Wirtschaft


Schuldenkrise: Spanischer Premier fordert rasche Einführung von Euro-Bonds

"Wir müssen jetzt darüber diskutieren": Der spanische Ministerpräsident Rajoy hat sich für eine gemeinschaftliche Haftung der Euro-Länder ausgesprochen - und eine gemeinsame Haushaltspolitik bis spätestens 2018. Die derzeit hohen Zinsen seien nicht lange durchzuhalten.

Spaniens Ministerpräsident Rajoy: "Problem der unterschiedlichen Zinssätze jetzt lösen"Zur Großansicht
REUTERS

Spaniens Ministerpräsident Rajoy: "Problem der unterschiedlichen Zinssätze jetzt lösen"

Berlin - Der spanische Ministerpräsident macht Druck auf die Bundesregierung. In der "Bild am Sonntag" schlägt Mariano Rajoy einen dreistufigen Fahrplan zur Verwirklichung einer Fiskalunion vor. Das Brisante daran: Bereits 2015 sollen die Euro-Länder demnach Euro-Bonds begeben - also gemeinschaftliche Anleihen, für die die gesamte Euro-Zone haftet. Die Bundesregierung lehnt dies bislang strikt ab.

Rajoy gab zu, dass die Währungsunion bislang noch weit von Euro-Bonds entfernt sei. Aber man müsse "jetzt darüber diskutieren", sagte er der Zeitung. Konkret sieht sein Fahrplan, den er dem Chef des Europäischen Rates, Herman Van Rompuy übermittelt hat, Folgendes vor:

  • Bis 2013/14 sollten die Euro-Länder Maßnahmen treffen, um die steuerlichen und wirtschaftlichen Konvergenzkriterien sowie alle Auflagen des Europäischen Rats zu erfüllen.
  • In einem zweiten Schritt bis 2015/16 müsse eine europäische Haushaltsbehörde zur Kontrolle der nationalen Budgets geschaffen werden. In dieser Phase sollte die überwiegende Schuldenaufnahme durch die Nationalstaaten erfolgen, Euro-Bonds könnten aber bereits begeben werden.
  • In einer dritten Phase könnten dann bis 2017/2018 verbindliche Haushaltsziele für den gesamten Euro-Raum beschlossen werden und gemeinschaftliche Anleihen ausgegeben werden.

Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone hatten beim Gipfel im Juni vereinbart, bis zum Jahresende einen Fahrplan zum Aufbau einer "echten Währungsunion" zu entwerfen. Bausteine dazu sind eine Fiskalunion mit einer stärker verzahnten Haushaltspolitik und gemeinsamen Finanzierungsinstrumenten, eine Bankenunion mit gemeinsamer Aufsicht und eine bessere demokratische Kontrolle.

Spanien leidet seit Monaten unter steigenden Zinsen. Investoren leihen dem Land nur noch gegen hohe Aufschläge Geld. Rajoy forderte in der "Bild am Sonntag", das "Problem der unterschiedlichen Zinssätze jetzt zu lösen". Eine Währungsunion könne nicht funktionieren, "wenn sich manche Länder zu negativen Zinssätzen finanzieren, während andere untragbar hohe Zinsen aufbringen müssen". Die gegenwärtige Situation lasse sich nicht über einen längeren Zeitraum durchhalten.

Die OECD erhöht derweil den Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB). Die Notenbanker müssten mehr tun, um den Euro zu schützen, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría. Seine Forderung: "Die EZB sollte unbegrenzt Staatsanleihen von Krisenländern kaufen - je früher, desto besser."

Diese Meldung kommt aus dem neuen SPIEGEL. Hier können Sie das neue Heft direkt kaufen oder ein Abo abschließen.

cte/Reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 149 Beiträge
zeitmax 02.09.2012
wenn einem das Wasser bis zum Hals steht. So geht es, wenn Nichtschwimmer den Schwimmkurs ablehnen und ins Wasser gehen. Das Kind ist im Brunnen - lasst uns hinterherspringen...
Zitat von sysop"Wir müssen jetzt darüber diskutieren": De
wenn einem das Wasser bis zum Hals steht. So geht es, wenn Nichtschwimmer den Schwimmkurs ablehnen und ins Wasser gehen. Das Kind ist im Brunnen - lasst uns hinterherspringen...
giovanniconte 02.09.2012
Warum ist es unmöglich, in den Köpfen einiger Politiker zumindestens, sich den Inhalt und die Vorgaben bestehender Verträge, die mit Recht bestehen und so getroffen wurden, zu vergegenwärtigen und mal wieder in die Realpolitik [...]
Warum ist es unmöglich, in den Köpfen einiger Politiker zumindestens, sich den Inhalt und die Vorgaben bestehender Verträge, die mit Recht bestehen und so getroffen wurden, zu vergegenwärtigen und mal wieder in die Realpolitik zurück zukehren. Warum jedoch in aller Welt, geht Deutschland nicht im Schulden abtragen voran? Dann könnten uns über kurz, eher wohl nicht, ...oder lang die Bonds egal sein...?!!!
mr_shoke 02.09.2012
Eine Währungsunion funktioniert auch nicht wenn es in Frankreich Rente ab 60 und 35 Stunden Wochen, oder in Spanien jeder Immobilien besitzt.
Eine Währungsunion funktioniert auch nicht wenn es in Frankreich Rente ab 60 und 35 Stunden Wochen, oder in Spanien jeder Immobilien besitzt.
meinsenf1 02.09.2012
Der will doch nur provozieren, lächerlich. Die Zinsen für Club-Med-Länder lagen in den 90er-Jahren noch im zweistelligen Bereich. Jetzt, wo sie sich 12 Jahre an billiges Geld gewöhnt haben, fällt die Entwöhnung natürlich [...]
Zitat von sysopSpanischer Premier fordert rasche Einführung von Euro-Bonds
Der will doch nur provozieren, lächerlich. Die Zinsen für Club-Med-Länder lagen in den 90er-Jahren noch im zweistelligen Bereich. Jetzt, wo sie sich 12 Jahre an billiges Geld gewöhnt haben, fällt die Entwöhnung natürlich schwer.
mwroer 02.09.2012
Mit der Einführung des Euro fingen die Zinsen auf 10 jährige spanische Staatsanleihen langsam an zu sinken. Seit 2005 steigen sie stetig - und seit 2005 fällt einem nix besseres ein als zu verlangen das andere den Mist bezahlen. [...]
Mit der Einführung des Euro fingen die Zinsen auf 10 jährige spanische Staatsanleihen langsam an zu sinken. Seit 2005 steigen sie stetig - und seit 2005 fällt einem nix besseres ein als zu verlangen das andere den Mist bezahlen. Es ist nicht so als wäre diese Entwicklung irgendwie überraschend oder unvorhersehbar. Es ist einfach so das in fast allen Ländern sinnvolle Maßnahmen zur Behebung dieser Mißstände im Interesse des Machterhaltes im Wahlkampf unterlassen wurden. Ja und bevor man jetzt als 'armer Bruder' gezählt wird sorgt man lieber dafür das es allen anderen auch mies geht und geht nicht etwa erhobenen Hauptes mit ein bisschen Stolz erstmal daran die Ursachen zu bekämpfen. Wie konnten wir diese Jammerlappen wählen? Wie konnten wir so lange zulassen dass uns diese rückratlosen Gestalten regieren? Das gilt für alle Länder Europas.
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
alles zum Thema Euro-Krise

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Sonntag, 02.09.2012 – 10:51 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 149 Kommentare






TOP



TOP