Neue Anleihe Spaniens Risikoprämien steigen bedenklich

In Deutschland stimmt das Parlament über ein Hilfspaket für Spanien ab. Gleichzeitig verschlimmert sich die Krise im Land: Bei einer Anleihenauktion muss der Staat enorm hohe Zinsen bieten. Die Rendite für zehnjährige Papiere steigt über die kritische Marke von sieben Prozent.

Demonstration in Madrid: Protest gegen Banken-Abzocke und Sparmaßnahmen
DPA

Demonstration in Madrid: Protest gegen Banken-Abzocke und Sparmaßnahmen


Madrid - In Deutschland sind die meisten Parlamentarier aus den Ferien zurück, um über ein Rettungspaket für Spaniens Banken abzustimmen. Die Zeit drängt - denn im Land verschlechtert sich die Lage. Bei einer Anleihenauktion musste die Regierung deutlich höhere Zinsen zahlen als zuletzt. Zudem ging die Nachfrage nach den Titeln merklich zurück. Insgesamt besorgte sich Spanien knapp drei Milliarden Euro frisches Kapital.

  • Bei einer Anleihe mit Laufzeit bis 2014 musste Spanien eine Rendite von rund 5,2 Prozent bieten. Bei einer vergleichbaren Auktion am 7. Juni waren es noch 4,3 Prozent gewesen.
  • Bei einer Anleihe mit Fälligkeit in fünf Jahren mussten fast 6,5 Prozent gezahlt werden. Am 21. Juni waren es noch 6,07 Prozent gewesen.
  • Bei einem Staatspapier mit Laufzeit bis zum Jahr 2019 lag die Rendite gar bei 6,7 Prozent.

Experten halten den Ausgang der Anleihenauktion für besorgniserregend. "Sie haben verkauft, was sie verkaufen wollten, das ist das einzig Gute daran", sagte Analyst Marc Ostwald von Monument Securities.

Auch am Sekundärmarkt, wo die bereits früher ausgegebenen Staatsanleihen weiterverkauft werden, zogen die Renditen für zehnjährige spanische Papiere deutlich an. Sie kletterten gar über die kritische Marke von sieben Prozent. Bei Werten darüber gelten die Kosten für die Staatsfinanzierung langfristig als enorm schwierig.

Spanien braucht Geld, um seinen angeschlagenen Banken zu helfen*. Das Land selbst ist damit angesichts der schlechten Haushaltslage überfordert, also soll es Kredite aus den Euro-Rettungsfonds bekommen. Es geht um bis zu 100 Milliarden Euro, die zunächst aus dem temporären EFSF gezahlt werden würden.

Der Bundestag sollte am Nachmittag bei einer Sondersitzung entscheiden, ob er dem zustimmt. Ein positives Votum gilt als nahezu sicher. Es ist die Voraussetzung dafür, dass Finanzminister Wolfgang Schäuble am Freitag bei einer Telefonkonferenz der Euro-Finanzminister den Hilfen für Spanien zustimmen kann.

Die Regierung in Madrid kämpft mit einer hohen Neuverschuldung. Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte kürzlich ein umfassendes Paket aus Einsparungen und Steuererhöhungen vorgestellt, mit dem der Haushalt um rund 65 Milliarden Euro entlastet werden soll.

Gute Nachrichten kommen dagegen aus Frankreich. Am Donnerstag konnte sich die zweitgrößte Volkswirtschaft des Währungsraums enorm günstig frisches Kapital besorgen. Bei einer Versteigerung von Staatsanleihen mit Fälligkeit 2017 sank die zu zahlende Rendite auf 0,86 Prozent. Das ist ein Rekordtief in dieser Laufzeit. Deutschland hatte am Mittwoch bei der Ausgabe einer zweijährigen Anleihe erstmals Geld verdient.

ssu/dpa/Reuters

insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
miles2hh 19.07.2012
1.
Zitat von sysopDPAIn Deutschland stimmt das Parlament über ein Hilfspaket für Spanien ab. Gleichzeitig verschlimmert sich in Madrid die Schuldenkrise: Bei einer Anleihenauktion muss die Regierung enorm hohe Zinsen zahlen. Der Kurs für zehnjährige Papiere steigt über die kritische Marke von sieben Prozent. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,845285,00.html
Die Zinsen sind überhaupt nicht "enorm hoch"! Hier sind die jahrzehntelang üblichen Maßstäbe völlig in Vergessenheit geraten!
Maya2003 19.07.2012
2.
Zitat von sysopDPAIn Deutschland stimmt das Parlament über ein Hilfspaket für Spanien ab. Gleichzeitig verschlimmert sich in Madrid die Schuldenkrise: Bei einer Anleihenauktion muss die Regierung enorm hohe Zinsen zahlen. Der Kurs für zehnjährige Papiere steigt über die kritische Marke von sieben Prozent. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,845285,00.html
Die Märkte treiben die Politiker wie eine Herde Schafe vor sich her. Ein absolutes Jammerspiel was uns hier seit zwei Jahren geboten wird.
nickleby 19.07.2012
3. Zinsen steigen bedenklich...
Bedenklich wird es auch für die Verpflichtungen, die Deutschland eingehen wird. Im Vertrauen auf die Leistungs-und Anziehungskraft der deutschen Wirtschaft lehnt sich die Merkel-Regierung weit aus dem Fenster und verspricht jedem, der meint Hilfe zu brauchen, Geld, ohne dabei zu berücksichtigen, dass alle Verpflichtungen, die man übernommen hat, beglichen werden müssen. Von wem ? Unsere Kinder und Enkel leiden schon heute unter dem Mangel, der durch die PIIGs-Staaten verursacht worden ist Man muss mehr kontrollieren, man muss Sparkommissare mit Direktionsrecht nach Madrid, Athen und Rom schicken. Die üppigen Gehälter der dort Ansässigen müssen gekürzt werden. Die Sparauflagen müssen erfüllt werden. Portugal und Irland haben es geschafft.
whitewolfe 19.07.2012
4. Anstatt immer nur zu nach dem Zahlmeister zu rufen
sollten diese Misswirtschaften endlich mal anfangen in Ihren Ländern aufzuräumen.Dazu gehört neben der Abwicklung von Zockerbanken auch die Entfernung von Politikern die diese grossvolumigen Zockereien überhaupt erst ermöglicht haben.Denn schliesslich wusste und genehmigte die spanische Regierung den Bau von Immobilien die keiner braucht.Und das in so grossem Stil das das ganze Land in Schieflage ist.Wann übernimmt da einer endlich die Verantwortung?
iconoclasm 19.07.2012
5.
Zitat von Maya2003Die Märkte treiben die Politiker wie eine Herde Schafe vor sich her. Ein absolutes Jammerspiel was uns hier seit zwei Jahren geboten wird.
Die Politik hat sich durch ihre Schuldenpolitik ja auch erst von den Märkten abhängigk gemacht. Die Zinsen entsprechen allmählich dem tatsächlichen Risiko, wer das für bösen Finanzhokuspokus hält ist hiermit aufgefordert kräftig spanische Anleihen zu kaufen, aber bitte vom eigenen Geld.
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