Rezession: Spaniens Wirtschaftsminister lehnt Staatshilfe für Banken ab

Der spanische Wirtschaftsminister versucht, die Märkte zu beruhigen und das Vertrauen in die Reformpolitik seiner Regierung zu steigern. In einem Interview beteuerte Luis de Guindos nun, die Banken des Landen bräuchten keine Gelder aus dem Rettungsfonds EFSF.

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Wirtschaftsminister de Guindos: "Keine Gelder aus dem Rettungsfond"

Düsseldorf - Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos hat sich gegen den Verdacht gewehrt, die spanischen Banken seien auf staatliche Hilfen aus dem europäischen Rettungsfonds EFSF angewiesen. "Wir werden keine Gelder aus dem Rettungsfonds für die Refinanzierung der Banken brauchen", sagte der konservative Politiker dem "Handelsblatt". Ebenso für unbegründet hält de Guindos die Angst vor einer Zuspitzung der Wirtschaftskrise in Spanien. Der Vertrauensverlust sei vor allem ein Kommunikationsproblem: "Es ist uns noch nicht ausreichend gelungen, zu erklären, in welchem Umfang wir bereits Reformen eingeleitet und umgesetzt haben", sagte er.

In den vergangenen Tagen hatten sich die Zweifel gemehrt, ob der von der spanischen Regierung geschätzte Kapitalbedarf für die Banken von rund 50 Milliarden Euro realistisch ist. Darüber hinaus hatte eine Diskussion eingesetzt, ob der Rettungsfonds EFSF künftig auch direkt Banken unterstützen soll. Das ist ihm derzeit verboten.

Die spanische Regierung ist laut de Guindos entschlossen, den Haushalt zu sanieren und Strukturreformen durchzusetzen. "Wir haben eine breite Mehrheit im Parlament und vier Jahre Zeit", sagte der Wirtschaftsminister. Ohne Italien beim Namen zu nennen, verwies er darauf, dass die spanische Regierung "keine technokratische Regierung, sondern eine demokratisch legitimierte" sei.

Die Wirtschaft dürfe nicht kaputtgespart werden

De Guindos warnte zugleich davor, dass die Sparmaßnahmen in den überschuldeten Euro-Staaten die Schuldenkrise verschärfen könnten. "Die Konsolidierung ist unverzichtbar, aber wir dürfen dabei kein Tempo anschlagen, das die Wachstumsaussichten ruiniert." Viele Euro-Länder würden bei der Aufstellung ihrer Stabilitätsprogramme sehr schnell feststellen, "dass sich die Wachstumsprognosen im vergangenen halben Jahr deutlich verschlechtert haben, und dann wird die Diskussion wieder von neuem beginnen." De Guindos fordert, die Konsolidierung mit Reformen zu verbinden, die das Wachstum fördern.

Bei der Augabe der neuesten Staatsanleihen schnitt Spanien am Kapitalmarkt am Donnerstag besser ab als von vielen befürchtet. Die Regierung in Madrid zahlt für die Ausgabe von Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren 5,74 Prozent Zinsen an die Investoren, wie die Zentralbank mitteilte. Die Zinsen blieben damit unter der als kritisch geltenden Schwelle von sechs Prozent. Insgesamt nahm Spanien 2,54 Milliarden Euro am Kapitalmarkt auf, etwas mehr als die ursprünglich geplanten 1,5 bis 2,5 Milliarden Euro. Angeboten wurden dem Staat mehr als sieben Milliarden Euro.

Einen Höhepunkt hatten die Zinsen für zehnjährige spanische Anleihen im November 2011 erreicht, als Investoren bis zu 6,975 Prozent verlangten. Seit Beginn des Jahres ließ die Spannung am Kapitalmarkt nach. Mitte Januar etwa gab Spanien zehnjährige Anleihen zum Zinssatz von 5,4 Prozent aus. Doch in den vergangenen Wochen stieg die Nervosität spürbar an, da die Investoren zunehmend an der Fähigkeit des Landes zweifelten, sein striktes Sparprogramm durchzuhalten. Das Börsenbarometer von Madrid verzeichnete seit Jahresbeginn Kursverluste von mehr als 19 Prozent und steht damit in Europa am schlechtesten da.

otr/dpa/AFP

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1. Rezession und angeschlagene Banken
wibo2 19.04.2012
Spanische Banken sind in Schwierigkeiten wegen ca. 120 Milliarden Euro an faulen Krediten, die ie noch nicht in ihren Büchern haben. In 2008 wurden die EU Buchhaltungsregeln nicht geändert. Deshalb breitet sich die spanische Krise breitet weiter aus, Dominoeffekte sind zu befürchten trotz der großen EZB Hilfen. Britische Banken sind von der Krise in Spanien stark betroffen: Die größten UK-Banken haben angeblich wegen der Krise in Spanien rund 2 Milliarden Pfund an Wert verloren. Was der spanische Wirtschaftsminister erzählt, glauben die Märkte, so wie es aussieht, nicht wirklich. siehe Spanien-Krise zwingt britische Banken in die Knie | Eilpost.org (http://www.eilpost.org/spanien-krise-zwingt-britische-banken-in-die-knie/)
2. Multi - Krise
vielfeindvielehr 20.04.2012
Spanien ist seit dem Verlust von Kuba, nie aus DER Krise raus gekommen. Ausserdem hat Spanien die permanente Multi-Krise, nicht nur die Bankenkrise, Strukturprobleme, in Sachen Schul- und Berufsausbildung, nur Privatschulen und Unis sind einigermassen faktibel, soziale Ungerechtigkeit ohne Ende, eine teilweise kaotische Infrastruktur, schlimmste Umweltprobleme (und Erblasten), Energie(kosten)probleme und AKWs, da sind die Russen noch besser ausgestattet und neben anderen Sachen dieses Mañana-Syndrom. Falls jemand an Sozial- oder Arbeitsgeschichte interssiert sein sollte, der kann wie mit einer Zeitmaschine die Sklavenarbeit in Spanien en directo beobachten. Neben Korruption, Steuerhinterziehung, Vetternwirtschaft hat Spanien so ziemlich alle Wirtschaftskrebsarten zu bieten, die eine agonisierende Wirtschaft zu bieten hat. Wenn dann auch noch Leute mit schwersten Befund von Grössenwahn über zwei Legislaturperioden hin in bester Franco-Manier ein Spanien auf dem Weg der wirschafliche-sozialen Besserung ausbluten lässt, Kriegstreiberei betreibt und die Kosten auch noch mit der überzogenen Platin-Visa finanzieren lässt..., na denn, freie Wahlen hat Spanien angeblich schon länger, das mit der Manipulation wird aber noch nicht so durchschaut. Selber schuld – aber auch als billige und verlängerte Werkbank, u.a., der deutschen Industrie verheizt, was allerdings manche US-Chemiekonzerne in E abgezogen haben, dafür gäbs selbst in China die Todesstrafe. Und Bush-Überfreund J.M. Aznarr zieht auch weiterhin seine Fäden, jetzt mit seinem Marianetto Rajoy. Die Superlative der politischen Blässe und 0-Kreativität. Auf das Thema der Zwangsenteignung in Argentinien und dem Faux Pas von JC ... Al perro flaco, todo se le vuelven pulgas. Aber eins können die Spanier: Fussball – wenn dann die Vereine auch noch ihre Steuerschuld begleichen würden, dann könnten deutsche u.a. EU-Steuerzahler etliche Milllionen einsparen. Hasta mañana si Jose Mari lo quiere
3.
edmond_d._berggraf-christ 20.04.2012
Wie überall sonst, so ist auch in Spanien der Staatsbankrott kein Beinbruch, wenn man dort auch die verbliebenen Marxisten ungespitzt in den Boden rammen wird, weil diese Spaniens gewaltige Goldbestände an die russischen Marxisten verschenkt haben, damit diese ihnen Waffenschrott lieferten; aber da Spanien momentan kein Heer in Flandern hat, so dürfte der Staatsbankrott glimpflicher Ablaufen, als die chronischen Geldschwierigkeiten Philipps II. der damit die spanische Furie heraufbeschworen hatte. Damit es allerdings im Lande ruhig bleibt, muß der Staat die Zwangsräumungen unterbinden und auf die Versorgung mit den Notwendigsten sorgen, da sonst der oben genannte Bürgerkrieg erneut ausbrechen könnte. Spanien sollte durchaus wieder auf die Beine kommen können, sofern man das heimische Gewerbe fördert und ungesunde Auswüchse wie die jüngsten im Baugewerbe unterbunden werden; wobei die freizügige Einwanderungspolitik der letzten Jahre nicht vorteilhaft für den Arbeitsmarkt gewesen ist.
4. Wirtschaftskrise
scubamirko 26.04.2012
Ich verfolge seit laengerem die exzellente Berichterstattung des "Spiegels" ueber Spanien.Ich wohne seit 5 Jahren in Madrid und gehoere mit meiner Familie zum Glueck noch zu den paar wenigen, die die Situation ganz gut meistern."Der Spiegel" ist das Magazin im deutschsprachigen Raum das hervorragend ueber die aktuelle Situation auf der iberischen Halbinsel berichtet.Grade die Berichte ueber Einzelschicksale geben einen guten Gesamteindruck ueber die Situation im Land.Olé?O je! (Der Spiegel 17/2012) bringt es auf den Punkt.Wir sitzen hier im wahrsten Sinne des Wortes auf einer Zeitbombe.Die einzige Frage ist nur noch wann sie hochgeht.Das sie hochgeht bezweifelt kein Mensch mit Grundwissen + - 0.""Solche Toene habe ich bereits aus Griechenland,Portugal und Irland gehoert,sagt ein Euro-Retter,der seit den ersten Stunden der Krise dabei ist.Frueher oder spaeter kommen sie doch."(In Bezug auf Inanspruchnahme des Eurorettungsfonds).Einem Freund aus Bremen habe ich versprochen:"Wenn Regierungschef Rajoy die 4 Jahre durchhaelt spendiere ich dir einen Kasten Beck's."Ich bin nicht grade fuer meine Spendierhosen bekannt:-)
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