Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Staatsbankrott: Was eine Griechen-Pleite jeden Bundesbürger kosten würde

Von

Die Euro-Finanzminister sind mit dem Athener Sparplan nicht zufrieden, immer offener wird über einen Staatsbankrott debattiert. Wie viel würde eine Griechen-Pleite jeden einzelnen Deutschen kosten? SPIEGEL ONLINE hat nachgerechnet.

Flaggen Griechenlands und der EU in Athen: 400 bis 700 Euro pro Bundesbürger Zur Großansicht
AFP

Flaggen Griechenlands und der EU in Athen: 400 bis 700 Euro pro Bundesbürger

Hamburg - Wann es genau passiert ist, lässt sich schwer sagen, aber ganz allmählich hat der Staatsbankrott Griechenlands an Schrecken verloren. Vielleicht hat es mit den Aussagen von Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker im SPIEGEL begonnen, eine Pleite des Landes sei schon im März möglich. Die Vize-Präsidentin der EU-Kommission, die Niederländerin Neelie Kroes dachte dann Anfang der Woche laut über einen Austritt Griechenlands aus dem Euro nach, und FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle kündigte schon an, dass Deutschland für den Fall einer Pleite Griechenlands mit "Löschteichen" voller Geld gut gewappnet sei.

Diese Löschteiche sind gefüllt mit dem Geld deutscher Steuerzahler. Wie viel aber würde davon gebraucht, wenn Griechenland pleitegeht oder gar aus der Euro-Zone austritt?

Deutschland und damit jeder einzelne Steuerzahler haftet für vier Risiken:

  • für die Zahlungen aus dem ersten Rettungspaket für Griechenland,
  • für die griechischen Staatsanleihen, die bei der Europäische Zentralbank (EZB) liegen,
  • ferner für die griechischen Staatsanleihen im Besitz von staatlichen deutschen Banken
  • und schließlich für Ausfälle im sogenannten Target2-System.

Nur wenige Zahlen sind genau bekannt, die Summen beruhen in der Regel auf Annahmen und Schätzungen. Schaut man sich die vier Komplexe an, wird jedoch klar: Der Zahlungsausfall Griechenlands wäre für die deutschen Steuerzahler teuer, aber verkraftbar.

1) Das Rettungspaket: Im Mai 2010 haben EU und IWF das erste Rettungspaket für Griechenland beschlossen - es umfasst 110 Milliarden Euro. Bisher sind davon 73 Milliarden Euro ausgezahlt worden - der Anteil Deutschlands daran beträgt 16 Milliarden Euro. Im Falle eines totalen Zahlungsausfalls des griechischen Staates wäre dieses Geld verloren.

2) Die Europäische Zentralbank: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich nach langen Diskussionen entschlossen, griechische Staatsanleihen zu kaufen. Wie viele Griechen-Bonds die EZB derzeit hält, ist nicht bekannt, die Schätzungen schwanken zwischen 38 und 55 Milliarden Euro Nominalwert. Allerdings musste die Zentralbank am Markt nicht den vollen Preis für die Anleihen zahlen. Die Schweizer Großbank UBS schätzt, dass die EZB im Durchschnitt 70 Prozent des Nominalwerts hingelegt hat - also zwischen 26,6 und 38,5 Milliarden Euro. Deutschland haftet gemäß seinem Anteil an der EZB für 27 Prozent - also für sieben bis zehn Milliarden Euro. Dass die griechischen Staatsanleihen komplett wertlos werden, ist allerdings unwahrscheinlich - vermutlich würden sie bei einem Staatsbankrott in länger laufende und niedriger verzinste Bonds umgetauscht werden.

3) Die Banken mit Staatsbeteiligung: Seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 hat der deutsche Staat einige Banken (teil-)verstaatlicht und zudem Bad Banks gegründet, an welche die Banken ihre ausfallgefährdeten Wertpapiere auslagern konnten. In den Depots dieser Banken liegen auch griechische Staatsanleihen. Zudem halten auch öffentliche Landesbanken diese Papiere. Zu den betroffenen Instituten gehört die HypoReal Estate (HRE), mehrere Landesbanken, die Commerzbank Chart zeigen und die Bad Bank der WestLB. Auch hier gibt es keine exakten Zahen. Jens Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft geht von einem Ausfallrisiko von insgesamt rund 13 Milliarden Euro aus. Dazu kämen laut Boysen-Hogrefe über Umwege auch noch die Verluste der privaten Gläubiger aus Deutschland, die griechische Staatsanleihen besitzen. Sollte Griechenland pleitegehen, verlieren diese Anleihen an Wert. "Die Gläubiger würden in Deutschland dann weniger Gewinnsteuern abführen - insgesamt wäre das aber höchstens ein einstelliger Milliardenbetrag."

4) Das Target2-System: Wenig beachtet und in seinen Auswirkungen umstritten sind die Risiken aus dem sogenannten Target2-System. Mit dem Target2-System werden Zahlungen zwischen den nationalen Zentralbanken innerhalb des Euro-Raums ausgeglichen. Dort seien "enorme Risiken aufgelaufen", sagt der Ökonom Frank Westermann von der Universität Osnabrück. Das Target2-System kann man sich folgendermaßen vorstellen: Ein griechischer Unternehmer kauft eine Ware, zum Beispiel eine Maschine, von einer deutschen Firma. Dafür nimmt er einen Kredit bei seiner (griechischen) Bank auf und überweist den Kaufpreis auf das Konto des deutschen Maschinenbauers.

Im Hintergrund nimmt die Zahlung allerdings einen kleinen Umweg. Die Bank des griechischen Unternehmers leiht sich das Geld, das sie als Kredit ausgibt, ihrerseits von der griechischen Zentralbank. In Deutschland zahlt die deutsche Zentralbank, die Bundesbank, das Geld auf das Konto des deutschen Maschinenbauers ein.

Zwischen der griechischen Zentralbank und der Bundesbank muss das Geld jetzt auch noch fließen - das geschieht in der Regel über den Umweg der Europäischen Zentralbank (EZB). Geschieht das nicht, hat die griechische Zentralbank Schulden bei der Bundesbank. Normalerweise sollte sich dieses Defizit ausgleichen, wenn deutsche Unternehmer ihrerseits Waren in Griechenland kaufen, oder die deutschen Banken Kredite an die Bank des Unternehmers vergeben - dann fließt das Geld in der umgekehrten Richtung.

Weil derzeit aber kaum jemand in Griechenland investiert, wachsen die Forderungen der Bundesbank gegen die griechische Zentralbank immer weiter - im Falle eines Staatsbankrotts hätte das weitreichende Folgen, sagt Ökonom Westermann: "Wenn Griechenland aus dem Euro austritt und seine Target-Salden nicht bedient, müsste Deutschland gemäß seinem Anteil von rund 27 Prozent an der EZB die Verluste tragen." Im schlimmsten Fall wären das geschätzte 27 Milliarden Euro. Westermann: "Die großen Risiken im Target-System sind meiner Meinung nach der Grund, dass Griechenland von den Euro-Ländern nicht fallengelassen wird."

In den meisten Aufstellungen über die Risiken einer griechischen Staatspleite fehlen die Zahlen aus dem Target2-System. Das liegt zum einen daran, dass nur wenige Ökonomen sich mit diesem Zahlungssystem der Euro-Zone auskennen. Zum anderen rechnen viele Experten nicht damit, dass dieses System nachhaltig aus der Balance kommt - wie der IfW-Volkswirt Boysen-Hogrefe: "Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass die Forderungen der Bundesbank an das Target-System nicht erfüllt werden - die Verluste würden bei einer griechischen Staatspleite begrenzt werden."

Fazit: Sollte das nicht passieren und damit das schlimmste Szenario wahr werden, dass Griechenland keinen Cent zurückzahlt, müsste Deutschland also 53 bis 56 Milliarden Euro abschreiben - für jeden der rund 82 Millionen Bundesbürger wären dies 650 bis 680 Euro.

Ohne die Risiken aus dem Target2-System und unter der Annahme, dass die griechischen Staatsanleihen auch nach einem Bankrott nur 70 Prozent an Wert verlieren, wie es derzeit mit den Banken verhandelt wird, bleibt für Deutschland ein Risiko von mindestens 30 Milliarden Euro - für jeden Bundesbürger wären das gut 360 Euro.

Anders ausgedrückt: Müsste Deutschland diese Summe 2012 komplett über zusätzliche Kredite finanzieren, stiege die deutsche Neuverschuldung von derzeit prognostizierten rund 30 Milliarden Euro auf 60 bis 90 Milliarden Euro. Auch die deutsche Defizitquote stiege entsprechend und könnte von derzeit rund einem Prozent der Wirtschaftsleistung im schlimmsten Fall die Obergrenze des europäischen Stabilitätspakts von 3,0 Prozent reißen. Nicht eingerechnet sind dabei allerdings die Ansteckungseffekte, die eine Griechenland-Pleite für die übrigen Problemstaaten der Euro-Zone haben könnte.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes war das erste Rettungspaket mit 80 Milliarden Euro beziffert worden, der bisher gezahlte Anteil Deutschlands mit 20 Milliarden. Tatsächlich umfasst das Rettungspaket von EU (80 Milliarden Euro) und IWF (30 Milliarden Euro) insgesamt 110 Milliarden Euro - Deutschlands bisher gezahlter Anteil liegt statt bei 20 Milliarden Euro nur bei rund 16 Milliarden Euro. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 280 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. .
kuddel37 10.02.2012
Zitat von sysopAFPDie Euro-Finanzminister sind mit dem Athener Sparplan nicht zufrieden, immer offener wird über einen Staatsbankrott debattiert. Wie viel würde eine Griechen-Pleite jeden einzelnen Deutschen kosten? SPIEGEL ONLINE hat nachgerechnet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,814477,00.html
Besser nur einmal zahlen, und gut ist. Gleichzeitig verlässt Deutschland die EU und gibt den Euro auf. Sonst kommen schon bald die nächsten Pleiteländer angekrochen um gerettet zu werden.
2. Ich halte es für einen verlogenen Mechanismus
chinataxi 10.02.2012
Zitat von sysopAFPDie Euro-Finanzminister sind mit dem Athener Sparplan nicht zufrieden, immer offener wird über einen Staatsbankrott debattiert. Wie viel würde eine Griechen-Pleite jeden einzelnen Deutschen kosten? SPIEGEL ONLINE hat nachgerechnet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,814477,00.html
Erst heisst es "Es sind nur Bürgschaften" > Doch es wird konkreter. Der Schirm wird auf keinen Fall weiter aufgestockt. > Doch er wird immer weiter aufgeblasen Wir profitieren am meisten vom Euro. > mit wir sind Reiche in DE gemeint und die Mittelschicht dünnt weiter aus. Griechenland KANN nicht aus dem Euro austreten > aber ach das wird wohl kommen, nachdem man die Banken rausgehauen hat. Und nun heisst es: … Kosten würde > in ein paar Monaten dann "kosten wird" Wie kann es sein dass ein paar Gurken über unser Schicksal für die nächsten 50 Jahre bestimmen können?
3. Deutschland schuldet GR noch aus der Vergangenheit.
localpatriot 10.02.2012
Zitat von sysopAFPDie Euro-Finanzminister sind mit dem Athener Sparplan nicht zufrieden, immer offener wird über einen Staatsbankrott debattiert. Wie viel würde eine Griechen-Pleite jeden einzelnen Deutschen kosten? SPIEGEL ONLINE hat nachgerechnet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,814477,00.html
Ich gestatte mir einen Beitrag aus einem anderen Forum zu wiederholen, einschliesslich das Zitat von 'restauradores'. Meine Beitrag bezieht sich spezifisch auf das Verhaeltnis Griechenland - Deutschland und die griechischen Ansprueche sind vom Londoner Abkommen von 1953 nicht abgedeckt. Griechenland hat bisher nie auf diese Ansprueche verzichtet. Zitat von restauradores: 'sind Deutschland bis zu 70% aller Schulden erlassen worden. Verhandlungspartner waren die USA, GB und F, Länder wie Griechenland, Portugal, Spanien, Italien haben an den Verhandlungen nicht teilgenommen die Verträge aber mit unterzeichnet.' Ende Zitat . Griechenlands unbefriedigte Ansprueche gehen auf den Beginn des ersten Weltkrieges zurueck. Griechische Handelsschiffe wurden vor Griechenlands Eitnritt in den WKI versenkt oder beschaedigt. Die Nachfolger des Deutschen Reiches muessen nun Entschaedigung Zahlen. Die Geschichte kam 1972 vor ein internationals Schiedsgericht und der Bericht bestaetigt die griechischen Position und weist beide Parteien an die Sache durch ernsthafte Verhandlungen zu loesen. Es scheint mir als waere die Bundesrepublik ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen. Wer die ganze verzettelte Geschichte lesen will kann sie auf dem Internet, siehe unter. Ich kann mich des Verdachtes nicht verwehren dass diese Ansprueche von deutscher Seite her verzettelt werden. Moeglicherweise sind die Waehrungsverhaeltnisse und der darin untergebrachte Goldwert dafuer verantwortlich. Aber - sollte meine Meinung richtig sein, und das ist nicht sicher, DANN HAT DIE BUNDESREPUBLIK GERADE EINE GELEGENHEIT VERPASST DIESES UNGEKLAERTE KAPITEL DER DEUTSCHEN GESCHICHTE ENDLICH ABZUWICKELN. Quelle: Reports of Interantional Arbitral Awards Claims arising out of decisions of the Mixed Graeco-German Arbitral Tribunal set up under Article 304 in Part X of the Treaty of Versailles (between Greece and the Federal Republic of Germany) 26 January 1972 Volume XIX pp. 27-64 http://untreaty.un.org/cod/riaa/cases/vol_XIX/27-64.pdf
4. .
frubi 10.02.2012
Zitat von sysopAFPDie Euro-Finanzminister sind mit dem Athener Sparplan nicht zufrieden, immer offener wird über einen Staatsbankrott debattiert. Wie viel würde eine Griechen-Pleite jeden einzelnen Deutschen kosten? SPIEGEL ONLINE hat nachgerechnet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,814477,00.html
Als ob mir jemand in den Geldbeutel greifen und dort Geld entwenden würde. Gehts noch, Spon? Die Summe geht doch auf die Staatsschulden und diese sind doch mitlerweile so hoch, dass ich (Jahrgang 86) nicht mehr erleben werde, dass der Schuldenstand auf 0 € sinken wird. Von daher...... wayne interessierts?
5. ...
cato. 10.02.2012
Zitat von sysopAFPDie Euro-Finanzminister sind mit dem Athener Sparplan nicht zufrieden, immer offener wird über einen Staatsbankrott debattiert. Wie viel würde eine Griechen-Pleite jeden einzelnen Deutschen kosten? SPIEGEL ONLINE hat nachgerechnet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,814477,00.html
Als das erste Mal die Experten Griechenlands Staatsbankrott gefordert haben unterstützt von dem aufgeklärten Teil der Bevölkerung wären die Kosten deutlichst niedriger für Deutschland gewesen - doch auch heute gilt, dass ist der einzig gangbare Weg und noch halbwegs günstig. Insofern keine neuen Kredite für Griechenland.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Fotostrecke: So funktioniert eine Umschuldung

Fahrplan für die Griechen-Rettung
Die Verhandlungen über das zweite Rettungspaket für Griechenland kommen nur mühsam voran. Sowohl auf Seiten der griechischen Regierung als auch bei Euro-Staaten und Internationalem Währungsfonds (IWF) stehen noch etliche Schritte aus. Doch der Regierung in Athen läuft die Zeit davon. Denn Mitte März braucht das Land weitere Milliardenkredite, sonst ist Griechenland pleite. Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Was in Athen derzeit verhandelt wird
Die Troika von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und IWF hat für das zweite, auf 130 Milliarden Euro taxierte Kreditpaket härtere Einsparungen und Reformen verlangt. Diesem muss nicht nur die Übergangsregierung zustimmen. Die Chefs der drei an ihr beteiligten Parteien - der sozialistischen PASOK, der konservativen Neo Demokratia und der weit rechts stehenden LAOS - haben sich inzwischen auf die Einhaltung verpflichtet, damit das Programm nach der im April möglichen Wahl nicht zur Makulatur wird.

Parallel einigte sich der Internationale Bankenverband IIF mit der Regierung über die Beteiligung der Privatgläubiger an einem Schuldenschnitt. Die privaten Investoren sollen nun auf insgesamt rund 107 Milliarden Euro an Forderungen verzichten - damit wurde die ursprüngliche Zielgröße um sieben Milliarden Euro übertroffen. Die Zielgröße für den Forderungsverzicht über 100 Milliarden Euro wurde dabei übertroffen:
Was die Euro-Gruppe entscheidet
Der Euro-Gruppe wird neben dem Prüfbericht der Troika zum Stand der Reformen und Einsparungen eine vorläufige Vereinbarung mit Griechenland über weitere Einschnitte sowie einen Zeitplan zum Nachholen bisher versäumter Gesetzesänderungen vorgelegt. Zugleich wird die griechische Regierung die Eckpunkte des Anleihetauschs präsentieren, mit dem der Forderungsverzicht erreicht werden soll. Die Finanzminister werden EU-Kreisen zufolge wahrscheinlich nur darüber entscheiden, ob Griechenland mit dem Anleihetausch-Prozess Mitte Februar beginnen kann. Eine Entscheidung, ob das 130-Milliarden-Paket erhöht wird, weil sich inzwischen neue Finanzierungslücken aufgetan haben, fällt noch nicht. Die starken Geberländer Deutschland, Niederlande und Finnland fordern, dass die Griechen bis Ende Februar rechtliche Schritte zur Umsetzung der bisher unerledigten Reformaufgaben eingeleitet haben, ehe es grünes Licht für neue Kredite gibt. Die Nord-Länder gehen davon aus, dass es bisher von den Staats- und Regierungschefs kein Mandat gibt, über die 130 Milliarden Euro hinauszugehen. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass erst bei einem Sondergipfel oder dem nächsten EU-Gipfel Anfang März die Entscheidung fällt.
Wie groß das Rettungspakt ist
Das hängt vom Umfang des privaten Schuldenschnitts ab. Die Vereinbarung mit dem IIF lässt nur eine grobe Schätzung der Summe zu. Griechenland muss Mitte Februar ein förmliches Anleihetausch-Angebot unterbreiten und wird bis Ende des Monats Zusagen der Banken, Versicherungen und Fonds sammeln. Die Regierung muss dann entscheiden, ob die Beteiligungsquote hoch genug ist und wenn ja, grünes Licht von der Euro-Gruppe zum Vollzug des Schuldenschnitts einholen. Dann müssen die Euro-Staaten über die Höhe des Kreditpakets entscheiden - nach bisherigen Schätzungen sind es rund 145 statt 130 Milliarden Euro. Über das Rettungsprogramm wird eine bindende Absichtserklärung zwischen den Euro-Ländern und Griechenland abgegeben. Eventuell wird die EZB ebenfalls noch einen Forderungsverzicht signalisieren, eine schriftliche Zusage dazu wird es von der unabhängigen Zentralbank aber nicht geben. Erst dann kann auch der IWF die Beteiligung an dem Kreditpaket beschließen. Bisher übernahm der Fonds ein Drittel davon.
Wie und wann Deutschland zustimmen wird
Bei einer Einigung über die private Gläubigerbeteiligung und das zweite Hilfspaket muss der Bundestag in zwei Schritten zustimmen. Zunächst soll der Bundestag dem Einsatz des EFSF bei der Absicherung der neuen langfristigen Griechenland-Anleihen in einer Höhe bis zu 30 Milliarden Euro zustimmen. Erst wenn die Staaten die IIF-Vereinbarung gebilligt und mit dieser Garantie versehen haben, kann Griechenland die Gläubiger ansprechen. Der Bundestag wird ein zweites Mal abstimmen, wenn eine Einigung über das zweite Griechenland-Hilfspaket erzielt sein sollte. Dann müsste er die Zusage dafür geben, dass sich Deutschland an der Haftung für die neuen Hilfskredite beteiligt, die über den EFSF liefen. Offen ist, ob im ersten Fall nur der Haushaltsausschuss zusammentritt oder in beiden Fällen das gesamte Plenum. Da eine Befassung des Parlaments nun eher in der kommenden Woche erwartet wird, wäre in der sitzungsfreien Woche eine Sondersitzung nötig.
Fotostrecke
Treffen der Euro-Finanzminister: Pokern um Griechenlands Zukunft

Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 10,858 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Griechenland-Reiseseite



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: