Schuldenkrise Spanien will Renten an Lebenserwartung koppeln

Die spanische Regierung plant eine große Rentenreform: Die Altersbezüge sollen künftig mit der Lebenserwartung und der Konjunktur verknüpft werden. Damit reagiert Madrid auf den Druck der EU-Kommission.

Arbeitsministerin Banez: Weniger Geld für Rentner
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Arbeitsministerin Banez: Weniger Geld für Rentner


Madrid - Spanien will die Renten künftig an die durchschnittliche Lebenserwartung und den Konjunkturverlauf koppeln. So sollen die Renten ab dem kommenden Jahr nicht mehr von der Inflationsentwicklung abhängen und stattdessen auch an die Einnahmen aus den Sozialversicherungsbeiträgen gebunden werden, sagte Arbeitsministerin Fatima Banez am Montag. Das könne zwar zunächst zu geringeren Bezügen führen. Zugleich könnten aber auch künftig angemessene Einkünfte im Ruhestand gewährleistet und ein höheres Renteneintrittsalter vermieden werden.

Zudem will die konservative Regierung einen jährlichen Rentenzuwachs von 0,25 Prozent sowie eine Deckelung einführen, damit die Renten nicht mehr als 0,25 Prozent stärker steigen als die Inflation. Die EU-Kommission verlangt von Spanien, im Kampf gegen die Schuldenkrise das Rentensystem bis Jahresende zu reformieren.

Das Land leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise und einer Arbeitslosigkeit, die so hoch ist wie noch nie. Die Zahl der Menschen, die Sozialversicherungsbeiträge zahlen, ist auf den tiefsten Stand seit einem Jahrzehnt gefallen, nachdem fast sechs Millionen Spanier ihren Job verloren haben. Dem Rentensystem machen zudem die Alterung der Gesellschaft und eine niedrige Geburtenrate zu schaffen.

cte/Reuters



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insgesamt 39 Beiträge
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Trueless 03.09.2013
1. Da ist der Schritt nicht mehr groß,
dass man das Rentenalter künstlich begrenzt! Ab 75 Jahren werden die Spanier bald beim Amtsarzt vorstellig werden. Wer genug Geld hat, kann sich Lebenszeit bis 80 Jahre und mehr "kaufen". Politiker sind ohnehin von dieser Regel ausgenommen. Der restliche Pöbel muss eben mit Ende 70 ein "humanes Ende" finden um Platz zu machen für Konjunktur und Renditen. Die Leistungen der Vergangenheit sind eh Schnee von gestern!
querollo 03.09.2013
2. Auch das noch
Mit ihren Renten finanzieren Oma und Opa hier in Spanien ganze Familien. In Spanien gibt es keine Sozialhilfe. Wer seinen Job verliert, steht nach einem Jahr völlig mittellos da - und lebt von - oft auch bei - seinen Eltern oder Großeltern. Wäre dem nicht so, müsste ein Sozial-System eingeführt werden, das diesen Namen verdient. Sollten die Rentenkürzungen wirklich spürbar werden (die Renten sind z.T. schon heute winzig) wird es hier Aufstände geben müssen.
GSYBE 03.09.2013
3.
Eigentlich bin ich ein ziemlich überzeugter Europäer; das verhindert aber nicht, diesen Vorstoss der EU-Kommission zum jetzigen Zeitpunkt als ziemlich dämlich zu sehen. Bei der derzeitigen hohen Arbeitslosigkeit - insbesondere bei den über 40-Jährigen - sind die Pensionen der Ruheständler sehr oft das Einzige, von dem ganze Familien hier in Spanien leben. Fakt ist aber auch, dass 2040 Spanien das Land mit der zweitältesten Bevölkerung weltweit sein wird.
papayu 03.09.2013
4. Diese 0,25%,
Haben die das von D. abgeguckt? Stellen Sie sich vor,wie lange wird es dauern, oder rechnen Sie einmal, Inflation 2 % Rente 0,25% p.a.?? Wirklich sehr schlau. Vielleicht kann man das auch anders anwenden? 0,25% neue Jobs, 2% Arbeitslose mehr. Frau v.d. Leyen, auf gehts.
MütterchenMüh 03.09.2013
5. tolles Rentensystem
Da sollte sich DE mal ein Beispiel nehmen: In Spanien werden die Renter nicht hinterrücks durch die Inflation enteignet sondern erhalten einen Inflationsausgleich. Super.
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