Euro-Krise: Spaniens Schuldenstand steigt auf Rekordwert

Proteste in Spanien (in Pamplona): Weiter tief in der Rezession Zur Großansicht
AP/dpa

Proteste in Spanien (in Pamplona): Weiter tief in der Rezession

Spanien hat so viele Schulden angehäuft wie nie zuvor, die Verbindlichkeiten lagen Ende 2012 bei 884 Milliarden Euro. Besserung ist nicht in Sicht - 2014 soll die Verschuldung gar die Wirtschaftsleistung des Landes übertreffen.

Madrid - Spaniens Schulden haben Ende 2012 einen Rekordwert erreicht: Die Verbindlichkeiten des krisengeplagten Euro-Staates summierten sich auf 884 Milliarden Euro. Das entspricht 84,1 Prozent des Wirtschaftsleistung Spaniens, wie die Zentralbank des Landes mitteilte.

Die spanische Regierung hatte eigentlich nur mit einer Verschuldung in Höhe von 79,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gerechnet. Sie musste aber unter anderem 40 Milliarden Euro aus dem europäischen Rettungspaket in Anspruch nehmen, um dem maroden Bankensektor des Landes beizuspringen. Diese Hilfen spiegeln sich im Schuldenstand wieder.

Die EU-Verträge sehen eine Schuldenobergrenze von 60 Prozent vor - doch von diesem Ziel entfernt sich Spanien immer weiter. Die EU-Kommission befürchtet, dass der Schuldenstand des Landes bis 2014 auf 101 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen wird. Zum Vergleich: Für Deutschland wird ein Rückgang auf 78,3 Prozent erwartet.

Vor dem Ausbruch der Finanzkrise in den Jahren 2007 und 2008 hatte Spanien innerhalb der Euro-Zone noch zu den Ländern mit relativ moderater Verschuldung gezählt. Zudem steckt Spanien weiter tief in der Rezession - was die Schuldenquote noch schneller nach oben treibt. Das BIP des Landes dürfte in diesem Jahr mit 1,4 Prozent ähnlich stark schrumpfen wie 2012.

Schlechte Nachrichten kamen auch aus einem anderen Euro-Krisenland: Portugal hat das mit den internationalen Geldgebern für 2012 vereinbarte Haushaltsdefizitziel von 5,0 Prozent deutlich verfehlt. Das Defizit werde sich auf 6,0 bis 6,6 belaufen, teilte Finanzminister Vítor Gaspar mit. Die Geldgeber-"Troika" habe aber die Sanierungserfolge gewürdigt und werde die nächste Tranche in Höhe von zwei Milliarden Euro freigeben, sagte Gaspar nach Gesprächen mit Vertretern der EU, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalem Währungsfonds (IWF).

EU-Gipfel debattiert über Wege aus der Krise

Die schwelende Krise war eines der wichtigsten Themen beim EU-Gipfel. Die Staats- und Regierungschefs streiten weiter um das richtige Rezept. Sparen und Wachstum seien keine Gegensätze, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf dem am Freitag beendeten Treffen in Brüssel. Frankreichs Präsident François Hollande und Italiens Ministerpräsident Mario Monti sprachen sich für eine flexible Anwendung der EU-Sparauflagen aus, um die Wirtschaft in ihren Ländern anzukurbeln.

In ihrer Abschlusserklärung einigten sich die Staats- und Regierungschefs darauf, "insbesondere die Notwendigkeit einer differenzierten wachstumsfreundlichen Haushaltskonsolidierung" hervorzuheben und auf die "Möglichkeiten, die sich durch die geltenden Haushaltsvorschriften des Stabilitäts- und Wachstumspakts" ergeben, zu verweisen. "Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist die größte soziale Herausforderung, vor der wir stehen."

Kanzlerin Angela Merkel betonte, "dass Haushaltskonsolidierung, Strukturreformen und Wachstum nicht etwa Gegensätze sind, sondern einander bedingen". Auch EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy forderte, Stabilität, gesunde Staatsfinanzen, Wettbewerbsfähigkeit und den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit gleichzeitig anzustreben. Diese Anforderungen dürften "nicht gegeneinander ausspielt" werden, sagte Merkel.

Aus den Südländern kamen jedoch deutliche Forderungen, die Bemühungen um Wachstum nicht dem Sparzwang zu opfern. "Flexibilität ist notwendig, damit Wachstum Vorrang haben kann", sagte Hollande mit Blick auf die EU-Vorgaben zum Defizitabbau. "Zu viel Starrheit würde zu viel Arbeitslosigkeit heißen." Frankreich wird in diesem Jahr die EU-Defizitgrenze von drei Prozent seiner Wirtschaftskraft deutlich verfehlen. Die EU-Kommission will im Mai darüber entscheiden, ob sie dem Land ein Jahr Aufschub gewährt.

kut/Reuters/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 147 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. relative Wirtschaftsleistung
vielfeindvielehr 15.03.2013
Zitat von sysopEin bitterer Rekord: Spaniens hat so viele Schulden angehäuft wie nie zuvor, die Verbindlichkeiten lagen Ende 2012 bei 884 Milliarden Euro. Besserung ist nicht in Sicht - 2014 soll die Verschuldung gar die Wirtschaftsleistung des Landes übertreffen. [url]http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziale
Keine Angst es handelt sich dabei nur um die fakturierte Wirtschaftsleistung, also die wo z.B. MWSt etc. berechnet wird. Der Grossteil des kompletten BIP ist sicher u.a. in der Schweiz, einigen briitschen Inseln (bzw. Nähe zu) und in der Südsee ausglagert worden. Mehr dazu siehe auch u.a. EL PAIS - EL MUNDO - EL CORREO - ... Bárcenas - Gürtel - Urdangarin, .... und die Familie Botella-Aznar. Also: sin miedo !
2. mal dumm gefragt:
mr-mojo-risin´ 15.03.2013
Zitat von sysopEin bitterer Rekord: Spaniens hat so viele Schulden angehäuft wie nie zuvor, die Verbindlichkeiten lagen Ende 2012 bei 884 Milliarden Euro. Besserung ist nicht in Sicht - 2014 soll die Verschuldung gar die Wirtschaftsleistung des Landes übertreffen. [url]http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziale
Wieso sind wir mit über 2 Billionen Schulden sowie 78% Schuldenquote eigentlich Geberland, und Spananien mit 884 Mrd. und 84% Nehmerland?
3. radikales umdenken
ausmisten 15.03.2013
auch spanien muss radikal umdenken.raus aus dem euro und bruessler diktatur.sodann 50% der beamten entlassen,alle verwaltungsvorgaenge straffen,gesetze und verordnungen streichen oder effizient umgestalten und es wird wieder aufwaerts gehen.mit weiter so laesst bangladesh schoen gruessen.der behoerdenapparat in spanien koennte von franz kafka gestaltet worden sein.auf jeden fall,siehe daten,ist er nicht finanzierbar.
4. Da müssen Sie Herrn Kohl fragen!
prince62 15.03.2013
Zitat von mr-mojo-risin´Wieso sind wir mit über 2 Billionen Schulden sowie 78% Schuldenquote eigentlich Geberland, und Spananien mit 884 Mrd. und 84% Nehmerland?
Tja, da müssen Sie schon Herrn Kohl fragen, der dem damaligen spanischen Ministerpräsdienten Felipe Goncales jedes noch so abwegige Finanzgeschenk zugesichert hat, um dessen Zustimmung zum Mantel der Geschichte, also der Euro-Einführung zu bekommen, Gonzales hat in den 90er Jahren perfekt den Part von Maggie Thatcher übernommen, also grundsätzlich immer gegen alles um sich dann mit neuen Finanzzusagen überreden zu lassen, oder wie es damals gang und gäbe war, der spanische Ministerpräsident verließ die Sitzung der EU-Regierungschefs und der deutsche Bundeskanzler lief sofort hinterher, nach wenigen Minuten kamen beide Hand in Hand wieder zurück. Die spanische Schuldenpolitik nahm bereits in den 90er Jahren ihren Anlauf, fleißig angefeuert durch die maßlosen Finanzzusagen des Herrn Kohl, der wie bereits oben erwähnt, nichts unversucht lassen konnte, um vom Mantel der Geschichte mitgenommen zu werden.
5. verstehe ich nicht
Warum 15.03.2013
Warum Euro-Krise? Wenn ich nach Mexico, Panama, Ecuador oder in die USA fliege habe ich keine Euro-Krise. Oder haben wir doch eine Schulden-Kriese? Ich denke das trifft es besser.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Wirtschaft in Spanien
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 147 Kommentare
Fotostrecke
Grafiken: Die wichtigsten Fakten zur Euro-Krise