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20. Dezember 2011, 07:59 Uhr

Sparprogramm

Bundesagentur für Arbeit streicht 17.000 Jobs

Die Bundesagentur für Arbeit steht vor einem Radikalumbau: Die Behörde will in den kommenden drei Jahren 17.000 Stellen in der Verwaltung abbauen. Grund ist die sinkende Erwerbslosigkeit in Deutschland.

Hamburg - Immer weniger Menschen in Deutschland sind erwerbslos - und mit der Zahl der Fälle sinkt auch der Verwaltungsbedarf der Bundesagentur für Arbeit (BA). Dort will die Behörde nun kräftig sparen: Bis zum Jahr 2015 sollen 17.000 Stellen in der Administration abgebaut werden, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise der "Financial Times Deutschland" ("FTD"). "Das Einsparpotential wollten wir benennen, bevor jemand kommt und sagt: Ihr macht euren Job nicht", sagte Weise.

Damit konkretisieren sich die Pläne der BA, über die der SPIEGEL bereits vor Monaten berichtet hatte. Insgesamt will die Behörde laut "FTD" von 2015 an pro Jahr eine Milliarde Euro einsparen. Betriebsbedingte Kündigungen solle es aber nicht geben, hieß es.

Die Bundesagentur ist mit mehr als 100.000 Beschäftigten eine der größten Behörden Deutschlands, viele Stellen sind befristet. Allein für die Verwaltung gab die BA laut Geschäftsbericht 2010 rund 7,44 Milliarden Euro aus. Weise hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen als harter Reformer gemacht - und will nun den Schwung auf dem Arbeitsmarkt nutzen, um die Behörde erneut umzubauen. Zudem scheiden aufgrund des demografischen Wandels jährlich mehr als 100.000 Personen aus dem Berufsleben aus.

Dem Behördenchef zufolge sollen einige Standorte zusammengefasst werden: "Wir werden von 176 Geschäftsstellen auf 154 gehen." Dennoch soll an allen Orten ein Standort erhalten bleiben - dazu seien jedoch flexible Lösungen notwendig. So könne sich die Geschäftsstelle beispielsweise in ländlichen Gebieten an drei Tagen in der Woche bei der Sparkasse einmieten, sagte er.

"Die persönliche Betreuung erhalten"

Ein stärkerer Personalabbau ist Weise zufolge nicht möglich. "Man hätte noch mehr rationalisieren können, aber mir ist es sehr wichtig, die persönliche Betreuung zu erhalten." Zwar gibt es mit derzeit rund 2,7 Millionen Arbeitslosen weit weniger als noch vor fünf Jahren. Wer aber in der derzeitig guten Konjunktur keinen Arbeitsplatz finde, "der hat wirklich ein Problem - wie einen fehlenden Schulabschluss oder geringe deutsche Sprachkenntnisse. Diesen Menschen zu helfen, wird für uns schwieriger und teurer", sagte Weise. Zudem wechselten Beschäftigte häufiger als früher in Arbeitslosigkeit und wieder in Jobs.

Zum Sparkurs beitragen soll außerdem die Umstellung auf elektronische Akten - allein beim Arbeitslosengeld führt die Behörde 22,2 Millionen Kundenakten. "Das wird die Sachbearbeitung wesentlich vereinfachen, weil kein Papier bewegt wird", sagte Weise. Das Projekt E-Akte wird derzeit in der Regionaldirektion Thüringen und Sachsen-Anhalt getestet. Da es um sensible Daten geht, hat die BA auch den Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar eingeschaltet.

yes/usp/dpa/AFP

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