr viel, dann wird man Spaniens momentane Ökonomie als neues Wirtschaftswunder verklären ... > 50 % Arbeitslosigkeit bei den unter 40-Jährigen, 26 % allgemeine Arbeitslosigkeit. Eine komplette Generation wurde quasi "verheizt": Verschuldet bis über die Ohren, ohne Perspektive, ohne Arbeit, die Wohnung verloren, und trotzdem die nächsten 50/60 Jahre (!) verschuldet ... In Spanien wächst die Wirtschaft mitnichten. Wenn das Land wie behauptet seit dem 2. Quartal 2013 aus der Rezession draußen ist, ist dies schlicht und einfach hanebüchener Unsinn. Wie kann davon die Rede sein, wenn allerorten Misere anzutreffen ist, immer mehr Menschen buchstäblich hungern, abertausende Hausbesitzer aus ihren 4 Wänden geworfen werden ? Der Wertberichtigungsbedarf bzgl. Immobilien ist in Spanien immer noch enorm. Das Ministerio de Fomento gibt, soweit ich mich erinnere bis dato einen Preisverfall für alle Immobilien von ca. 40 % seit 2008 an. Dies ist geradezu lachhaft, wenn man berücksichtigt, dass dies immer noch wesentlich höhere Preise als vor dem Boom bedeutet, als es eben noch nicht diese gigantischen Leerstände von heutzutage gab. Gegenüber 2008 (100%) kommt die Bodenbildung wohl erst bei 36/38 % allmählich zum tragen. In Spanien träumen immer noch alle: Politik, um keine weitere Panik zu schüren und das Land "schönzumalen", die Banken, um die dringend notwendigen Wertberichtigungen auszusitzen, Immobilienbesitzer, welche bei Verkauf im Vorfeld viel zu hoch auspreisen, in der Praxis oftmals 30/35 % unter dem gewünschten "Kasse machen" - als offizielle Zahlen fließen jedoch die "ursprünglich geforderten Preise" in die Statistik. In anderen Worten: ein riesen Selbstbetrug, welcher noch viel, viel Sprengkraft aufweist ... Ich wage sogar zu behaupten, dass in Spanien eine handfeste Depression vorliegt, welche uns die nächsten 15/20 Jahre begleiten wird. Bei fehlender Abwertungsmöglichkeit sind die Möglichkeiten Spaniens äusserst beschränkt. Der zunehmende Export ist der verzweifelten Lage im Inland geschuldet, wo der Konsum seit 2008 massiv eingebrochen ist. Es wird wesentlich weniger importiert, zwangsläufig neue Märkte draußen gesucht, oftmals aus purer Verzweiflung, oftmals ohne die Kosten zu decken. Deshalb die verbesserte Zahlungsbilanz. Eine Ökonomie mit solch einer Arbeitslosigkeit und Hoffnungslosigkeit bei den Menschen als "wachsend" zu bezeichnen ist geradezu blanker Hohn. Wenn Spanien Anleihen zu solch niedrigen Zinsen platzieren kann, dann doch nur, weil die EZB garantiert ...
linus23 24.04.2014
3. Korrektur ...
Zitat von linus23Jetzt fehlt nicht mehr viel, dann wird man Spaniens momentane Ökonomie als neues Wirtschaftswunder verklären ... > 50 % Arbeitslosigkeit bei den unter 40-Jährigen, 26 % allgemeine Arbeitslosigkeit. Eine komplette Generation wurde quasi "verheizt": Verschuldet bis über die Ohren, ohne Perspektive, ohne Arbeit, die Wohnung verloren, und trotzdem die nächsten 50/60 Jahre (!) verschuldet ... In Spanien wächst die Wirtschaft mitnichten. Wenn das Land wie behauptet seit dem 2. Quartal 2013 aus der Rezession draußen ist, ist dies schlicht und einfach hanebüchener Unsinn. Wie kann davon die Rede sein, wenn allerorten Misere anzutreffen ist, immer mehr Menschen buchstäblich hungern, abertausende Hausbesitzer aus ihren 4 Wänden geworfen werden ? Der Wertberichtigungsbedarf bzgl. Immobilien ist in Spanien immer noch enorm. Das Ministerio de Fomento gibt, soweit ich mich erinnere bis dato einen Preisverfall für alle Immobilien von ca. 40 % seit 2008 an. Dies ist geradezu lachhaft, wenn man berücksichtigt, dass dies immer noch wesentlich höhere Preise als vor dem Boom bedeutet, als es eben noch nicht diese gigantischen Leerstände von heutzutage gab. Gegenüber 2008 (100%) kommt die Bodenbildung wohl erst bei 36/38 % allmählich zum tragen. In Spanien träumen immer noch alle: Politik, um keine weitere Panik zu schüren und das Land "schönzumalen", die Banken, um die dringend notwendigen Wertberichtigungen auszusitzen, Immobilienbesitzer, welche bei Verkauf im Vorfeld viel zu hoch auspreisen, in der Praxis oftmals 30/35 % unter dem gewünschten "Kasse machen" - als offizielle Zahlen fließen jedoch die "ursprünglich geforderten Preise" in die Statistik. In anderen Worten: ein riesen Selbstbetrug, welcher noch viel, viel Sprengkraft aufweist ... Ich wage sogar zu behaupten, dass in Spanien eine handfeste Depression vorliegt, welche uns die nächsten 15/20 Jahre begleiten wird. Bei fehlender Abwertungsmöglichkeit sind die Möglichkeiten Spaniens äusserst beschränkt. Der zunehmende Export ist der verzweifelten Lage im Inland geschuldet, wo der Konsum seit 2008 massiv eingebrochen ist. Es wird wesentlich weniger importiert, zwangsläufig neue Märkte draußen gesucht, oftmals aus purer Verzweiflung, oftmals ohne die Kosten zu decken. Deshalb die verbesserte Zahlungsbilanz. Eine Ökonomie mit solch einer Arbeitslosigkeit und Hoffnungslosigkeit bei den Menschen als "wachsend" zu bezeichnen ist geradezu blanker Hohn. Wenn Spanien Anleihen zu solch niedrigen Zinsen platzieren kann, dann doch nur, weil die EZB garantiert ...
muss heißen: "bei den unter 30-Jährigen" - bitte um Nachsicht !
alexxa2 24.04.2014
4. klaro Linus 23
"Jetzt fehlt nicht mehr viel, dann wird man Spaniens momentane Ökonomie als neues Wirtschaftswunder verklären .. ja, was glauben Sie den ? Am 25.05 sind Wahlen-da müssen die Zahlen stimmen...nur, wer schluckt das noch ?
alexxa2 24.04.2014
5. klaro Linus 23
"Jetzt fehlt nicht mehr viel, dann wird man Spaniens momentane Ökonomie als neues Wirtschaftswunder verklären .. ja, was glauben Sie denn ? Am 25.05 sind Wahlen-da müssen die Zahlen stimmen...nur, wer schluckt das noch ?
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