Auktion von Staatsanleihen: Spanien muss für Schulden Rekordzinsen zahlen

Die spanische Krise spitzt sich zu. Bei einer Auktion muss die Regierung Rekordzinsen zahlen, um an frisches Geld zu kommen. Die Risikoprämien für fünfjährige Staatsanleihen schießen auf den höchsten Stand seit 15 Jahren.

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Demonstranten in Spanien: Zinsen für Staatsschulden steigen

Madrid - Spanien kämpft bei der Geldaufnahme mit steigenden Zinsen: Bei einer Anleiheauktion musste das Euro-Schwergewicht am Donnerstag hohe Risikoprämien zahlen, um die Ansprüche von Investoren zu erfüllen.

Für zweijährige Anleihen stieg die Rendite von rund 2 auf gut 4,7 Prozent, bei den dreijährigen von rund 4,9 auf fast 5,5 Prozent. Und bei den fünfjährigen Anleihen stiegen die Risikoaufschläge von rund 5 auf mehr als 6 Prozent - den höchsten Stand seit 15 Jahren.

Immerhin: Die Nachfrage nach den spanischen Staatsanleihen war ordentlich - sie überstieg das Angebot um das Dreifache. Zudem sammelte Spaniens Regierung 2,22 Milliarden Euro ein, das ist sogar etwas mehr als sie sich ursprünglich leihen wollte.

Die hohe Nachfrage beruhigte Anleger am Rentenmarkt. Schließlich bedeutet sie, dass Spaniens Regierung sich nach wie vor selbst Geld leihen kann. "Sie sind die Dinger losgeworden, das ist so ziemlich das Positivste, was man dazu sagen kann", sagte Elisabeth Afseth, Zinsanalystin bei Investec in London. Allerdings sind zwei Milliarden Euro auch ein sehr niedriges Volumen für eine Auktion von Staatsanleihen.

Warten auf den Prüfbericht

Zuletzt hatten sich die Sorgen gemehrt, dass das Land sich nicht mehr lange aus eigener Kraft finanzieren kann. Zu Wochenbeginn musste der Staat Anlegern bis zu 7,3 Prozent Rendite bieten, um sich Geld für zehn Jahre zu leihen. Finanzminister Cristóbal Montoro bezeichnete dieses Niveau als "auf Dauer nicht tragbar". Im Klartext: Bleiben die Renditen über Monate derart hoch, bräuchten irgendwann nicht mehr nur die spanischen Banken Hilfe, sondern auch die Regierung. Nach der Auktion gaben die Renditen der zehnjährigen Anleihen nun wieder leicht nach, sie liegen derzeit bei gut 6,67 Prozent.

"Schon am Nachmittag dürfte Spanien erneut im Fokus der Märkte stehen. Dann soll der Prüfbericht zur Lage der spanischen Banken veröffentlicht werden, den die Beratungsunternehmen Roland Berger und Oliver Wyman ausarbeiten. Anleger erhoffen sich Klarheit darüber, wie viele Milliarden die spanische Regierung braucht, um den maroden Finanzsektor zu stützen.

Spaniens Banken haben sich während eines jahrelangen Immobilienbooms mit Hypotheken verspekuliert. Zahlreiche Hauseigentümer können ihre Kredite nicht mehr zahlen, und da die Arbeitslosigkeit steigt, geraten zusehends auch Menschen aus der Mittelschicht in Zahlungsschwierigkeiten. Die Banken sitzen also auf einem wachsenden Berg fauler Kredite. Die Troika aus IWF, EU-Ländern und EU-Kommission ist bereit, bis zu 100 Milliarden Euro zu zahlen, um den spanischen Finanzsektor zu stützen.

Am Donnerstagabend könnte die spanische Regierung obendrein ihren offiziellen Antrag auf Hilfen der Troika stellen. Die Finanzminister der Euro-Länder tagen dann in Luxemburg. Offizielle Angaben dazu gibt es bis dato nicht.

ssu/dpa/Reuters

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insgesamt 48 Beiträge
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1. Spanien sollte sich kein Geld zu Nidrigzinsen leihen dürfen !
Akkin 21.06.2012
Immerhin zeiigt die IMMOblase, dass sie nicht mit Geld umgehen können.
2. Das die Nachfrage ordentlich war...
NeueGedanken 21.06.2012
hat gar nix mehr zu bedeuten seit dem die EZB Anleihen aufkauft.
3. Ist doch klar...
spiegelkind 21.06.2012
je höher die Zinsen, desto höher die Nachfrage. Mit hohen Zinsen lässt sich doch wunderbar Geld verdienen - Geld, dass notfalls aus dem Rettungsschirm kommt.
4. Je höher die Zinsen, desto
prontissimo 21.06.2012
Zitat von sysopDi
schneller staht das Karussell still. So haben also diese satten Zinsen einen positiven Einfluß auf das Verschwinden unserer Steuern.
5.
Dirk Ahlbrecht 21.06.2012
Zitat von sysopDi
Bei 4,5 bis 5,5 Prozent gleich von "Rekordzinsen" zu schreiben, halte ich dann doch für ein wenig übertrieben. Deutschland hat beispielsweise Anfang der 70er- und zu Beginn der 80er-Jahre um die 10% gezahlt. So gesehen ist es aus Sicht der Spanier zwar unschön, "Rekordzinsen" sind es dennoch nicht.
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Arbeitslose in Spanien: "Wir werden das Land verlassen müssen"

So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.