Üppige Gehaltssprünge NRW-Sparkassenchefs kassieren bis zu 800.000 Euro

Spitzenkräfte bei Sparkassen werden laut "Handelsblatt" teils fürstlich entlohnt. Ein Vorstandschef bekam 2013 eine 20-prozentige Gehaltserhöhung. Der Chef einer Kreissparkasse verdient gar dreimal so viel wie die Kanzlerin.

Logo der Sparkasse Köln Bonn: Gehaltssprünge bei Spitzenkräften
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Logo der Sparkasse Köln Bonn: Gehaltssprünge bei Spitzenkräften

Von (Text) und Marcel Pauly (Grafik)


Hamburg - Die Chefs deutscher Sparkassen kassieren im Vergleich zu anderen Jobs im öffentlichen Sektor üppige Gehälter. Das ergibt eine Auswertung des "Handelsblatts". In Nordrhein-Westfalen kassierten die Vorstandschefs der 105 öffentlich-rechtlichen Banken demnach im Schnitt 342.000 Euro. Zum Vergleich: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verdient im Jahr rund 270.000 Euro.

Nordrhein-Westfalen ist das einzige Bundesland, in dem Sparkassen dazu angehalten sind, Vorstandsgehälter zu veröffentlichen. Entsprechend beschränkt sich die Auswertung von Daten aus dem Bundesanzeiger auf dieses Land. Experten schätzen aber, dass Analysen in anderen deutschen Bundesländern zu ähnlichen Ergebnissen kommen würden.

Die Gehälter der NRW-Sparkassenchefs wachsen dem Bericht zufolge deutlich schneller als die einfacher Angestellter. Während die Tarifgehälter der Angestellten im Jahr 2013 in zwei Schritten um 2,8 Prozent stiegen, wuchs die Vergütung der Vorstandschefs durchschnittlich um 3,44 Prozent.

Es gab aber auch deutliche Ausreißer nach oben. Wilfried Groos etwa, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Siegen, steigerte seine Bezüge 2013 von 388.000 auf 467.000 Euro - ein Plus von gut 20 Prozent.

Spitzenverdiener unter den nordrhein-westfälischen Sparkassen-Chefs blieb auch 2013 Alexander Wüerst, der Vorsitzende der Kreissparkasse Köln. Einschließlich Boni und Sonderzahlungen beliefen sich seine Jahresbezüge auf insgesamt 804.500 Euro - ein Plus von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit verdient Wüerst mehr als fünfmal so viel wie der amtierende Oberbürgermeister der Stadt Köln, Jürgen Roters (SPD).

Im Vergleich zu anderen Top-Managern der Finanzbranche ist Wüersts Salär indes vergleichsweise bescheiden. Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen etwa verdiente im vergangenen Jahr gut acht Millionen Euro - zehnmal so viel wie der Sparkassenchef.

Fitschen verantwortet allerdings auch eine Bilanzsumme von mehr als 1,6 Billionen Euro. Die Bilanzsumme der Kreissparkasse Köln liegt bei knapp 24 Milliarden Euro. Würde man Wüerst allein daran messen, dürfte sein Jahresgehalt nur 120.000 Euro betragen.

Tatsächlich fließen bei der Bestimmung des Gehalts noch viele weitere Kriterien ein. Verantwortlich für die Bezahlung des Vorstandes ist stets der Verwaltungsrat. Bei der Sparkasse Siegen sitzt diesem der Bürgermeister vor.

Dass Sparkassenchef Wilfried Groos ungefähr dreimal so viel verdient wie er, scheint Steffen Mues (CDU) nicht zu stören. Den 20-prozentigen Gehaltssprung seines Top-Bankers jedenfalls rechtfertigte der Siegener Bürgermeister gegenüber dem "Handelsblatt" mit dem "Einsatz des einzelnen Vorstandsmitglieds am Markt".

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whiteelephant1 10.12.2014
1. Finde ich vollkommen in Ordnung,
daß der Chef einer Kreissparkasse das 3-fache der Kanzlerin verdient. Der verdient Geld für sein Institut. Merkel treibt Deutschland in den Abgrund. Dafür ist ihr Gehalt immer noch zu hoch. Ob das Gehalt,im Vergleich zu den Mitarbeiter, die zum Ertrag kräftig beisteuern, gerechtfertigt ist, kann man diskutieren.
clkr 10.12.2014
2. Diese Mondgehälter werden aus den Kontoführungsgebühren und ......
...den Kreditzinsen geschnitzt. Ein schönes Beispiel christlicher Nächstenliebe und Solidarität der Kunden. Wieviel muß so ein Kreissparkassendirektor denn an Parteispenden für des OB's Partei denn abdrücken, daß der ihm den Geldhahn aufdreht? Oder muß er Pöstchen für die bucklige Verwandtschaft der Politiker schnitzen? Oder muß er in der organisierten Kungelei (Rotarier, Lions & Co), in denen die Wichtigmänner der Kommune sitzen, als Wohltäter auftreten? Dann ist's doch klar. Ist ja nur Kundengeld. Wer ohne Fehl und Tadel ist, der werfe den ersten Schein.
Proletheus 10.12.2014
3. Wenig überraschend.
Ein Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens mit vergleichbarer Mitarbeiterzahl verdient deutlich mehr. Ein Geschäftsführer einer privaten Bank mit vergleichbarer Mitarbeiterzahl erst recht. Soll die Sparkasse jetzt anfangen, Dumpinggehälter (und das sind 100 TEUR pro Jahr für den Geschäftsführer einer Bank nun mal) zu zahlen und als Führungspersonen nur noch den kläglichen Rest an Versagern abgreifen, die bei einer privaten Bank keinen Job bekommen würden? Das halte ich - auch in Hinsicht auf die Sicherheit des Vermögens der Sparer - für keine gute Idee.
Diefie 10.12.2014
4. Sparkassenabzocker
Das sind doch diese Abzocker die alten Frauen unsinnige Anlagen aufschwätzen, dafür werden die jetzt belohnt.
Pinon_Fijo 10.12.2014
5. Definition?
Was ist denn überhaupt ein Vorsitzender oder ein Chef der Sparkasse? In unserer Kleinstadt mit 26.000 Einwohner gibt es vermutlich ein halbes Dutzend Filialen der Sparkasse. Erhält jeder Filialleiter 300.000 Euro ? Oder gibt es in der Stadt einen Chef der örtlichen Sparkassen und dieser ist der im Artikel beschriebene Vorsitzende? Wenn ein einfacher Bankfilialleiter soviel verdient wäre das schon ein ordentlicher Batzen Geld, mehr als 20 Mitarbeiter hat eine kleine Filiale in einem Kuhdorf doch gar nicht ????
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