Energiebranche Stadtwerke beklagen Verluste bei konventionellen Kraftwerken

Das Stadtwerke-Bündnis Trianel sieht durch den niedrigen Großhandelspreis für Strom die Energieversorgung in Gefahr. Kohle- und Gaskraftwerke würden dadurch hohe Verluste einfahren, Investitionen blieben aus.

Baustelle des Kohlekraftwerks Lünen: Auf Jahre hinaus Verluste
DPA

Baustelle des Kohlekraftwerks Lünen: Auf Jahre hinaus Verluste


Düsseldorf - Der Stadtwerkeverbund Trianel befürchtet anhaltend hohe Verluste bei konventionellen Kraftwerken - und in der Folge einen Investitionsstopp in derartige Anlagen. Die Bundesregierung solle die Ökostromförderung daher dringend reformieren, forderte Trianel-Chef Sven Becker auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf. "Wir warten alle auf die Bundestagswahl", sagte er.

Hintergrund für die Forderung ist, dass der Erfolg der erneuerbaren Energien die Preise an der Strombörse drückt. Dadurch rechnen sich viele konventionelle Anlagen nicht mehr - Trianel betreibt bislang vor allem Gas- und Kohlekraftwerke. Obwohl der Ökostrom bereits einen Anteil am Stromverbrauch von 25 Prozent habe, laufe die Förderung ungebremst weiter, beklagte Trianel-Chef Becker nun. "Auch fossile Kraftwerke müssen ihr Geld verdienen können."

Durch die geplante Abschaltung der übrigen Atomkraftwerke in Deutschland bis 2022 entstehe eine Kraftwerkslücke. "Sie sehen aber niemanden, der investiert", sagte Becker. Deutschland laufe daher in gravierende Energieprobleme hinein: "Der Markt kollabiert." Die zuletzt gebauten Kraftwerke häuften inzwischen Millionenverluste an.

Kohlekraftwerk verbrennt im Jahr 100 Millionen Euro

Als Beispiel führte Becker das 1,4 Milliarden Euro teure neue Kohlekraftwerk Lünen an, das wegen der Marktbedingungen auf Jahre Verluste schreiben werde. Für 2014 rechnet Becker mit einem Verlust von knapp hundert Millionen Euro. Trianel habe deshalb seine Rückstellungen um rund fünf Millionen auf 15,7 Millionen Euro erhöht. Davon entfielen allein 3,5 Millionen Euro auf Lünen. Trianel hält selbst rund sechs Prozent an dem Kraftwerk, für das Ende August der Vorbescheid zur Betriebsgenehmigung erwartet wird.

Auch den Bau eines Gaskraftwerks in Krefeld-Uerdingen legte Trianel Anfang dieser Woche auf Eis. Das Kraftwerk könne bis zu drei Jahre später in Betrieb gehen. Ursprünglich war dies 2016 oder 2017 geplant. Die Pläne für ein Wasserspeicherkraftwerk am Rursee gab Trianel bereits im Juni mit Verweis auf einen fehlenden politischen Rückhalt auf.

Trianel hat 54 Gesellschafter, darunter Stadtwerke aus Aachen, Bonn, Fulda, Lübeck und Ulm und erwirtschaftete 2012 bei rund zwei Milliarden Umsatz einen Jahresüberschuss von 2,3 Millionen Euro.

ade/fdi/dpa

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insgesamt 116 Beiträge
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vhe 10.07.2013
1. Und?
Zitat von sysopDPADas Stadtwerke-Bündnis Trianel sieht durch den niedrigen Großhandelspreis für Strom die Energieversorgung in Gefahr. Kohle- und Gaskraftwerke würden dadurch hohe Verluste einfahren, Investitionen blieben aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/stadtwerke-bund-beklagt-verluste-bei-konventionellen-kraftwerken-a-910427.html
Äh - ja? Das ist ja genau der Sinn der Sache, oder? Also, die Abschaffung der Kohle- und Kernkraftwerke. Und so sieht eine Abschaffung in der Marktwirtschaft nunmal aus. Ich seh schon die Ölindustrie in 20 Jahren voller Entrüstung feststellen, dass die ganzen Elektroautos überraschenderweise ja gar kein Benzin brauchen und die Raffinerien auf einmal nicht mehr rentabel sind. Ja, was machen wir denn da?
katerhumpel 10.07.2013
2. EEG: Alles nur noch traurig...
Zitat von sysopDPADas Stadtwerke-Bündnis Trianel sieht durch den niedrigen Großhandelspreis für Strom die Energieversorgung in Gefahr. Kohle- und Gaskraftwerke würden dadurch hohe Verluste einfahren, Investitionen blieben aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/stadtwerke-bund-beklagt-verluste-bei-konventionellen-kraftwerken-a-910427.html
Zur Ergänzung siehe Essay "EEG zum Schmökern" auf dem Naturwunder-Blog. In der letzten Zeit liest man nur noch Kritisches zur sogenannten "Energiewende" - aber der gesunde Menschenverstand wird von der Politik immer noch völlig ignoriert - auf daß die Energiewirtschaft endgültig durch falsche Subventionspolitik an die Wand gefahren werde. Aber vielleicht machen jetzt die "kommunalen Beteiligungen" Druck, denn die brauchen das Geld dringend, das ihre Kraftwerke erwirtschaften sollen. So gesehen ist der im Artikel beschriebene Sachverhalt vielleicht sogar heilsam... wenn er sich bis Berlin rumspricht (aber dort ist ja in der gleichgeschalteten Parteienlandschaft eh Hopfen und Malz verloren).
kdshp 10.07.2013
3.
Zitat von sysopDPADas Stadtwerke-Bündnis Trianel sieht durch den niedrigen Großhandelspreis für Strom die Energieversorgung in Gefahr. Kohle- und Gaskraftwerke würden dadurch hohe Verluste einfahren, Investitionen blieben aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/stadtwerke-bund-beklagt-verluste-bei-konventionellen-kraftwerken-a-910427.html
Na und! Am ende muss doch eh der private verbraucher alles zahlen.
Percy P.Percival 10.07.2013
4. "Der Markt kollabiert."
Zitat von sysopDPADas Stadtwerke-Bündnis Trianel sieht durch den niedrigen Großhandelspreis für Strom die Energieversorgung in Gefahr. Kohle- und Gaskraftwerke würden dadurch hohe Verluste einfahren, Investitionen blieben aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/stadtwerke-bund-beklagt-verluste-bei-konventionellen-kraftwerken-a-910427.html
Der Markt kollabiert immer, wenn man eine Planwirtschaft einführt. Das die Energiewende schlecht gemeint und noch schlechter gemacht ist, wird immer deutlicher. Die Frage ist nur, ob die Notbremse rechtzeitig gezogen wird oder es erst zu tagelangen Blackouts oder Abwanderung von Industriebranchen kommen muss.
u.loose 10.07.2013
5. Ach nee...
waren es nicht die vereinigten Stadtwerke die "Milliarden" in neue Gaskraftwerke stecken wollten, wenn endlich die bösen bösen AKWs samt der bösen bösen großen Vier weg sind? Und was geschah? Man stecke das Geld in staatlich Garantiertes... Das Jammern ist etwas daneben - die Stadtwerke sind selbst Teil des Problems! Die Stadtwerke München bombardieren die Bürger regelmäßig mit bis zu ganzseitigen Zeitungsanzeigen, wie grün und öko sie doch sind und gleichzeitig versenken sei Millionen in Spanien und bauen Windrädchen die Schweden weil da noch eine ordentliche Rendite winkt...
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