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18. Januar 2013, 16:08 Uhr

Faule Kredite

Spanische Banken könnten 190 Milliarden Euro verlieren

Es ist die höchste Quote von faulen Krediten bei spanischen Banken, die jemals vergezeichnet wurde: Rund 11,4 Prozent der Darlehen werden nicht zurückgezahlt, weil das Land unter einer hohen Arbeitslosigkeit leidet. Auch Italien wird von der Krise belastet - ein weiteres Rezessionsjahr steht bevor.

Madrid - Das Volumen der faulen Kredite nimmt in Spanien seit 17 Monaten ununterbrochen zu. Die Banken bleiben zunehmend auf Beträgen sitzen, die Schuldner nicht begleichen können. Bei mehr als einem von neun Krediten bestehe die Gefahr, dass er nicht zurückgezahlt werde, teilte die Zentralbank am Freitag mit.

Diese Entwicklung hat vor allem mit der Rekord-Arbeitslosenquote zu tun. In keinem anderen Land ist sie höher als in Spanien. Jeder vierte Spanier hat derzeit keinen Job. Noch schlimmer ist die Lage unter jungen Leuten: 53 Prozent der unter 24-Jährigen sind arbeitslos.

Immer weniger Menschen können ihre Kredite und Hypotheken zurückzahlen. Wegen der Krise sind aber auch zunehmend Firmen nicht in der Lage, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen.

Die Quote der faulen Kredite - überwiegend Immobiliendarlehen - lag im November bei 11,38 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit Beginn der Statistik im Jahr 1962. Im Oktober hatte die Quote noch 11,23 Prozent betragen. Spaniens Banken könnten damit auf Krediten in Höhe von insgesamt 191,6 Milliarden Euro sitzen bleiben.

Die jüngsten Zahlen verdeutlichen, wie sehr sich die Lage auf dem spanischen Finanzsektor zuspitzt, für dessen Rettung die EU im Sommer ein Hilfsprogramm von bis zu 100 Milliarden Euro vereinbart hat. Die spanischen Banken hatten jahrelang großzügig Kredite vor allem für den Bau von Wohnungen und Büroräumen vergeben. In der Finanzkrise platzte die Immobilienblase.

Mitte Dezember wurde eine Bad Bank gegründet, die risikobehaftete Immobilienkredite der vier verstaatlichten spanischen Banken übernehmen soll. Ziel der Abwicklungsbank ist es, den kriselnden Finanzsektor im Land zu stabilisieren.

Der europäische Stabilitätsfonds ESM gab Ende Dezember 2012 eine erste Hilfstranche von 39 Milliarden Euro frei, von denen 37 Milliarden Euro für die vier verstaatlichten Banken waren.

Auch Italien leidet unter der Wirtschaftskrise. Nach Einschätzung der Banca d'Italia entwickelt sich die Rezession schlimmer als bisher gedacht. Die italienische Notenbank senkte die Prognose für die weiter konjunkturelle Entwicklung und rechnet in diesem Jahr mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,0 Prozent. Zuletzt waren die Währungshüter in Rom im vergangenen Juli nur von einem Schrumpfen der Wirtschaft um 0,2 Prozent ausgegangen.

Als Gründe für die Prognosesenkung nannte die Notenbank die allgemeine Schwäche der Weltwirtschaft und eine enttäuschende Nachfrage nach italienischen Waren im Ausland. Die neue Einschätzung der konjunkturellen Entwicklung erfolge vor dem Hintergrund einer kontinuierlichen Schwäche der Geschäftsaktivitäten der Unternehmen in den vergangenen Monaten.

Italien befindet sich seit Ende 2011 in einer Rezession. Nach jüngsten Daten gab es den stärksten Einbruch der Wirtschaft im dritten Quartal vergangenen Jahres. Damals ging das Bruttoinlandsprodukt um 2,4 Prozent im Quartalsvergleich zurück. Ein positives Wirtschaftswachstum könnte das Land auf das komplette Jahr gesehen im Jahr 2014 wieder erreichen, erklärte die Zentralbank.

kha/AFP/dpa

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