Niedrigzinsen Sparkassen fordern staatliche Hilfen für Sparer

Soll der Staat den Sparern Zuschüsse zahlen? Angesichts anhaltender Niedrigzinsen fordert Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon Anreize wie eine Sparprämie. Die gab es schon einmal - doch eine Neuauflage dürfte es politisch schwer haben.

Sparkassenpräsident Fahrenschon: "Sparen wird bestraft"
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Sparkassenpräsident Fahrenschon: "Sparen wird bestraft"

Von Victor Gojdka


Leipzig – Für Generationen von Deutschen ist dieser Spruch ein Klassiker: Spare in der Zeit, dann hast du in der Not. Die niedrigen Zinsen vermiesen den Sparern momentan allerdings die Stimmung. Geld auf einem Sparkonto zu parken, lohnt sich nicht mehr. Der Präsident des Sparkassen- und Giroverbands, Georg Fahrenschon, ruft daher jetzt nach staatlicher Unterstützung für die Sparer. "Egal ob in Form einer Sparprämie oder ob der Staat endlich die bestehenden Gesetze zur Vermögensbildung modernisiert: Es besteht Handlungsbedarf", sagte Fahrenschon der "Leipziger Volkszeitung". Sparen müsse sich auch bei einem niedrigen Zinsniveau lohnen.

Der Wunsch nach staatlicher Hilfe für die Kunden gärt schon lange im Sparkassenlager. Bereits im vergangenen Herbst hatte Fahrenschon eine Neujustierung des Vermögensbildungsgesetzes gefordert. Damals zielte er vor allem darauf ab, die staatliche Sparzulage auf vermögenswirksame Leistungen der Arbeitgeber nicht mehr so früh zu deckeln wie bisher.

Eine Neuauflage des Prämiensparens hatte kürzlich der baden-württembergische Sparkassen-Verbandschef Peter Schneider ins Spiel gebracht. Es sei denkbar, dass Sparer auf ein Sparkonto jährlich bis zu 1200 Euro einzahlen könnten und nach sieben Jahren ihre 8400 Euro zuzüglich Zinsen und einer staatlichen Prämie von fünf Prozent erhielten, also circa 420 Euro.

Das Modell des Prämiensparens ist nicht neu: Bis Anfang der Achtzigerjahre konnten die Deutschen im Jahr bis zu 800 Mark sparen und nach sieben Jahren dafür eine staatliche Prämie kassieren. Das Modell war 1959 auf Initiative der CDU beschlossen worden und erfreute sich solch großer Beliebtheit, dass es weit über sein geplantes Ende 1962 hinaus in Kraft blieb.

Der Staat profitiert, der Sparer leidet

Durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sind die Zinsen etwa für Tagesgeldkonten praktisch auf null gefallen, daher werfen sie kaum noch Ertrag für die Sparer ab. Der Staat jedoch profitiert im Gegenzug von den niedrigen Zinsen, weil er selbst fast zum Nulltarif Kredite aufnehmen kann. Der Bund müsse daher über einen "gewissen Ausgleich" zugunsten der Sparer nachdenken, fordert Fahrenschon.

Denn den Sparkassenpräsidenten treiben nach eigener Aussage zwei politische Sorgen um: Die anhaltend niedrigen Zinsen verschärften die Schere zwischen Arm und Reich, weil wohlhabende Investoren eher auf alternative Anlageformen ausweichen könnten. Auch um die Altersvorsorge vieler Menschen mache er sich Gedanken: "Wenn die gegenwärtige Situation noch länger andauert, habe ich Sorge, dass eine ganze Generation zu den Verlierern bei der persönlichen Altersvorsorge gehören könnte", sagte Fahrenschon der "Leipziger Volkszeitung".

Ganz uneigennützig ist Fahrenschons Forderung allerdings nicht, denn durch die Niedrigzinsen geht den Sparkassen zunehmend Geschäft verloren. Erst diese Woche ermittelte der GfK-Konsumklimaindex, dass die Sparneigung der Deutschen angesichts der aktuellen Zinslage so gering wie selten sei.

Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret kritisierte bereits, einige Sparkassen hätten ihre Geschäftsstrategie auf die Illusion gebaut, dass die Zinsen schnell wieder steigen. Eine auf das Sparkonto ausgerichtete Strategie stoße bei niedrigen Zinsen früher oder später an ihre Grenzen. Dombret rät den Sparkassen daher zu Kürzungen: Mitarbeiter könnten effizienter eingesetzt werden, auch das große Filialnetz einiger Sparkassen müssten die Manager hinterfragen.

Auf die Unterstützung seiner Vorschläge durch die Politik darf Sparkassenpräsident Fahrenschon erst mal nicht hoffen. Politiker aller Parteien zeigten sich bisher eher zurückhaltend, wenn es darum ging, die Vermögensbildung stärker zu fördern. Das dürfte auch für die Sparprämie gelten. Mit diesem Thema hatte sich kürzlich bereits der Versicherungsverband eine Abfuhr eingehandelt.



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