Finanzkrise: Spaniens Militär wird radikal verkleinert

Finanznot: Was Spaniens Militär sich spart Fotos
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Die Krise erreicht Spaniens Streitkräfte: Das Militär ist hoch verschuldet und muss kräftig sparen. Die Regierung in Madrid greift nun zu ungewöhnlichen Mitteln - mal verleiht, mal verschrottet sie ihr Kriegsgerät.

Madrid - Die "Príncipe de Asturias" war 25 Jahre lang das Flaggschiff der spanischen Marine. Der einzige Flugzeugträger der königlichen Armada hätte ohne weiteres noch für einige Zeit im Dienst der Streitkräfte stehen können. Dazu wäre aber eine umfassende Modernisierung der Instrumente an Bord des knapp 200 Meter langen Schiffs erforderlich gewesen. Dem Militär im Euro-Krisenland fehlt dafür jedoch das Geld. Nun wird der erste in Spanien gebaute Flugzeugträger zerlegt und verschrottet.

Die Krise hat auch die Armee erreicht. Um Geld zu sparen, griffen die spanischen Streitkräfte zu ungewöhnlichen Mitteln: Die Marine lieh ihr Versorgungsschiff "Cantabria" für ein Jahr an Australien aus. Auch bei den Feiern zum "Tag der Streitkräfte" musste drastisch gespart werden. Die traditionelle Militärparade und ein offizieller Empfang wurden gestrichen; statt der sonst üblichen 1,3 Millionen standen nur 90.000 Euro zur Verfügung.

Das Verteidigungsbudget wurde seit Beginn der Krise vor fünf Jahren auf sechs Milliarden Euro gesenkt - eine Kürzung um 30 Prozent. Spanien ist eines der Länder, das - gemessen an seiner Wirtschaftskraft - in der Nato am wenigsten Geld für die Streitkräfte ausgibt. Das knappe Budget ist aber längst nicht das einzige Finanzproblem. Auf dem Militär lasten Verbindlichkeiten in Höhe von etwa 30 Milliarden Euro.

Diese stammen aus Zeiten, in denen Spanien noch genügend Geld in der Staatskasse hatte und sich neue Waffensysteme anschaffte. Nun will die Regierung bei diesen Rüstungsprogrammen kräftige Abstriche machen, soweit dies nachträglich noch möglich ist. Wie Staatssekretär Pedro Argüelles kürzlich dem Parlament mitteilte, wird Spanien auf den Erwerb von 14 Kampfflugzeugen vom Typ "Eurofighter 2000" verzichten und sich mit 73 Maschinen begnügen.

Beim Airbus-Transportflugzeug A400M hatte sich die Regierung in Madrid zum Kauf von 27 Maschinen verpflichtet. Spanien will davon aber nur 14 in Dienst nehmen und versuchen, die übrigen 13 Flugzeuge an andere Länder zu verkaufen. Bei den Hubschraubern vom Typ NH-90 wird die Bestellung von 45 Maschinen auf 22 reduziert, von den Panzerfahrzeugen "Pizarro" kauft Spanien nur 117 anstelle von 190.

Es fehlt an Geld und an einem Konzept

"Spaniens Streitkräfte sind verschuldet und mit den derzeitigen Budgetmitteln nicht haltbar", schrieb "El País". Nach Informationen der Zeitung hat das Heer die Zahl der Manöver auf weniger als die Hälfte reduziert und jeden zweiten Panzer einstweilen stillgelegt, um Treibstoff zu sparen.

"Spanien hat kompetente Streitkräfte, aber gewisse Grenzen der Investition dürfen nicht unterschritten werden", warnte Verteidigungsminister Pedro Morenés. Generalstabschef Fernando García Sánchez ergänzte: "Mit den derzeitigen Budgets lassen sich die Sicherheit und die Verteidigung nicht ewig aufrechterhalten."

Kritiker wenden allerdings ein, dass es dem spanischen Militär nicht nur an Geld, sondern auch an einem klaren Konzept fehle. "Einige Waffensysteme wie die Leopard-Panzer wurden angeschafft, obwohl sie niemals zum Einsatz kommen werden", meint der Sicherheitsexperte Jesús A. Núñez Villaverde. "Sie wurden in Auftrag gegeben, weil die Verantwortlichen mehr an Kriege der Vergangenheit dachten als an wahrscheinliche Operationen in der Zukunft."

Von Hubert Kahl, dpa

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insgesamt 36 Beiträge
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1.
mooky 27.06.2013
...die können doch unsere bezahlten aber nicht gebrauchten Kampfhubschrauber bekommen
2. Also ich find des super...
GilbertWolzow 27.06.2013
Ganz im Ernst: Warum nicht mal bei den Waffen sparen? Warum immer nur bei den "kleinen Leuten"? Und jetzt noch die Banken bluten lassen und gut is.
3. Vernünftig
keith61 27.06.2013
Das ideale Gebiet für Einsparungen. Wesentlich besser als immer am falschen Ende zu kürzen
4. Das Militär ist hoch verschuldet
idealist100 27.06.2013
Zitat von sysopDie Krise erreicht Spaniens Streitkräfte: Das Militär ist hoch verschuldet und muss kräftig sparen. Die Regierung in Madrid greift nun zu ungewöhnlichen Mitteln - mal verleiht, mal verschrottet sie ihr Kriegsgerät. [url]http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziale
Das Militär ist hoch verschuldet. Es tut schon weh, so etwas zu lesen. Nicht das Militär ist hoch verschuldet, sondern der Staat der die Butgethoheit wohl hat und dem Militär die Gelder zuweist bzw. frei gibt.
5. Gute Option
Tobsen666 27.06.2013
Zitat von sysopDie Krise erreicht Spaniens Streitkräfte: Das Militär ist hoch verschuldet und muss kräftig sparen. Die Regierung in Madrid greift nun zu ungewöhnlichen Mitteln - mal verleiht, mal verschrottet sie ihr Kriegsgerät. [url]http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziale
Dies wäre auch für die BRD eine gute Option, anderweitig dringender benötigte Mittel einzusparen. Was die Bundeswehr mit Kampfdrohnen, 150 Hubschraubern oder der Krönung des miltiärischen Geldverbrennens, dem Eurofighter anfangen will hat sich mir eh noch nie erschlossen. Vielleicht ist meine Denke als Kriegsdienstverweigerer aber auch zu pazifistisch, um verstehen zu können, wie unsere Freiheit am Hindukush verteidigt werden soll.
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Hauptstadt: Madrid

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