Staat vor dem Bankrott: Griechenland braucht noch mehr Geld

Es könnte alles noch schlimmer kommen: Griechenland wird mehr Geld benötigen, als das Milliarden-Euro-Paket der Euroländer und des IWF. Und selbst das ist noch nicht gesichert - Finanzminister Schäuble hat Bedenken angemeldet.

Marodes Griechenland: 230 Milliarden Euro Schulden bis 2015 zu begleichen Zur Großansicht
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Marodes Griechenland: 230 Milliarden Euro Schulden bis 2015 zu begleichen

Drei von vier Griechen vertrauen ihrer Regierung nicht mehr, ergab eine aktuelle Umfrage. Das sind miese Werte, doch angesichts mehrerer hundert Milliarden Euro Staatsschulden und immer neuen Schreckensmeldungen, dürfte es den Finanzminister der Euro-Zone ähnlich gehen: Kann man den Griechen noch vertrauen?

Die Spitze des griechischen Schuldenbergs könnte nach Informationen des SPIEGEL noch nicht erreicht sein. Bislang ist stets von rund 300 Milliarden Euro die Rede, jetzt werden die Zahlen konkreter: Allein bis 2015 muss Griechenland wohl 140 Milliarden Euro für 33 fällig werdende Staatsanleihen aufbringen. Das berichtet die "Welt am Sonntag" und verweist auf die griechische Schuldenagentur und den Wirtschaftsdienst Bloomberg.

Damit könnte Griechenland auch in den kommenden zwei Jahren weitere Milliardenhilfen benötigen. Hinzu kommt, dass Griechenland laut dem US-Ökonomen Carl Weinberg knapp 90 Milliarden Euro an Zinsen wird zahlen müssen. Das wiederum hieße, die Griechen müssten über Jahre ein Fünftel ihrer gesamten Wirtschaftsleistung für den Schuldendienst ausgeben, berichtet die "Welt am Sonntag". Zusammengenommen wären das schon in den nächsten fünf Jahren Verbindlichkeiten von 230 Milliarden Euro.

Deutsche Milliarden für ein "sinkendes Schiff"

Am Freitag, und damit deutlich früher als erwartet, hatte Griechenland offiziell die Hilfszahlungen der Euroländer und des Internationalen Währungsfonds (IWF) beantragt. In einer Fernsehansprache bat der griechische Premierminister George Papandreou um die Finanzhilfen und verglich die Wirtschaft seines Landes mit einem "sinkenden Schiff". Bis Ende 2010 sollen nach dem bisherigen Plan 45 Milliarden Euro an Griechenland fließen. Die Zusage der Euroländer beläuft sich auf 30 Milliarden Euro, davon kämen allein 8,4 Milliarden aus Deutschland.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat unterdessen die Hilfszahlungen für den vor dem Bankrott stehenden Staat in Zweifel gezogen: Weil weder die EU noch die Bundesregierung bisher eine Entscheidung getroffen hätten bedeute das, sie könne "positiv wie negativ ausfallen", sagte Schäuble der "Bild am Sonntag".

Schäuble drängt außerdem auf ein beschleunigtes Gesetzgebungsverfahren, weil letztlich der Bundestag über die Kreditgarantien im Rahmen des Rettungsplans entscheiden muss. Am Montag soll es ein Informationsgespräch mit den Bundestagsfraktionen geben. Schäuble wandte sich auch gegen die Forderung von CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich nach einem Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum.

EU-Parlamentarier fordert Aufpasser für den griechischen Staat

Der Vorsitzende des Sonderausschusses zur Wirtschafts- und Finanzkrise im Europäischen Parlament, Wolf Klinz (FDP), forderte indes die Einsetzung eines EU-Sonderbeauftragten für Griechenland. "Er muss aufpassen, dass die Griechen die Milliarden-Finanzhilfen der Europäer nicht in die falschen Kanäle leiten", sagte Klinz der "Welt am Sonntag".

Beim Koalitionspartner FDP lösten die anstehenden Milliardenhilfen für Athen Besorgnis aus. FDP-Chef und Außenminister Guido Westerwelle fordert langfristige Konsequenzen aus der Krise. Die Politik dürfe nicht zur Tagesordnung übergehen, sagte Westerwelle auf dem Parteitag in Köln. "Wir brauchen deutlich mehr Kontrolle und strengere Regeln." Notwendig seien stärkere Eingriffsrechte der europäischen Statistikbehörde Eurostat. Zuvor hatte bereits Finanzexperte Hermann Otto Solms betont, es dürfe kein Automatismus für Länder wie Griechenland entstehen. Birgit Homburger, FDP-Fraktionschefin im Bundestag, sagte, es sei noch einmal von IWF, Europäischer Zentralbank und EU-Kommission zu prüfen, ob die dringende Hilfe wirklich erforderlich sei.

Geht das Land nun doch pleite?

Die frühere Vize-Direktorin des IWF, Anne Krueger, sagte Athen eine Umschuldung voraus. Das hieße für Gläubiger, also auch für Privatanleger, die derzeit mit hochverzinsten griechischen Staatsanleihen pokern, sie müssten dann damit rechnen, dass ein Großteil ihres Geldes weg ist. Auch deutsche Banken haben Griechenland Milliarden geliehen und könnten somit erneut in Schieflage geraten. Könne ein Land seine Schulden nicht bedienen, bestehe der IWF auf einer Umschuldung, bevor Hilfen an den Staat fließen könnten, sagte Krueger der "Welt am Sonntag".

Am Sonntag werden sich IWF-Präsident Dominique Strauss-Kahn und der griechische Finanzminister George Papaconstantinou zu Gesprächen über die geplante 15 Milliarden Euro Hilfe treffen. "Die Griechen brauchen keine Angst vor dem IWF zu haben. Wir sind hier, um zu versuchen, ihnen zu helfen", sagte Strauss-Kahn.

cht/dpa/AFP/ddp

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 158 Beiträge
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1. Vieleicht...
Core Dump 25.04.2010
...sollte man Griechenland zur Sonderwirtschaftszone erklaeren. Ansonsten sehe ich einen Haufen griechischer Beamte (= die halbe Bevoelkerung, ueberspitzt ausgedrueckt) genau so weiter machen wie bsiher, nur eben direkt mit Finanzhilfen aus EU-Laendern, statt wie bisher mit normalen EU-Foerderungen/Subventionen.
2. Déjà vu?
DJ Doena 25.04.2010
Soll Papairgendwas halt zum Amtsgericht Athen gehen, Insolvenz anmelden. Die Treuhand übernimmt dann die Abwicklung, verkauft die besten Stücke für nen Appel und nen Ei und der Rest wird umgeschuldet, vorzugsweise auf den deutschen Steuerzahler...
3. Titulierung
Periander 25.04.2010
Zitat von DJ DoenaSoll Papairgendwas halt zum Amtsgericht Athen gehen, Insolvenz anmelden. Die Treuhand übernimmt dann die Abwicklung, verkauft die besten Stücke für nen Appel und nen Ei und der Rest wird umgeschuldet, vorzugsweise auf den deutschen Steuerzahler...
Für Sie immer noch George Papaconstantinou.
4. gute Stücke
nung 25.04.2010
Zitat von DJ Doena...verkauft die besten Stücke für nen Appel und nen Ei und der Rest wird umgeschuldet...
Das ist doch regelmäßig des IWFens erster Schritt, Leichenfledderung zur Befriedigung des internationalen Großkapitals. Immerhin gibt's in Griechenland noch was zu holen, die Deutschen haben den Ausverkauf schon weitgehend hinter sich.
5. Alte
GerwinZwo 25.04.2010
Alte Weisheit der Cree-Indianer: "Erst wenn die letzte Yacht der Griechen abgezahlt, der letzte Porsche Cayenne angemeldet und die letzte Designerklamotte angelegt wurde, wird Deutschland aufhören, Geld nach Griechenland zu transferieren."
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Sie waren die Supermacht der Antike, nun fürchten die Hellenen den Bankrott. Aber wie schlimm steht es wirklich um Griechenland? Testen Sie Ihr Wissen über den Krisenstaat im SPIEGEL-ONLINE-Quiz! !

EU-Rettungsplan für Griechenland
Die Hilfe
Kombinierte Hilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Euro-Staaten sollen hochverschuldete Länder wie Griechenland vor der Pleite bewahren. Auf diesen Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy einigten sich die Euro-Länder. Laut dem Einigungstext sind "bedeutende Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF)" und bilaterale Kredite der Euro-Staaten vorgesehen.
Das Geld
Wirtschaftsminister Brüderle beziffert den Finanzbedarf Griechenlands auf 135 Milliarden Euro für drei Jahre. Für das laufende Jahr braucht Athen 45 Milliarden Euro. Davon entfielen auf den IWF 15 Milliarden Euro, auf die Euro-Staaten 30 Milliarden Euro. Die bilateralen Kredite sollen erst nach einem einstimmigen Beschluss der 16 Euro-Länder fließen.
Die Kosten
Deutschland müsste den größten Teil der Euro-Hilfen übernehmen. Dem Vernehmen nach entfielen auf die Bundesrepublik entsprechend ihrem Kapitalanteil an der Europäischen Zentralbank (EZB) 27 Prozent der Gesamtsumme. Das wären für 2010 8,4 Milliarden Euro. Für die folgenden Jahre steht noch keine Summe, Wirtschaftsminister Brüderle stellte aber eine Gesamtsumme von 25 Milliarden Euro in den Raum. Derzeit werde geprüft, ob griechische Anleihen gekauft oder über die Staatsbank KfW mit Bundesbürgschaften abgesicherte Kredite vergeben werden. Es zeichne sich die KfW-Lösung ab.
Die Sanktionen
Um das Anhäufen von Rekordschulden künftig zu verhindern, sollen die Sanktionen verschärft werden. Eine Expertengruppe soll bis Ende des Jahres "alle Optionen ausloten, um den Rechtsrahmen zu stärken". Merkel hatte als äußerstes Mittel einen Ausschluss von Ländern aus der Euro-Zone ins Gespräch gebracht. In dem Text werden aber noch keine konkreten Sanktionen genannt.

Staatsanleihen
Wie die Märkte die Renditen bestimmen
DER SPIEGEL
1. Die Ausgabe der Anleihen
Ein Staat legt eine Anleihe zum Stückpreis von 1000 Euro auf – mit einem festen Zinssatz von 5 Prozent auf den Ausgabepreis. Ein Anleger erhält also jedes Jahr 50 Euro Zinsen.
2. Die Zinsen steigen
Das Vertrauen, dass der Staat seine Schulden zurückzahlt, schwindet. Anleger verkaufen die Anleihe, der Preis sinkt – beispielsweise auf 900 Euro. Ein Käufer erhält dennoch 50 Euro Zinsen – was aber, bezogen auf den Kaufpreis, einer laufenden Rendite von nun 5,6 Prozent entspricht. Dazu erhält der Anleger am Ende der Laufzeit ja 1000 Euro zurück, was die Rendite, nach einer komplizierten Formel, sogar noch weiter erhöht – bei einer Restlaufzeit von 3 Jahren beispielsweise auf 9 Prozent.
3. Der Staat muss mehr zahlen
Der Staat muss nun, wenn er neue Schulden macht, mindestens 9 Prozent bieten. Sonst würde es sich für Investoren lohnen, die alten (oder umlaufenden) Anleihen zu kaufen.