Werkverträge: SPD startet Offensive gegen Lohndumping

Die Sozialdemokraten preschen beim Thema Billigarbeit vor: Laut "Handelsblatt" hat die SPD einen Gesetzentwurf zur strengeren Kontrolle sogenannter Werkverträge ausgearbeitet. Mit diesen lagern Unternehmen Arbeiten an Fremdfirmen aus - und drücken so die Löhne.

Mitarbeiter einer Metzgerei: Schlachtbetriebe setzten seit längerem auf Werkverträge Zur Großansicht
dpa

Mitarbeiter einer Metzgerei: Schlachtbetriebe setzten seit längerem auf Werkverträge

Hamburg - Die SPD will die Ausbeutung von Arbeitern begrenzen, vor allem im Niedriglohnsektor, wo viele Angestellte einen sogenannten Werkvertrag haben. Vergibt ein Unternehmen einen Werkvertrag, lagert es Arbeiten an eine Fremdfirma aus, die diese dann mit ihren Beschäftigten erledigt - zu deutlich niedrigerem Lohn.

Laut "Handelsblatt" will die SPD per Gesetzentwurf gegen diesen Trend vorgehen. Konkret wolle sie die Macht der Betriebsräte stärken: Diese sollen künftig bei Einstellungen von Beschäftigten mit Werksverträgen ein Wörtchen mitreden. Die SPD setzt die CDU mit ihrem Vorschlag unter Druck: Auch sie wird das Thema im Wahlkampf besetzen wollen.

Auslöser für die Initiative sei, dass Werkverträge zunehmend eingesetzt werden, um auch jenseits der Zeitarbeit Branchentarifverträge und andere Regelungen, die für Stammbeschäftigte gelten, zu umgehen, berichtet die Zeitung. "Fremdpersonal räumt in Supermärkten Regale ein, es schlachtet Schweine, liefert Pakete aus und wird für das 'Werk' bezahlt", heißt es demnach im SPD-Entwurf. Beispiele gebe es zuhauf: Unter anderem Rossmann, Rewe, Kaufland, Real, BMW und Porsche seien dadurch aufgefallen.

Die Bundesregierung hatte für Leiharbeit eine Lohnuntergrenze eingeführt. Seitdem sind Werkverträge "das neue Geschäftsmodell, um Menschen noch billiger in unsichere Jobs an den Rand der Belegschaften zu drängen", bemängelte die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) kürzlich. Für letztere gibt es noch keine Meldepflicht.

ssu

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insgesamt 28 Beiträge
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1. Das ist doch so
echo0815 19.02.2013
erst schafft sie die "Liberalisierung" des Arbeitsmarktes unter Schröder, und jetzt macht sie das zum Wahlkampfthema ?
2.
dowhepole 19.02.2013
Wow, was würden die deutschen Arbeitnehmer nur ohne die SPD machen. Statt sich dem Problem wirklich mit festen rechtlichen Maßnahmen zu nähern, werden den Betriebsräten irgendwelche diffusen Rechte zur Mitsprache eingeräumt, die das Problem zwar kurzfristig abmildern könnten, mittel- und langfristig aber keinerlei Veränderung hervor rufen.
3. Es ist Wahlkampf!
rhodensteiner 19.02.2013
Zitat von sysopDie Sozialdemokraten preschen beim Thema Billigarbeit vor: Laut "Handelsblatt" hat die SPD einen Gesetzentwurf zur strengeren Kontrolle sogenannter Werksverträge ausgearbeitet. Mit diesen lagern Unternehmen Arbeiten an Fremdfirmen aus - und drücken so die Löhne.
Man merkt spätestens dann, dass es Wahlkampf ist, wenn die SPD (scheinbar) gegen ihre eigene Arbeitsmarktpolitik vorgeht. Leider ist das nicht sehr glaubwürdig. Nur eine echte Abwendung vom Hartz IV Regime, könnte die Lage für die Bürger verbessern, aber die SPD hat nur "Kosmetik" im Sinn.
4. Wie wärs mit noch mehr davon?
murphy83 19.02.2013
Denn irgendwann schwingt das Pendel zurück und das wird unangenehm für den Auftraggeber: Mitarbeiter die sich nicht mehr mit der Firma identifizieren sind oftmals nicht in der Form motiviert und leistungsbereit wie die Stammbelegschaft (woher soll der Ansporn auch kommen) - auf Dauer leidet darunter die Qualität und somit das Produkt (auch wenn es Kontrollen der Gewerke gibt) - und schlechte Produkte bestehen am Markt nur eine gewisse Zeit (bis alle merken, dass die Marke nichts mehr wert ist, oder ein Prozess wegen mangelhafter Qualität oder Garantieprobleme oder oder oder) - dann hat es sich sehr schnell ausgespart und es wird über die mangelnde Fachkompetenz und fehlendes Engagement geklagt - man bekommt was man bezahlt.
5. SPD ist unglaubwürdig
gehel 19.02.2013
Es ist immer wieder interessant, wie die SPD durch populistische Aktionen versucht, vom eigenen Unvermögen abzulenken. War es nicht die SPD, die beispielsweise den 1€-Jobber eingeführt hat? In der Opposition kann man immer herrlich kritisieren, das eigene Regierungshandeln ist doch dann äußerst ernüchtern bzw. blamabel. Die SPD ist unglaubwürdig geworden.
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