340-Millionen-Verlust: Zocker-Beamtin erschüttert Österreich

Eine Beamtin aus Salzburg hat 340 Millionen Euro verspekuliert. Mehr als zehn Jahre lang blieb ihr Treiben unbemerkt. Jetzt könnte der Skandal die Regierung des österreichischen Bundeslandes zu Fall bringen.

Landeshauptstadt Salzburg: Den Prüfern fiel nichts auf Zur Großansicht
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Landeshauptstadt Salzburg: Den Prüfern fiel nichts auf

Salzburg - Die dreistelligen Millionenverluste durch Finanzgeschäfte einer österreichischen Beamtin erschüttern die Politik im Bundesland Salzburg. Am Montagabend beschloss die konservative ÖVP einen Antrag auf Neuwahlen, der am 16. Januar eingebracht werden soll. "Das Bundesland Salzburg befindet sich in der schwierigsten Situation seit 1945", zitierten die "Salzburger Nachrichten" den ÖVP-Chef Wilfried Haslauer. Der Koalitionspartner SPÖ leide unter "Realitätsverlust", falls er dem Antrag nicht zustimme. Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) lehnt Neuwahlen bislang ab.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass eine Finanzmanagerin des Bundeslandes Salzburg rund 340 Millionen Euro verzockt hat. Die leitende Angestellte habe seit 2001 über Jahre hinweg Kontrollen umgangen, um riskante Geschäfte mit Steuergeldern abzuschließen, teilte die Salzburger Landesregierung mit. Ab 2003 investierte die leitende Mitarbeiterin dann in besonders riskante Derivategeschäfte, mit denen auch viele deutsche Kommunen hohe Verluste gemacht haben.

Die entstandenen Buchverluste versteckte die Frau - offenbar in der Hoffnung, sie durch weitere Geschäfte aufholen zu können. Die Spekulantin soll unter anderem Unterschriften und Protokolle gefälscht haben. Weder auf Bundes- noch auf Landesebene seien die Ungereimtheiten den zuständigen Prüfern aufgefallen.

Die Beamtin hatte ihre Vergehen Ende November gestanden. "Nach ihren eigenen Angaben ist ein rechnerisches Minus von etwa 340 Millionen Euro entstanden", hieß es in der Mitteilung des Landes. Die Frau hatte demnach die Summe, die sie zu investieren befugt war, weit überschritten. Die Angestellte wurde entlassen und der Fall bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Selbst bereichert hat die Frau sich durch die riskanten Geschäfte angeblich nicht.

dab/AFP/Reuters

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insgesamt 64 Beiträge
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1. Wie war das noch?
hxk 11.12.2012
Zitat von sysopEine Beamtin aus Salzburg hat 340 Millionen Euro verspekuliert. Mehr als zehn Jahre lang blieb ihr Treiben unbemerkt. Jetzt könnte der Skandal die Regierung des österreichischen Bundeslandes zu Fall bringen.
Der Staat soll die Finanzindustrie in die Schranken weisen?! Der Staat soll dies tun, der Staat soll das tun! Nur baut der Staat i.d.R. mehr Mist als die private Wirtschaft, denn für den Staat ist das verjuxte Geld ja nur das des Steuerzahlers und von dem kann sich der Staat immer mehr Geld holen. PS: Welche deutschen Banken haben die größten Verluste gemacht? Die staatlichen Landesbanken!
2. Peanuts
Zinsmeisterin 11.12.2012
Zitat von sysopEine Beamtin aus Salzburg hat 340 Millionen Euro verspekuliert. Mehr als zehn Jahre lang blieb ihr Treiben unbemerkt. Jetzt könnte der Skandal die Regierung des österreichischen Bundeslandes zu Fall bringen. Spekulationen von Beamtin könnten Salzburger Regierung sprengen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/spekulationen-von-beamtin-koennten-salzburger-regierung-sprengen-a-872238.html)
340 Millionen sind doch nur Peanuts im Vergleich zu den deutschen Euro-Zockern im Bundestag!
3. Ich warte...
donicc 11.12.2012
Ich warte mal, bis sich der erste pauschale Beamtenverunglimpfer meldet! Dass es immer wieder (viel zu viele!) Menschen gibt, die solch riskante Geschäfte mit Geld betreiben, das ihnen nicht gehört ist unglaublich! Und das ist nicht auf Österreich beschränkt. Ganz im Gegenteil!
4. peanuts
limubei 11.12.2012
Das Zocken auf der nächst höheren Ebene bringt viel mehr Verluste. Erst verspekulieren sich die Länder und Banken und dann müssen sie alle gerettet werden. Wer wurde dafür entlassen? Manipulation des Euribor? Es gab ein paar goldene Handschläge.
5.
Hafenschiff 11.12.2012
Zitat von hxkDer Staat soll die Finanzindustrie in die Schranken weisen?! Der Staat soll dies tun, der Staat soll das tun! Nur baut der Staat i.d.R. mehr Mist als die private Wirtschaft, denn für den Staat ist das verjuxte Geld ja nur das des Steuerzahlers und von dem kann sich der Staat immer mehr Geld holen. PS: Welche deutschen Banken haben die größten Verluste gemacht? Die staatlichen Landesbanken!
Nö. Die private HRE. Die allein hat über 100 Milliarden € an Bürgschaften und Krediten vom detschen Steuerzahler gebraucht. An zweiter Stelle kommt die Commerzbank mit über 8 Milliarden. Allein schon diese 8 Milliarden sind mehr als die Verluste aller deutschen Landesbanken zusammen, wobei zu bedenken muss, dass der Verlust nur bei einigen der Landesbanken angefallen ist. Über die Hälfte der Landesbanken kam völlig ohne Staatshilfe durch die Bankenkrise.
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