Staatspleite Banken scheitern mit Hilfsangebot für Argentinien

Das Schuldendrama in Argentinien spitzt sich zu. Auch ein zweiter Vermittlungsversuch endet ohne Ergebnis: Die beiden beteiligten Hedgefonds lehnten das Angebot einer Gruppe privater Banken ab - zu ihnen zählt auch die Deutsche Bank.

Graffito in Buenos Aires: "Nein zur Schuldenzahlung"
REUTERS

Graffito in Buenos Aires: "Nein zur Schuldenzahlung"


Buenos Aires - Im argentinischen Schuldenstreit schwindet die Hoffnung auf eine Lösung. Ein Konsortium um die Citigroup, zu dem auch die Deutsche Bank gehört, hatte nach Investoren gesucht, die den Hedgefonds die strittigen Anleihen abkaufen würden. Die Banken sollen unter anderem den argentinischen Milliardär Eduardo Eurnekian kontaktiert haben. Doch nun ist auch dieser Rettungsversuch gescheitert.

"Es gibt keine realistische Aussicht auf eine private Lösung, wir haben keine auch nur annähernd akzeptablen Vorschläge erhalten", heißt es in einem Statement von Aurelius Capital, einem der beteiligten Fonds. "Wir fürchten, das Schlimmste steht noch bevor."

In den USA hatte der Oberste Gerichtshof entschieden, dass das südamerikanische Land den beiden Fonds Aurelius und NML Capital Schulden in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar (960 Millionen Euro) plus aufgelaufener Zinsen zurückzahlen muss.

Die Fonds - von Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner "Geierfonds" genannt - hatten sich geweigert, bei Umschuldungen in den Jahren 2005 und 2010 auf Forderungen gegen Argentinien zu verzichten. Sie verlangen den vollen Nennwert der argentinischen Staatsanleihen, die sie zur Zeit der Schuldenkrise 2001 zu Ramschpreisen erworben hatten.

Der Konflikt mit US-Hedgefonds hatte Argentinien Ende Juli zum zweiten Mal innerhalb von nur 13 Jahren in die Zahlungsunfähigkeit gedrängt. Das Land darf laut dem US-Urteil andere Gläubiger nicht bedienen, solange es die Schulden bei den Hedgefonds nicht beglichen hat. Gegen diese Anordnung will Argentinien nun vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag vorgehen. Das Urteil verletze die argentinische Souveränität und Immunität.

US-Gerichte sind in dem Streit zuständig, weil Argentinien seine Anleihen unter amerikanischem Recht ausgegeben hatte. So sollten sie für internationale Anleger attraktiver werden. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag bestätigte den Eingang des argentinischen Verfahrensantrags. Allerdings müssen die USA das Gericht in dem Fall als Schlichter akzeptieren.

Mit dem Vorstoß der Banken ist nun der zweite Rettungsversuch gescheitert. Beim ersten Rettungsplan hatten sich argentinische Geldhäuser und die Zentralbank um die Anleihen bemüht.

dpa/afp/vet

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insgesamt 10 Beiträge
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skyrunner49 14.08.2014
1. War doch klar!
So kann die USA darauf Einfluss nehmen und verhindern, dass Argentinien Russland mit Agrarprodukten beliefert. Zu gegebener Zeit wird man die Katze aus dem Sack lassen.
bonner85 14.08.2014
2. Wer Schulden macht...
...muss auch für die Tilgung der Schulden aufkommen. Was wäre dass denn für ein Signal an die Schuldenländer, wenn die Gläubiger regelmäßig auf die Rückzahlung verzichten?! Wenn der Staat in der Position des Gläubigers ist und der Schuldner (z.B. Steuerzahler) seine Schulden nicht zahlt, verzichtet er auch nicht auf seine Forderung sondern pfändet alles und steckt einen in den Knast. Also bloß kein Mitleid, wenn einmal der Staat in der Position des Schuldners ist! Wenn möglich, bauch Pfändungen an Staatsfirmen durchführen!
hansgustor 14.08.2014
3. Inkasso
Komisch dass hier viele Sympathien für die HedgeFonds haben. Das ist im Grunde nur ein Inkasso-Unternehmen. Die Leute die dabei tatsächlich Geld verloren haben, bekommen es auch nach Bezahlung der HedgeFonds nicht wieder.
Graphite 14.08.2014
4. Kommt Zeit kommt Rat
Die BRICS-Staaten haben immer noch einen Platz für USA-Gegner frei. Argentinien passt hier sehr gut ins Protfolio ;)
kfp 14.08.2014
5.
Zitat von bonner85...muss auch für die Tilgung der Schulden aufkommen. Was wäre dass denn für ein Signal an die Schuldenländer, wenn die Gläubiger regelmäßig auf die Rückzahlung verzichten?! Wenn der Staat in der Position des Gläubigers ist und der Schuldner (z.B. Steuerzahler) seine Schulden nicht zahlt, verzichtet er auch nicht auf seine Forderung sondern pfändet alles und steckt einen in den Knast. Also bloß kein Mitleid, wenn einmal der Staat in der Position des Schuldners ist! Wenn möglich, bauch Pfändungen an Staatsfirmen durchführen!
Wenn ein Staat aber nun einmal pleite war, und sich von über einem Jahrzehnt praktisch alle anderen Schuldner mit der Pleite abgefunden und auf einen Schuldenschnitt geeinigt haben, sollte dieser Schuldenschnitt auch für alle gelten. Und nicht nur für die kleineren Anleger, während die dicksten Fische, zwei Halsabschneier-Spekulations-Firmen aus den USA, trotzdem voll ausbezahlt werden sollen, bevor irgendjemand anderes Geld sehen darf.
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