Staatsfonds CIC China kauft sich in britische Wasserversorgung ein

China treibt seine Investitionen in die europäische Infrastruktur voran und beteiligt sich am größten Wasserversorger in Großbritannien. Der Staatsfonds China Investment Corporation steigt mit 8,7 Prozent bei dem privaten Londoner Unternehmen Thames Water ein - über den Preis ist nichts bekannt.

Lou Jiwei, Chef des Staatsfonds CIC: Auf Einkaufstour in Europa
REUTERS

Lou Jiwei, Chef des Staatsfonds CIC: Auf Einkaufstour in Europa


London - Es ist nur ein dürrer Satz auf der Website des extrem verschwiegenen Staatsfonds China Investment Corporation (CIC): Der Fonds habe über eine Tochterfirma rund 8,7 Prozent am größten britischen Wasserversorger Thames Water erworben. Das Unternehmen mit 4500 Mitarbeitern versorgt fast neun Millionen Menschen im Großraum London mit Trinkwasser und ist gleichzeitig für das Abwasser von 14 Millionen Briten zuständig. Wie viel CIC für die Anteile gezahlt hat, teilten die Geschäftspartner nicht mit.

2006 hatte der deutsche Energiekonzern RWE Chart zeigen das Unternehmen Thames Water für damals fast 12 Milliarden Euro an Kemble Water Ltd verkauft - ein Konsortium um die australische Investmentbank Macquarie Chart zeigen. Die Regierung in London sucht Investoren für britische Infrastrukturvorhaben. Erst im Dezember hatte ein anderer Staatsfonds, die Abu Dhabi Investment Authority, Anteile von knapp zehn Prozent von Kemble gekauft.

Der Einstieg des chinesischen Staatsfonds folgte auf den Besuch des britischen Finanzministers George Osborne diese Woche in Peking. Zudem hatte China vor wenigen Monaten angekündigt, verstärkt in die europäische und amerikanische Infrastruktur zu investieren. Die chinesische Regierung hatte den Staatsfonds CIC 2007 mit dem Ziel gegründet, die chinesischen Devisenreserven von mehr als drei Billionen Dollar gewinnbringend anzulegen.

Europäische Politiker und Wirtschaftsvertreter hatten die Befürchtung geäußert, dass die chinesische Regierung ihren Staatsfonds einsetzen könnte, um politisch Einfluss auszuüben. Dem widersprach der CIC im vergangenen November: Der Fonds verfolge rein kommerzielle Interessen und verfolge das Ziel mit seinen Investitionen möglichst hohe Gewinne zu erzielen. Bevorzugt werde der CIC in die Branchen Energie, Wasser, Logistik, digitale Kommunikation und Abfallwirtschaft investieren - über den Umfang gab der Fonds allerdings nichts bekannt.

Während der CIC mit seinen Anfangsinvestitionen zu Beginn der Finanzkrise herbe Verluste hinnehmen musste, soll sich das Ergebnis jetzt verbessert haben. 2010 gab der Fonds bekannt, er habe eine Rendite von 11,7 Prozent erzielt.

nck/AP/dpa

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Seite 1
propagandhi 20.01.2012
1.
Zitat von sysopChina treibt seine Investitionen in die europäische Infrastruktur voran und beteiligt sich am größten Wasserversorger in Großbritannien. Der Staatsfonds China Investment Corporation steigt mit 8,7 Prozent bei dem privaten Londoner Unternehmen Thames Water ein - über den Preis ist nichts bekannt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,810364,00.html
Hat irgend jemand einen vernünftigen Grund, wieso Staaten ihre Infrastruktur ausgerechnet an die zwielichtige Konkurrenz verscherbeln? Anscheinend geht es schon so schlecht, dass jetzt noch das Tafelsilber verramscht wird und die Gewinne daraus an die sog. 'Leistungsträger' verteilt. Den Schaden trägt wie immer die Allgemeinheit. Die Verantwortung, wie immer, niemand.
willi2007 20.01.2012
2. Gewinnstreben
China mach also ernst und investiert seine drei Billionen Devisenreserven gewinnbringend. Dabei gehen sie offensichtlich kein Risiko ein und investieren in Branchen, die in den Industriestaaten zum Lebensunterhalt gehören. Neben Wasser und Abwasser sind dies Energieversorgung, Telekommunikation und Wohnen. Danach werden Verkehrsunternehmen zu Lande, zu Wasser und in der Luft folgen. Die Deutsche Bahn AG wird bei einem Börsengang von den Chinesen gekauft. Post und Telekom werden folgen. Schließlich werden nach und nach die europäischen Banken aufgekauft. In Italien und Frankreich werden die Chinesen die mautpflichtigen Autobahnen aufkaufen. Um den Bürgern mögliche Sorgen vor einer chinesischen Fremdbestimmung werden Berlusconis Fernsehsender von den Chinesen gekauft genauso wie Murdochs Medienimperium. Damit jedoch nicht genug. Über Tochterunternehmen werden die Chinesen weltweit groß in landwirtschaftliche Flächen investieren. Ja und eine wichtige Branche die lebensnotwendig ist, habe ich doch fast vergessen. Die Beerdigungsindustrie. Mit dem Tod werden ja wahnsinnige Summen verdient. Und das Geschäft ist hundertprozentig. Habe ich noch was vergessen?
jetzt:hördochauf 20.01.2012
3. LOL - Wasserversorger
Zitat von sysopChina treibt seine Investitionen in die europäische Infrastruktur voran und beteiligt sich am größten Wasserversorger in Großbritannien. Der Staatsfonds China Investment Corporation steigt mit 8,7 Prozent bei dem privaten Londoner Unternehmen Thames Water ein - über den Preis ist nichts bekannt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,810364,00.html
Eigentlich müsste bei den Inselleuten da was klingeln: Trinkwasser ist noch viel wichtiger als Opium!
Norbert1981 20.01.2012
4. Die offiziellen Reserven von 3 Billionen $ sind nur ein Teil der Wahrheit
Zitat von willi2007China mach also ernst und investiert seine drei Billionen Devisenreserven gewinnbringend. Dabei gehen sie offensichtlich kein Risiko ein und investieren in Branchen, die in den Industriestaaten zum Lebensunterhalt gehören. Neben Wasser und Abwasser sind dies Energieversorgung, Telekommunikation und Wohnen. Danach werden Verkehrsunternehmen zu Lande, zu Wasser und in der Luft folgen. Die Deutsche Bahn AG wird bei einem Börsengang von den Chinesen gekauft. Post und Telekom werden folgen. Schließlich werden nach und nach die europäischen Banken aufgekauft. In Italien und Frankreich werden die Chinesen die mautpflichtigen Autobahnen aufkaufen. Um den Bürgern mögliche Sorgen vor einer chinesischen Fremdbestimmung werden Berlusconis Fernsehsender von den Chinesen gekauft genauso wie Murdochs Medienimperium. Damit jedoch nicht genug. Über Tochterunternehmen werden die Chinesen weltweit groß in landwirtschaftliche Flächen investieren. Ja und eine wichtige Branche die lebensnotwendig ist, habe ich doch fast vergessen. Die Beerdigungsindustrie. Mit dem Tod werden ja wahnsinnige Summen verdient. Und das Geschäft ist hundertprozentig. Habe ich noch was vergessen?
Offenbar gibt es eine weitere Billionen $ die im chin. Bankensystem AUSSERHALB der der PBoC (People's Bank of China) gemeldeten Reverven ´geparkt´ ist. Insgesamtkönnte der ´Devisenberg´ damit real bereits ca. 4.5 Billionen $ betragen,und hierbei sind die Reserven Hong Kongs und Macaus noch aussenvor...
porky1 20.01.2012
5. aber
Zitat von propagandhiHat irgend jemand einen vernünftigen Grund, wieso Staaten ihre Infrastruktur ausgerechnet an die zwielichtige Konkurrenz verscherbeln? Anscheinend geht es schon so schlecht, dass jetzt noch das Tafelsilber verramscht wird und die Gewinne daraus an die sog. 'Leistungsträger' verteilt. Den Schaden trägt wie immer die Allgemeinheit. Die Verantwortung, wie immer, niemand.
Thames Water gehoerte schon mal RWE! Warum gelten die Chinesen als zwielichtig? Sie suchen ja nur eine einigermassen sichere Rendite, und Infrastruktur bietet eben diese Eigenschaft, auch wenn sie gewoehnlich etwas niedriger ausfaellt als zB bein Software-Unternehmen. GB ist da einfach weiter als die meisten EU-Laender - weniger zimperlich, wenn es um die Nationalitaet eines Investors geht, solange echte Landesinteressen nicht beschaedigt werden. Es ist ja nicht so, dass die Chinesen das Wasser nach China umleiten werden...
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