Konjunktur-Schub Staatsschulden sinken unter zwei Billionen Euro

Erstmals seit Jahren ist es gelungen, die deutschen Staatsschulden unter zwei Billionen Euro zu drücken - dank guter Konjunktur und Niedrigzinsen. Doch nicht alle Bundesländer halfen mit.

Triebwerkfertigung bei Rolls-Royce in Dahlewitz (Brandenburg)
DPA

Triebwerkfertigung bei Rolls-Royce in Dahlewitz (Brandenburg)


Dank der guten Wirtschaftslage sind die deutschen Staatsschulden erstmals seit Jahren unter die Marke von zwei Billionen Euro gesunken. Die Verbindlichkeiten von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung einschließlich aller Extrahaushalte summierten sich im ersten Quartal auf knapp 1,99 Billionen Euro, gab das Statistische Bundesamt bekannt. Das waren 2,3 Prozent oder 47,4 Milliarden Euro weniger als ein Jahr zuvor.

Vergleiche mit den Jahren davor hinken allerdings etwas. Denn dort wurden nicht alle Extrahaushalte - etwa die im Zuge der Finanzkrise entstandenen Bad Banks - in die Statistik einbezogen.

Die gute Konjunktur sorgt derzeit für hohe Steuer- und Beitragseinnahmen, während die niedrigen Zinsen für Entlastung auf der Ausgabenseite sorgen. "Alle Ebenen konnten ihre Verschuldung verringern", teilte das Statistikamt mit. So drückte der Bund seine Verbindlichkeiten um 2,4 Prozent auf rund 1,25 Billionen Euro. Die Länder standen mit 598,3 Milliarden Euro in der Kreide, was einem Rückgang um 2,4 Prozent entspricht.

Besonders kräftig konnten Sachsen (-21,6 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (-10,4) und Bayern (-10,0) ihre Schulden abbauen. In Hamburg (+10,6) und Schleswig-Holstein (+6,1) legten sie dagegen am deutlichsten zu, was vor allem auf die Übertragung fauler Kredite der HSH Nordbank an die neu gegründete "hsh portfoliomanagement" zurückgeht.

Der Schuldenstand der Kommunen schrumpfte um 1,4 Prozent auf 141,1 Milliarden Euro. Besonders die Gemeinden in Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Hessen senkten ihre Schuldenlast, während sie in Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein am stärksten zunahm.

kig/Reuters



insgesamt 132 Beiträge
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merlin 2 29.06.2017
1. Prima!
Weiter so! Wenn man das nun noch auf die Eurozone ausdehnen kann, dann wäre es genial. Jedenfalls weniger Schulden für die nachwachsenden Generationen und ich höre schon die, die wieder kräftig was zum Fenster rausschmeißen wollen. Finger weg!
zappa99 29.06.2017
2.
Der Zinsdienst ist der viertgrößte Posten im Bundeshaushalt, noch vor Forschung und Gesundheit. https://www.bundeshaushalt-info.de/#/2017/soll/ausgaben/einzelplan.html Wir subventionieren also mit unseren Steuern den Finanzmarkt.
syracusa 29.06.2017
3. immer noch über Maastricht
Im Artikel fehlt leider die Nennung der Schuldenquote in Bezug auf's BIP. Wenn man das BIP von 2016 ansetzt, dann beträgt die Quote immer noch 63,5% und liegt damit immer noch über der zulässigen Obergrenze.
ldom 29.06.2017
4. Der schuldenabbau ist jämmerlich
Wenn man bedenkt wie gut die Bedingungen dafür sind. Aber mit dieser Meinung bin ich laut Umfragen in der Minderheit. Denn die Mehrheit will natürlich, dass mehr Geld ausgegeben wird. Immer natürlich vorausgesetzt sie werden dafür nicht zur Kasse gebeten. Geld ist nämlich genug da.....bei den "Anderen"
Duggi 29.06.2017
5. Lasst Euch nicht veralbern! :-)
Die Staatsschulden in Deutschland sinken vor allem durch die Zinspolitik der EZB und das Abschmelzen der Spar- und Vorsorgeanlagen der Privaten. ;-)
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