Sydney - Die Rating-Agentur Standard & Poor's muss Anlegern 30 Millionen australische Dollar Schadensersatz zahlen. Ein Bundesgericht entschied am Montag, die US-Agentur habe Investoren in die Irre geführt. Ihnen stehe deshalb eine Entschädigung zu, urteilte die Richterin in Sydney. Standard & Poor's kündigte an, Berufung gegen das Urteil einzulegen.
Der Hintergrund: Im Zuge der Finanzkrise waren zahlreiche Wertpapiere, in denen zum Beispiel faule US-Immobilienkredite gebündelt waren, wertlos geworden. Die Rating-Agenturen hatten diesen Anlageprodukten zuvor aber noch Bestnoten verliehen. Darauf hatten sich viele Anleger verlassen.
Die Klage reichten 13 Stadtverwaltungen ein. Sie hatten sich auf das AAA-Rating verlassen und 16 Millionen australische Dollar (13 Millionen Euro) investiert. In der Finanzkrise 2008 verloren sie dann mehr als 90 Prozent ihres Geldes. Die Kläger fühlten sich von S&P und der beteiligten ABN Amro Bank hinters Licht geführt. Die Richterin sprach ihnen nun Entschädigung für diese Verluste sowie Zinszahlungen und Anwaltskosten zu.
Es sei das erste Mal, dass eine Rating-Agentur auf diese Weise für die Folgen ihrer Beurteilung der Bonität eines Finanzprodukts zur Verantwortung gezogen werde, sagte Wirtschaftsprofessor Harald Scheule von der Technologie-Universität in Sydney der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Die Entscheidung könnte nun weitere Prozesse nach sich ziehen. Die Firma IMF aus Sydney, die die Stadtverwaltungen vor Gericht vertrat, ziehe ähnliche Schadensersatzklagen auch in Europa in Erwägung, sagte ihr Direktor John Walker.
cte/dpa
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