Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Spekulation über Euro-Nothilfe: Spanien stemmt sich gegen Bankenkrise

Von , Frankfurt am Main

Die Gerüchte halten sich hartnäckig: Spanien braucht angeblich Hilfe aus dem Euro-Rettungspaket, Politiker in Berlin und Brüssel sollen den Ernstfall bereits vorbereiten. Die Regierung in Madrid dementiert - doch die Finanzmisere wird übermächtig.

Spaniens Problemkinder: Arbeitslos und keine Perspektiven Fotos
AP

Es heißt oft, die Märkte nähmen Entwicklungen voraus. Manchmal hat diese Erkenntnis etwas Beruhigendes - weil sie einen Blick in die Zukunft erlaubt. Manchmal aber kann dieser Blick in die Zukunft sehr beklemmend sein. Wenn die Akteure hektisch reagieren, misstrauisch sind, nicht mehr kaufen oder kein Geld mehr hergeben - dann ist das ein sicheres Zeichen, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist.

In Spanien ist das in diesen Tagen der Fall: Die Banken des Landes bekommen an den Finanzmärkten nichts mehr geliehen. "Wenn wir schon so weit sind, scheinen die Probleme sehr besorgniserregende Ausmaße angenommen zu haben", sagt Jörg Hinze, Konjunkturexperte am Wirtschaftsforschungsinstitut HWWI.

Dabei hängt von den spanischen Banken einiges ab. Die wackeligen Geldinstitute sind die große Unbekannte in der riesigen Rechnung, die in der Regierungszentrale in Madrid, bei der EU-Kommission in Brüssel und bei den Rating-Agenturen zurzeit aufgestellt wird.

Alles andere scheint wenigstens irgendwie kontrollierbar: Die Schuldenproblematik des Landes ist bekannt. Und Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero hat zumindest einen Plan, wie man sie in den Griff bekommen könnte. Der Wirtschaft geht es schlecht, der Immobiliensektor ist zusammengebrochen, die Arbeitslosigkeit beträgt 20 Prozent, der Jobmarkt gilt als verkrustet. Doch Zapatero kämpft, in all diesen Bereichen sind Reformen geplant.

Nur bei den spanischen Banken kann er nicht viel mehr tun als abwarten. Bis die ganze grausame Wahrheit ans Licht kommt.

"Wenn der Bankenmarkt ausfällt, wäre das ein Drama"

Vor allem den 45 spanischen Sparkassen drohen massive Abschreibungen auf faule Immobilienkredite. Und je nachdem, welche Katastrophenmeldungen in den kommenden Wochen und Monaten verkündet werden, könnten die Kalkulationen, die für Spanien gemacht werden, komplett durcheinandergeraten. "Wenn jetzt weite Teile des spanischen Bankenmarkts ausfallen, wäre das ein Drama", sagt Jens Boysen-Hogrefe, Konjunkturexperte am Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW).

Dann nämlich müsste die spanische Regierung einspringen. Und viele Beobachter gehen davon aus, dass dies der kritische Punkt wäre: Zapatero dürfte in diesem Fall seine Meinung vermutlich schnell ändern - und doch Hilfen aus dem Euro-Rettungspaket über 750 Milliarden Euro beantragen. Dann wäre er da: der nächste Krisenfall nach Griechenland.

Fotostrecke

3  Bilder
Spaniens Regierung unter Druck: Die Krise in Zahlen

Die Lage der spanischen Banken ist ernst. Die Notenbank schätzt, dass sie kritische Immobilienkredite im Volumen von 166 Milliarden Euro in den Büchern haben. Davon sollen gerade einmal 43 Milliarden Euro abgeschrieben sein. Bleiben noch 123 Milliarden Euro. Sonstiger Sprengstoff in den Bilanzen noch nicht berücksichtigt. Zwei Institute mussten bereits aufgefangen werden. Um weitere Dramen zu verhindern, drängen Madrid und die Bankenaufsicht massiv auf Fusionen. Doch ob das reicht?

"Genügend Anlässe, sich Horrorszenarien auszumalen"

Müsste Zapatero tatsächlich die Euro-Gemeinschaft um Finanzhilfe bitten, wäre das ein Alptraum-Szenario. Schließlich sind die Erinnerungen an die schlimmste Phase der Griechen-Krise noch wach. Als das Vertrauen in das Land verlorenging, schossen die Spreads für griechische Staatsanleihen in absurde Höhen: Athen konnte nur noch zu extrem hohen Zinsen Schulden aufnehmen. Der Euro-Kurs sackte ab, die gesamte Währungsunion schien in Gefahr. Bald mussten die Euro-Regierungschef einen sagenhaften Rettungsschirm für andere Krisenländer versprechen, weil der nächste Mega-Crash an den Finanzmärkten drohte. Weil die Situation so brandgefährlich schien wie zuletzt nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers.

Was, wenn Hilfen für Spanien eine ähnlich dramatische Kettenreaktion nach sich ziehen? Was, wenn plötzlich das Vertrauen der Geldgeber auch in andere Krisenstaaten der Euro-Zone verpufft? Ist der spanische Geldmangel womöglich noch gefährlicher für Europa als der griechische Schuldensumpf?

Tatsächlich ist die spanische Wirtschaft viereinhalbmal so groß wie die griechische. Und allein deutsche Banken hatten Ende 2009 rund 202 Milliarden Dollar an Forderungen offen gegenüber spanischen Bürgern und Institutionen. 109 Milliarden Dollar entfielen auf spanische Banken. Schon die Pleite einer einzigen Bank würde deshalb Schockwellen weit über die Grenzen Spaniens hinaus aussenden. "Es gibt genügend Anlässe, sich Horrorszenarien auszumalen", fasst IfW-Experte Boysen-Hogrefe die Situation zusammen.

Kann Zapatero sein Sparpaket gegen die Bevölkerung durchsetzen?

Doch es gibt auch Hoffnungsschimmer. Vergangene Woche hatte Spanien eine Staatsanleihe über drei Jahre Laufzeit herausgegeben - und die Nachfrage konnte sich sehen lassen. Das heißt, die Anleger scheinen noch daran zu glauben, dass das ein gutes Investment ist. Dass Spanien brav alle Schulden begleichen wird.

Auch ist Spaniens wirtschaftliche Situation mit den desaströsen Zuständen in Griechenland nicht vergleichbar. In Spanien sind die Ausgaben längst nicht so aus dem Ruder gelaufen, es wurden offenbar auch keine Statistiken gefälscht. Der iberische Schuldenberg ist im europäischen Maßstab sogar eher klein: Die Gesamtverschuldung des Staats beläuft sich auf 53 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. In Griechenland sind es rund 115 Prozent.

Was den anderen Euro-Ländern allerdings Sorge bereitet ist die spanische Verschuldungsdynamik - das heißt, die Schnelligkeit, mit der die Verbindlichkeiten zunehmen. Deshalb muss das jährliche Haushaltsdefizit dringend beschnitten werden. Zuletzt lag es bei 11,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Erlaubt sind laut Maastricht-Vertrag drei Prozent. Immerhin hat Regierungschef Zapatero ein rigides Sparpaket aufgelegt, mit dem er diese Grenze binnen drei Jahren wieder erreichen will.

Allerdings gibt es auch mit Blick auf die Sparanstrengungen offene Fragen. Zum Beispiel, ob Zapatero sein Vorhaben gegenüber einer Bevölkerung durchsetzen kann, in der jeder Fünfte keine Arbeit hat. Außerdem fürchten viele, dass die Einschnitte die ohnehin kaputte Wirtschaft weiter zerstören. Das wiederum würde den Haushalt wegen sinkender Einnahmen und höherer Sozialausgaben weiter durcheinanderbringen.

Sollte Spanien Hilfen in Anspruch nehmen, hätte das auch sein Gutes

"Man kann nur hoffen, dass die Märkte das annehmen", sagt Konjunkturfachmann Hinze. Denn dort wird das Schicksal Spaniens letztlich entschieden. Die Euro-Länder können nur Lösungen anbieten, doch entscheidend ist die Frage: Glauben die Geldgeber und die Investoren ihnen?

Die Verabschiedung des 750-Milliarden-Euro-Rettungspakets gab darauf keine klare Antwort. Eigentlich hätte man denken können, dass dieses einzigartige, gewaltige Versprechen der Euro-Partner, im Krisenfall füreinander einzuspringen, ausreicht. Doch bald schon ging das Auf und Ab weiter. "Das heißt eventuell, dass das Paket für viele Anleger nicht glaubwürdig ist", sagt Konjunkturexperte Boysen-Hogrefe.

"Insofern wäre es vielleicht gar nicht so schlimm, wenn ein Land die Hilfen mal in Anspruch nehmen würde - und auf den Märkten klar wird: Das funktioniert", sagt der Ökonom. Vielleicht schafft der Ernstfall endlich Vertrauen.

Vielleicht aber auch nicht. Es könnte für viele Marktteilnehmer auch so aussehen, als würden die Dämme endgültig brechen. Als sei es mit der Zahlungsfähigkeit der südeuropäischen Staaten nun endgültig vorbei. Und dieser Eindruck könnte den Flächenbrand überhaupt erst wirklich auslösen, erst dafür sorgen, dass weitere Länder Finanzprobleme bekommen. Wahrscheinlich ist das derzeit nicht. Aber denkbar.

Zapatero dementiert Gerüchte über Finanzspritzen

Dann freilich wäre die Katastrophe da. Das Geld des Euro-Rettungsfonds würde wohl nicht weit reichen - bedenkt man, dass schon eine einzige deutsche Bank, nämlich die HRE, mit hundert Milliarden Euro gestützt werden musste. Wie sollen da 750 Milliarden für ganze Staaten reichen?

HWWI-Experte Hinze will über ein solches Szenario lieber gar nicht nachdenken. "Müssten Spanien und noch ein großes Land wie Italien gerettet werden, dann stünde wohl auch die Europäische Währungsunion zur Debatte", sagt er.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht angesichts der Spekulationen um mögliche Hilfen an Spanien aus dem Euro-Rettungsschirm keinen Grund zur Sorge. Am Montag warnte Merkel in Berlin davor, "Dinge herbeizureden". Es gebe ein Rettungspaket für den Euro-Raum. Sollte es Probleme geben, könne dieser Rettungsschirm jederzeit aktiviert werden - für Spanien oder für welches Land auch immer.

Regierungschef Zapatero will es gar nicht so weit kommen lassen. Er beharrt darauf, Spanien ohne Finanzspritzen aus der Krise führen zu können. Als die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Montag schrieb, die Vorbereitungen für die Beteiligung Spaniens am Rettungsfonds liefen bereits, fiel die Reaktion harsch aus. "Das Gerücht ist falsch, und ich dementiere es", sagte der spanische Finanzstaatssekretär Carlos Ocana. Allerdings war es bereits die dritte Zeitung, die über mögliche Hilfen für Spanien berichtete. Auch die griechische Regierung hatte, bis es wirklich nicht mehr anders ging, versichert, sie wolle allein mit der hellenischen Misere fertig werden.

Spaniens Ehrgeiz, es allein zu schaffen, lässt sich leicht erklärten. Schließlich müsste sich das Land einer rigiden Kontrolle seiner Finanzen aussetzen, sobald es Geld aus dem Euro-Rettungsfonds empfängt. Und den angeschlagenen Zapatero, dessen Umfragewerte ohnehin fallen, könnte der Gang nach Brüssel im schlimmsten Fall sogar den Job kosten.

Hinweise darauf, wie es weitergeht, müssen nun wieder mal die Märkte geben. Denn das spanische Finanzministerium ist erneut auf der Suche nach Geld. An diesem Dienstag sollen Papiere platziert werden, die fünf bis sechs Milliarden Euro einbringen könnten. Am Donnerstag sollen dann Anleihen mit 10- bis 30-jähriger Laufzeit ausgegeben werden, die weitere 2 bis 3,5 Milliarden Euro einbringen sollen.

Die Nachfrage wird zeigen, wie groß das Vertrauen in Spanien noch ist.

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 53 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Tja, die Lawine kommt, immer näher und immer größer!
Pinarello, 15.06.2010
Zitat von sysopDie Gerüchte halten sich hartnäckig: Spanien braucht angeblich Hilfe aus dem Euro-Rettungspaket, Politiker in Berlin und Brüssel sollen den Ernstfall bereits vorbereiten. Die Regierung in Madrid dementiert - doch die Finanzmisere wird übermächtig. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,700632,00.html
Tja, die Lawine rollt und rollt seit 2008, jetzt wurde soviel Material und Fahrt aufgenommen, begünstigt durch die Billionen die von den Notenbanken geflutet wurden, daß die Einschläge wohl nicht mehr aufzuhalten sind, so sind Lawinen eben, die walzen einfach alles nieder. Jetzt ist mir auch klar, warum der kleine Gestauchte aus Paris gestern bei unserer Kanzlerdarstellerin aufgetaucht ist, die Hütte brennt, bin mal gespannt mit wieviel Milliarden die Franzman-Banken diesmal mit drin hängen!
2. Wie kommen
bürger01 15.06.2010
Wie kommen wir aus diesem Desaster wieder raus? Gibt es außer den täglichen Negativnachrichten auch noch einen Hoffnungsschimmer, dass sich die Lage in Europa, bzw. international beruhigt?
3. ...
E.Cartman 15.06.2010
Zitat von PinarelloTja, die Lawine rollt und rollt seit 2008, jetzt wurde soviel Material und Fahrt aufgenommen, begünstigt durch die Billionen die von den Notenbanken geflutet wurden, daß die Einschläge wohl nicht mehr aufzuhalten sind, so sind Lawinen eben, die walzen einfach alles nieder. Jetzt ist mir auch klar, warum der kleine Gestauchte aus Paris gestern bei unserer Kanzlerdarstellerin aufgetaucht ist, die Hütte brennt, bin mal gespannt mit wieviel Milliarden die Franzman-Banken diesmal mit drin hängen!
Stimmt, unsere weisen Finanzexperten würden in sowas nie investieren. Und sie würden schon gar nicht den französischen Banken das ganze Geld leien das diese nach Spanien pumpen. Naja, Hauptsache man vergisst nicht, dass das Ausland an allem Schuld ist, und man sich die Suche nach Schuldigen im Inland eigentlich sparen kann.
4. Merkelmurks
Baikal 15.06.2010
Zitat von PinarelloTja, die Lawine rollt und rollt seit 2008, jetzt wurde soviel Material und Fahrt aufgenommen, begünstigt durch die Billionen die von den Notenbanken geflutet wurden, daß die Einschläge wohl nicht mehr aufzuhalten sind, so sind Lawinen eben, die walzen einfach alles nieder. Jetzt ist mir auch klar, warum der kleine Gestauchte aus Paris gestern bei unserer Kanzlerdarstellerin aufgetaucht ist, die Hütte brennt, bin mal gespannt mit wieviel Milliarden die Franzman-Banken diesmal mit drin hängen!
Da zeigt sich eben, dass ein innerhalb eines durch das System selbst entstandenes Problem nicht innerhalb des Systems gelöst werden kann - das hat Lenin gewußt, das hat Einstein gewußt und jeder mit nicht marktideologisch vernegeltem Hirn auch. Nur die Politiker begreifen es ebensowenig wie die Schleppenträger aus der Ökonomie mit ihrem auf Kosten reduziertem Denken. Die "Finanzindustrie" gilt als ebenso wertschöpfend wie die Produktionsindustrie selbst, das Kapital als ebenso wertschaffend wie die Arbeit. Solange dieser Widerspruch nicht aufgelöst wird, kommt der Crash jeden Tag etwas näher: Zurücktreten von der Bahnsteigkante, aber Merkel nicht entkommen lassen.
5. Gut vorbereitet ?
Satiro, 15.06.2010
>>An diesem Dienstag sollen Papiere platziert werden, die fünf bis sechs Milliarden Euro einbringen könnten. Am Donnerstag sollen dann Anleihen mit 10- bis 30-jähriger Laufzeit ausgegeben werden, die weitere 2 bis 3,5 Milliarden Euro einbringen sollen. Die Nachfrage wird zeigen, wie groß das Vertrauen in Spanien noch ist
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Bevölkerung: 46,440 Mio.

Fläche: 505.968 km²

Hauptstadt: Madrid

Staatsoberhaupt:
König Felipe VI.

Regierungschef: Mariano Rajoy

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Spanien-Reiseseite


Milliardenstütze für den Euro
Die EU hat sich auf ein beispielloses Rettungspaket geeinigt: Ein bis zu 750 Milliarden Euro schwerer Fonds für Euro-Wackelkandidaten soll Spekulanten abschrecken und die Währung schützen - die Konditionen im Überblick.
Milliarden-Auffangnetz

Für die klammen Euroländer stellt die Gemeinschaft bei Bedarf bis zu 750 Milliarden Euro Soforthilfe zur Verfügung.

Die ersten 60 Milliarden Euro kommen direkt von der EU-Kommission.

Sollte dieses Geld nicht ausreichen, kommen dazu die 440 Milliarden Euro schweren Hilfen einer Finanz-Zweckgesellschaft (siehe unten).

Zusätzlich steuert der Internationale Währungsfonds (IWF)mindestens 250 Milliarden Euro bei.

Finanz-Zweckgesellschaft
Die Finanz-Zweckgesellschaft ist ein für die Euroländer völlig neues Instrument, das im Namen aller 16 Euroländer Geld leihen und an finanzschwache Staaten weiterleiten kann.
Die Euroländer selbst müssen das Geld dabei nicht auf den Tisch legen, sie treten vielmehr als Garanten für das zu leihende Geld auf.
Zinssatz
Wie im Fall von Griechenland wird es auch für das 750-Milliarden-Paket einen einheitlichen Zinssatz für alle bedürftigen Länder geben. Griechenland muss für seine Kredite fünf Prozent Zinsen (für drei Jahre) zahlen.
Konsolidierung
Schuldenländer verpflichten sich, künftig noch strenger auf die Sanierung der Staatshaushalte zu achten.
Finanzmarktregulierung

Die Euroländer wollen die Finanzmärkte stärker regulieren. Dazu zählen Derivate und Rating-Agenturen, die die Kreditwürdigkeit von Schuldnern - und damit auch Staaten - bewerten.

Darüber hinaus versprechen sich die Staaten auch von der Einführung eines "Stabilitätsbeitrags" der Banken und einer weltweiten Abgabe auf Finanztransaktionen eine stärkere Beteiligung des Finanzsektors an den Kosten der Finanz- und Schuldenkrise.

Fotostrecke
Spanien: Was vom Bau-Boom übrigbleibt

Schulden in Europa
Gesamtverschuldung in Euro-Land
dpa
Mit der gigantischen Summe von mehr als sieben Billionen Euro sind die Euro-Länder verschuldet. Mit Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben die Staaten jetzt einen riesigen Rettungsschirm von bis zu 750 Milliarden Euro für Länder gespannt, die mit dem Schuldenberg nicht mehr fertig werden und in Zahlungsschwierigkeiten geraten.
Deutschland
Die gesamtstaatlichen Schulden liegen bei mehr als 1,7 Billionen Euro. Das sind mehr als 70 Prozent des BIP. Erlaubt sind laut Maastricht-Vertrag 60 Prozent. Die jetzt schon gigantische Summe könnte bis Ende 2013 durch immer neue Kredite bei etwa zwei Billionen Euro liegen.

Allein 2010 lag die Neuverschuldung bei 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), erlaubt sind laut Maastricht drei Prozent. Um diese Schuldenberge wieder abzubauen, hat die schwarz-gelbe Koalition im Sommer 2010 ein Sparpaket aufgelegt. Ob dies allerdings ausreicht, ist fraglich. Denn der Bund muss von 2011 an jedes Jahr zehn Milliarden Euro sparen - allein um die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse einzuhalten.
Frankreich
Das Haushaltsdefizit lag 2009 bei 7,5 Prozent des BIP, die Gesamtverschuldungsquote bei 77,6 Prozent. In Euro ausgedrückt belaufen sich die Verbindlichkeiten auf mehr als 1,5 Billionen Euro. Die Regierung will die Staatsausgaben von 2011 bis Ende 2013 einfrieren. Jede zweite frei werdende Stelle im Öffentlichen Dienst wird nicht besetzt.

Die laufenden Ausgaben für den Staatsbetrieb sollen binnen drei Jahren um zehn Prozent gesenkt werden. Zudem will Paris Steuerschlupflöcher stopfen und so in zwei Jahren fünf Milliarden Euro mehr einnehmen. Eine Rentenreform soll außerdem das riesige Defizit in den Sozialkassen senken. Das Rentenalter in Frankreich liegt derzeit für das allgemeine Rentensystem noch bei 60 Jahren.
Spanien
Das Land hat einen Sparplan vorgelegt, der für die kommenden drei Jahre eine Senkung der Ausgaben um 50 Milliarden Euro vorsieht. Für 2010 und 2011 kündigte Madrid zusätzliche Einsparungen von 15 Milliarden Euro an. Erstmals in der jüngeren Geschichte des Landes werden die Gehälter von Ministern und Beamten gekürzt. Staatliche Investitionen werden zusammengestrichen.

Die Neuverschuldung lag 2009 bei 11,2 Prozent des BIP. Die Gesamtverschuldung des Staates wurde zuletzt vom Finanzministerium auf 55,2 Prozent des BIP beziffert. Laut Eurostat sind es knapp 560 Milliarden Euro.
Portugal
Die Regierung überraschte 2010 mit der Ankündigung von Steuererhöhungen. Einkommensteuern sollen angehoben, Unternehmen mit einer zusätzlichen "Krisensteuer" von 2,5 Prozent auf alle Gewinne belastet werden. Die Mehrwertsteuer soll von 20 auf 21 Prozent steigen. Die Bezüge der Politiker und der Verwalter öffentlicher Unternehmen sollen um fünf Prozent reduziert werden.

Damit will Portugal sein Haushaltsdefizit von 9,4 Prozent des BIP auf sieben Prozent reduzieren. Die Gesamtschulden entsprachen 2009 rund 76,8 Prozent des BIP.
Italien
In Italien sind bislang keine größeren Sparpakete auf den Weg gebracht worden, obwohl das Land zu den großen Schuldensündern in der Euro-Zone zählt.

Der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti hat zwar angekündigt, dass ab 2011 gespart werden soll. Genaueres hat er bislang aber nicht erklärt. Italien hat in absoluten Zahlen einen Gesamtschuldenstand wie Deutschland von mehr als 1,7 Billionen Euro. In Relation zur Wirtschaftskraft ist der Schuldenberg aber weit größer: Er beträgt rund 114 Prozent des BIP.
Irland
Im Haushalt 2010 waren strikte Sparmaßnahmen vorgesehen. So wurden Gehälter im Öffentlichen Dienst um fünf bis 15 Prozent gekürzt. Die Sozialausgaben wurden um 760 Millionen Euro zurückgefahren, beim Arbeitslosengeld kam es zu Streichungen für bestimmte jüngere Altersgruppen.

Irland hat eine Gesamtverschuldung von mehr als hundert Milliarden Euro. Damit bewegt sich das Land nicht weit von der vorgeschriebenen 60-Prozent-Regel mit Blick auf das BIP. Allerdings lag die Neuverschuldung 2010 bei rund 30 Prozent.
Belgien
Der hohe gesamtstaatliche Schuldenstand von knapp 97 Prozent des Bruttoinlandsprodukt wird 2011 auf etwa 101 Prozent wachsen. Erlaubt sind nur 60 Prozent.

Wegen der politischen Krise - das Land stolpert von einer Regierungskoalition zur nächsten - ist Belgien politisch gelähmt. Größere Sparpakete sind nicht in Sicht.
Niederlande
Beim Schuldenberg stehen die Niederlande im Vergleich zu anderen Euro-Staaten gut da. Aber auch dort wird er wachsen - von knapp 61 Prozent des BIP 2009 auf annähernd 70 Prozent 2011.

Doch die Niederländer pochen auf Konsolidierung. Die Regierung identifizierte Sparmöglichkeiten bei den Staatsausgaben von rund 20 Prozent. Die EU würde eine Anhebung des Pensionsalters von 65 auf 67 Jahre begrüßen, wie es in den Niederlanden debattiert wird.
Griechenland
Um eine Staatspleite abzuwenden und den unter Druck geratenen Euro zu verteidigen, haben die EU-Staats- und Regierungschefs ein einmaliges, 110 Milliarden Euro schweres Rettungspaket für Griechenland beschlossen.

2009 beliefen sich die Schulden des Landes auf 273 Milliarden Euro und damit auf 115 Prozent des BIP. Gegen heftigen Widerstand im eigenen Land hat die Regierung ein 30-Milliarden-Sparpaket durchgesetzt - Renten und Gehälter im Staatsdienst sollen gekürzt, Steuern heraufgesetzt werden.
Slowakei
Die Gesamtverschuldung lag Ende 2009 bei gut 22 Milliarden Euro, das entsprach 35,7 Prozent des BIP. Nur noch Luxemburg hat in der Euro-Zone einen kleineren Schuldenberg. Das Haushaltsdefizit 2009 von 4,3 Milliarden Euro erreichte aber mit 6,8 Prozent vom BIP einen Rekordstand und soll 2010 gesenkt werden.

Ein Sparprogramm der Regierung sieht großflächige Ausgabenkürzungen vor, aber keine Einschnitte bei Pensionen und im Sozialsystem. Kräftige Einsparungen gab es 2009 im Verteidigungsbudget.
Slowenien
Der Gesamtschuldenstand lag zuletzt bei 40 Prozent des BIP, also klar unter den erlaubten 60 Prozent. Problematisch sind jedoch das schleppende Wirtschaftswachstum und die steigende Arbeitslosigkeit. Ende 2009 überschritt die Arbeitslosenquote zehn Prozent.

Mit Konjunkturprogrammen wurde die Wirtschaft gestützt, das Haushaltsdefizit dürfte 2010 bei 6,1 Prozent des BIP liegen, nach 5,5 Prozent 2009. Das Sparprogramm ist noch nicht klar. Experten rechnen mit Kostensenkungen im öffentlichen Sektor, auch liegen in der Privatisierung von Staatsunternehmen noch Reserven.
Österreich
Mit Steuererhöhungen und strengen Sparmaßnahmen will Österreich seinen Staatshaushalt wieder auf Vordermann bringen. Als Ziel will die Regierung bis 2014 das Defizit von 4,7 auf 2,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts reduzieren. Bund, Länder und Gemeinden sollen bis zu 5,1 Milliarden Euro einsparen, dazu sollen die Bürger über mehr Steuern für höhere Staatseinnahmen sorgen.

Einig ist sich die Koalition aus konservativer ÖVP und sozialdemokratischer SPÖ aber bisher nur bei der Einführung einer Bankensteuer, die die alpenländischen Geldhäuser rund 500 Millionen Euro kosten soll. Insgesamt betragen die Schulden Österreichs derzeit etwa 66 Prozent des BIP.
Finnland
Mit einem Gesamtschuldenstand von 75 Milliarden Euro gehört Finnland nicht zu den Problemländern in der EU, was die Staatsfinanzen angeht. Die Regierung in Helsinki hat seit dem Euro-Start eine sparsame Haushaltspolitik geführt.

Auch deshalb stehen drastische Sparprogramme wegen der aktuellen Finanzkrise nicht auf der Tagesordnung. Seit längerem schon will die Regierung das Rentenalter heraufsetzen und die Rentenansprüche senken.

Sind Sie ein guter Euro-Retter?
Die EU legt ein gigantisches Hilfspaket für den Euro auf - Gesamtumfang: 750 Milliarden Euro. Aber blicken Sie bei der größten Wette der Weltgeschichte noch durch? Testen Sie Ihre Euro-Retter-Qualitäten im SPIEGEL-ONLINE-Quiz.

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: