Studie Sparkassen vergeben in Wahljahren deutlich mehr Kredite

Der Zusammenhang ist auffällig: In Jahren mit Kommunalwahlen vergeben Sparkassen im Schnitt auffällig mehr Kredite an örtliche Unternehmen. Das ergibt eine Auswertung von 452 Bilanzen der Jahre bis 2006.

Heißluftballon mit Sparkassen-Logo (Archivbild): Wahlen als Kreditmotor?
DPA

Heißluftballon mit Sparkassen-Logo (Archivbild): Wahlen als Kreditmotor?


Die deutschen Sparkassen vergeben laut einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) in Jahren mit Kommunalwahlen mehr und günstigere Kredite. Das Regionalprinzip der Sparkassen und der Einfluss von Kommunalpolitikern begünstige den Missbrauch der Institute für politische Zwecke, resümieren die Forscher in einer aktuellen Studie. In den Verwaltungsräten und Kreditausschüssen der Sparkassen sitzen oft prominente Lokalpolitiker.

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) wies die Schlussfolgerungen des IWH zurück. Bereits seit dem Jahr 2013 lägen ähnliche Studien vor, teilte der DSGV mit. Bei genauer Betrachtung seien sie aber methodisch nicht einwandfrei. "Der in der Studie hergestellte Zusammenhang zwischen einer vermehrten Vergabe von Krediten und verbesserten Aussichten bei Kommunalwahlen ist weder nachgewiesen, noch überzeugend", sagte ein Sprecher. Es gebe zudem eine Reihe von Studien, die eine stabilisierende Wirkung der Sparkassen bei der Finanzierung des Mittelstandes nachweise, weil sie gerade nicht politisch motiviert sei, argumentierte der Sprecher weiter.

Für die Studie hatten die IWH-Forscher die Bilanzen von 452 Sparkassen im Zeitraum von 1995 bis 2006 analysiert. "In Jahren, in denen Kommunalwahlen stattfanden, erhöhten die Sparkassen ihre Unternehmenskredite im Durchschnitt um 7,6 Millionen Euro", sagte IWH-Präsident Reint E. Gropp. Für alle Sparkassen zusammen ergebe dies eine Summe von 3,4 Milliarden Euro. Der Wahleffekt auf die Wachstumsrate von Kreditvergaben liegt laut IWH somit bei etwa 40 Prozent.

Zudem zeigten die Bilanzen, dass die in Wahljahren vergebenen Kredite für die Institute selbst ungünstiger waren: Die Kreditzinsen waren im Schnitt geringer als sonst, die Zahlungsausfälle später höher.

"Das wahlzyklische Kreditvergabeverhalten der Sparkassen deutet darauf hin, dass politische Erwägungen bei der Kreditvergabe in Wahljahren eine bedeutende Rolle spielen", sagte Gropp. Damit werde ein möglichst sinnvoller Kapitaleinsatz unterlaufen, und womöglich würden auch Wahlergebnisse verzerrt. Als Gegenmaßnahme schlägt das IWH vor, wichtige Positionen in den Sparkassen mit unabhängigen Experten zu besetzen.

fdi/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
egonon 26.11.2015
1. Wen wundert das denn,
schließlich brauchen doch auch Landräte und Bürgermeister Pfründen in den Verwaltungsräten und sorgen dadurch zugleich für die Finanzierung ihrer Denkmäler und "Erfolge". Falls das nicht unbedingt zum Gewinn der Bank beitragen sollte, geht das dann die Bürger der entsprechenden Kommunen und Kreise natürlich nichts an. Wer dann an leichte Formen der Korruption denken sollte, kann sich an die Bibel halten, denn dort steht schon geschrieben:"Du sollst dem Ochsen der da drischt, das Maul nicht verbinden." Wobei ich beileibe nicht unsere Kommunalpolitiker, die sich in ihren aufopfernden Pöstchen für uns verzehren, mit dem armen Hornvieh vergleichen will:
brotkernmehl 26.11.2015
2.
Also Amtsperioden verkürzen. Mehr Wahlen abhalten und gleichzeitig die Wirtschaft ankurbeln...
die5buschs 26.11.2015
3. von Sachkenntnis ungetrübt
Wer das geschrieben hat, ist entweder grenzenlos naiv oder klebt am Klischee vom kuengelnden Kommunalpolitiker. Die Sparkassen sind meist recht erfolgreich, zuletzt erfolgreicher als ihre großen Brüder, die Banken. Wären sie dass auch, wenn sie so agieren würden, wie in dieser Studie behauptet? Wohl kaum. Als langjähriges Mitglied eines SK-Verwaltungsrates habe ich noch nie erlebt, dass ein Kredit aus politischen Gründen vergeben worden wäre. Es geht immer um nur um das ABC der Kreditwürdigkeit.
polyphon 26.11.2015
4. Der Staat als Beute reicht nicht...
... die Wirtschaft muss auch noch dran glauben.
lövgren 26.11.2015
5. Die think-tanks...
... der Großbanken, denen die Sparkassen als Regulatoren Milliarden an Einnahmen vermasseln, schlagen mal wieder zu und das Volk jubelt. Deutschlands Kommentatoren kann man mittlerweile echt alles unterjubeln.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.