11. Dezember 2012, 13:50 Uhr

340-Millionen-Verlust

Zocker-Beamtin erschüttert Österreich

Eine Beamtin aus Salzburg hat 340 Millionen Euro verspekuliert. Mehr als zehn Jahre lang blieb ihr Treiben unbemerkt. Jetzt könnte der Skandal die Regierung des österreichischen Bundeslandes zu Fall bringen.

Salzburg - Die dreistelligen Millionenverluste durch Finanzgeschäfte einer österreichischen Beamtin erschüttern die Politik im Bundesland Salzburg. Am Montagabend beschloss die konservative ÖVP einen Antrag auf Neuwahlen, der am 16. Januar eingebracht werden soll. "Das Bundesland Salzburg befindet sich in der schwierigsten Situation seit 1945", zitierten die "Salzburger Nachrichten" den ÖVP-Chef Wilfried Haslauer. Der Koalitionspartner SPÖ leide unter "Realitätsverlust", falls er dem Antrag nicht zustimme. Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) lehnt Neuwahlen bislang ab.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass eine Finanzmanagerin des Bundeslandes Salzburg rund 340 Millionen Euro verzockt hat. Die leitende Angestellte habe seit 2001 über Jahre hinweg Kontrollen umgangen, um riskante Geschäfte mit Steuergeldern abzuschließen, teilte die Salzburger Landesregierung mit. Ab 2003 investierte die leitende Mitarbeiterin dann in besonders riskante Derivategeschäfte, mit denen auch viele deutsche Kommunen hohe Verluste gemacht haben.

Die entstandenen Buchverluste versteckte die Frau - offenbar in der Hoffnung, sie durch weitere Geschäfte aufholen zu können. Die Spekulantin soll unter anderem Unterschriften und Protokolle gefälscht haben. Weder auf Bundes- noch auf Landesebene seien die Ungereimtheiten den zuständigen Prüfern aufgefallen.

Die Beamtin hatte ihre Vergehen Ende November gestanden. "Nach ihren eigenen Angaben ist ein rechnerisches Minus von etwa 340 Millionen Euro entstanden", hieß es in der Mitteilung des Landes. Die Frau hatte demnach die Summe, die sie zu investieren befugt war, weit überschritten. Die Angestellte wurde entlassen und der Fall bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Selbst bereichert hat die Frau sich durch die riskanten Geschäfte angeblich nicht.

dab/AFP/Reuters


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