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15. Juli 2011, 15:20 Uhr

Spanische Verhältnisse

Gewerkschaften fordern Siesta im Büro

Die Arbeitnehmerlobby hält in der Sommerpause Erfrischendes parat: Der Deutsche Gewerkschaftsbund setzt sich für die Einführung einer Siesta am Arbeitsplatz ein. Ein kurzer Mittagsschlaf sorge für neue Energie - und tatsächlich geht mancher Konzern bereits mit gutem Beispiel voran.

Berlin - Hat der Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) zu viel Sonne getankt? Wohl kaum. Denn dieser Vorschlag ist ernst gemeint: DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach ruft Unternehmen dazu auf, eine Siesta für Mitarbeiter einzuführen. "Ein kurzer Mittagsschlaf senkt zum Beispiel das Herzinfarktrisiko und sorgt für neue Energie", schreibt die Gewerkschafterin in einem Beitrag für die Wochenendausgabe der "Tageszeitung".

Der Vorschlag ist kein Hirngespinst der Arbeitnehmerlobby - er hat sogar Vorbilder in Deutschland: Unternehmen wie BASF und Hornbach würden jetzt schon Räume für Schlafpausen zur Verfügung stellen, schreibt Buntenbach.

Der Schlafforscher Jürgen Zulley von der Universität Regensburg sagte der Zeitung, eine Mittagsruhe überbrücke eine leistungsarme Zeit mit einem erhöhten Risiko für Fehler. "Wir reagieren anschließend schneller, sind aufmerksamer, unser Gedächtnis ist besser und wir sind auch noch besserer Laune." Bis zur Industrialisierung sei die Siesta auch in Deutschland die geeignete Gegenmaßnahme gewesen, um das biologische Mittagstief zu überwinden.

Die Siesta wird traditionell in Spanien nach dem Mittagessen gehalten. Allerdings findet sie dort - wie auch in anderen südeuropäischen Ländern - immer seltener statt.

Buntenbach forderte auch weitere Maßnahmen zur Entlastung der Arbeitnehmer: "Wir brauchen eine Debatte zur wachsenden Arbeitsintensität durch moderne Kommunikationsmittel." Die Beschäftigten müssten besser geschützt werden, zum Beispiel gegen die E-Mail-Flut oder Belastungen im Callcenter.

yes/AFP

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