Madrid - In Spanien verschärft sich die Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 0,4 Prozent geschrumpft, wie das nationale Statistikamt an diesem Montag mitteilte. In den beiden Vorquartalen war das BIP um jeweils 0,3 Prozent geschrumpft.
Im Vergleich zum Vorjahr ist die Wirtschaft noch weit stärker eingebrochen. Auf Jahresbasis schrumpfte sie in den Monaten April bis Juni um ein Prozent. Die Aussichten für die kommenden Quartale sind kaum besser. Laut der jüngsten Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird die Wirtschaft in diesem Jahr um insgesamt 1,7 Prozent schrumpfen.
Damit rutscht Spanien noch tiefer in die Krise. Und die Regierung gerät unter Rechtfertigungsdruck. Premier Rajoy hat umfassende Sparpakete angekündigt, um die ausufernde Neuverschuldung in den Griff zu bekommen. Doch der Radikalsparplan würgt die Wirtschaft ab. Experten sorgen sich, dass die Regierung das Land kaputtsparen könnte.
Die Arbeitslosenquote ist bereits auf ein trauriges Rekordniveau gestiegen. Im zweiten Quartal lag sie bei fast 25 Prozent - so hoch wie seit 36 Jahren nicht mehr. Vor allem bei Jugendlichen ist die Lage katastrophal: Mehr als jeder zweite hat keinen Job.
Schrumpfwirtschaft bei gleichzeitiger Inflation
Und nun beginnen auch noch die Verbraucherpreise zu steigen: Die Teuerungsrate stieg von 1,8 Prozent auf 2,2 Prozent, wie die spanische Statistikbehörde nach einer Erstschätzung mitteilte. Damit liegt sie etwas höher als von der Europäischen Zentralbank angestrebt. Die EZB peilt für den gesamten Euro-Raum mittelfristig eine Inflationsrate von zwei Prozent an.
Spaniens Misere erhöht den Druck auf die Euro-Retter - das gilt vor allem für die nächste Sitzung der Europäischen Zentralbank am 2. August. Notenbankchef Mario Draghi hat die Messlatte extrem hoch gehängt. "Die EZB wird im Rahmen ihres Mandats alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten", hatte er bei einer Rede in London gesagt.
Seitdem gibt es Spekulationen über ein großes Maßnahmenpaket, bei dem die EZB und der Euro-Rettungsfonds EFSF gemeinsam agieren. Während der Rettungsfonds bedrängte Staaten am Erstmarkt als Bieter bei Anleiheauktionen unterstützen könnte, würde die Notenbank auf die Renditen am Zweitmarkt zielen, wo bereits versteigerte Titel kursieren. Darüber hinaus sind eine weitere Leitzinssenkung und Langfristkredite für Geschäftsbanken im Gespräch. Experten vermuten allerdings, dass derartige Schritte frühestens im September erfolgen.
ssu/dpa-AFX/Reuters
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