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11. Januar 2013, 19:38 Uhr

Reichster Franzose

Arnaults Chancen auf belgischen Pass schwinden

Die belgischen Behörden machen den Plänen von Frankreichs reichstem Mann einen Strich durch die Rechnung. Die Staatsanwaltschaft sprach sich gegen die Einbürgerung von Bernard Arnault aus. Kritiker werfen dem Chef des Luxuskonglomerats LVMH vor, er wolle sich im Nachbarland vor Steuern drücken.

Brüssel - Die Chancen des Franzosen Bernard Arnault auf einen belgischen Pass schwinden. Die belgische Staatsanwaltschaft sprach sich gegen die Einbürgerung von Frankreichs reichstem Mann aus. Der Chef des Luxusgüterunternehmens LVMH habe nicht nachweisen können, dass sein Lebensmittelpunkt wie erforderlich in den vergangenen drei Jahren in Belgien gelegen habe, sagte ein Sprecher der Behörde am Freitag.

In Belgien trifft ein Parlamentsausschuss die Entscheidung über die Vergabe der Staatsbürgerschaft an Ausländer. Er stützt sich dabei auf Empfehlungen der Staatsanwaltschaft, des Geheimdienstes und der Einwanderungsbehörde. Auch letztere hatte sich Presseberichten zufolge im vergangenen Monat schon ablehnend zu Arnaults Antrag geäußert.

Dessen Bemühen um die belgische Staatsbürgerschaft hatte in Frankreich für Unmut gesorgt. Kritiker werfen Arnault vor, er wolle ebenso wie der Schauspieler Gérard Depardieu mit einem neuen Pass die Reichensteuer umgehen. Arnault hat dies bestritten. Als Chef von LVMH herrscht er über Luxusmarken wie Louis Vuitton und Christian Dior.

Einwohner Belgiens zahlen unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft keine Vermögenssteuer. In Frankreich gilt sie für Vermögen über 1,3 Millionen Euro. Auch die Gewinne aus Aktienverkäufen sind in Belgien steuerfrei.

Der französische Schauspiel-Star Depardieu hat sein Land wegen zu hoher Steuern verlassen und kürzlich einen russischen Pass in Empfang genommen. Auch Alain Afflelou, Chef einer Optikerkette, will Frankreich den Rücken kehren und nach London ziehen. Ebenso wie Arnault betont Afflelou aber, er wolle weiterhin in Frankreich Steuern zahlen.

Präsident François Hollande wollte dort den Spitzensteuersatz auf 75 Prozent hochschrauben. Das französische Verfassungsgericht hat die neue Reichensteuer vorerst gestoppt, doch die Regierung arbeitet an einer Neufassung.

mmq/Reuters

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