Urteil: S&P muss für falsche Ratings zahlen

Ein australisches Gericht hat Standard & Poor's wegen irreführender Bewertungen verurteilt. Die US-Agentur hatte komplizierten Finanzprodukten die Bestnote AAA verliehen. Anleger verloren 90 Prozent ihres Geldes. Das bekommen sie nun erstattet, plus Zinsen.

Standard & Poor's in New York: Agentur will Berufung einlegen Zur Großansicht
DPA

Standard & Poor's in New York: Agentur will Berufung einlegen

Sydney - Die Rating-Agentur Standard & Poor's muss Anlegern 30 Millionen australische Dollar Schadensersatz zahlen. Ein Bundesgericht entschied am Montag, die US-Agentur habe Investoren in die Irre geführt. Ihnen stehe deshalb eine Entschädigung zu, urteilte die Richterin in Sydney. Standard & Poor's kündigte an, Berufung gegen das Urteil einzulegen.

Der Hintergrund: Im Zuge der Finanzkrise waren zahlreiche Wertpapiere, in denen zum Beispiel faule US-Immobilienkredite gebündelt waren, wertlos geworden. Die Rating-Agenturen hatten diesen Anlageprodukten zuvor aber noch Bestnoten verliehen. Darauf hatten sich viele Anleger verlassen.

Die Klage reichten 13 Stadtverwaltungen ein. Sie hatten sich auf das AAA-Rating verlassen und 16 Millionen australische Dollar (13 Millionen Euro) investiert. In der Finanzkrise 2008 verloren sie dann mehr als 90 Prozent ihres Geldes. Die Kläger fühlten sich von S&P und der beteiligten ABN Amro Bank hinters Licht geführt. Die Richterin sprach ihnen nun Entschädigung für diese Verluste sowie Zinszahlungen und Anwaltskosten zu.

Es sei das erste Mal, dass eine Rating-Agentur auf diese Weise für die Folgen ihrer Beurteilung der Bonität eines Finanzprodukts zur Verantwortung gezogen werde, sagte Wirtschaftsprofessor Harald Scheule von der Technologie-Universität in Sydney der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Die Entscheidung könnte nun weitere Prozesse nach sich ziehen. Die Firma IMF aus Sydney, die die Stadtverwaltungen vor Gericht vertrat, ziehe ähnliche Schadensersatzklagen auch in Europa in Erwägung, sagte ihr Direktor John Walker.

cte/dpa

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insgesamt 89 Beiträge
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1. Super!
ornis 05.11.2012
Endlich wird die Glaubwürdigkeit dieser Organisation mal richterlich bestätigt.
2. Na endlich!
carolane 05.11.2012
Neben den Banken die solche Produkte naiven Investoren rücksichtslos untergejubelt haben sind die Ratingagenturen die eigentlichen Hauptverantwortlichen der Krise. Während man als Investor eigentlich weiß dass Banken oft nicht neutral beim Verkauf von Finanzprodukten sind, geben die Ratingagenturen sich ein Bild von Professionalität und Unabhängigkeit. Dies wird noch durch die besondere Stellung die Ratingagenturen bei den Finanzregulatoren haben verstärkt. Daher muss es eine Haftung bei grobfahrlässigen Fehlurteilen der Ratingagenturen geben. Und wenn dann die Ratingagenturen in Zukunft vorsichtiger sind oder gar keine Bewertung mehr bei besonders risikoreichen Produkten abgeben, dann umso besser.
3. endlich!!!
tart 05.11.2012
ich hoffe das geht schön weiter so.....
4. Yes!
sotsch 05.11.2012
da habt ihr endlich eure gerechte Strafe bekommen und paar dutzend klagen geleich hinterher. Darauf hab ich doch nur gewartet. Absolut verdient ihr Schönrechner (fragt sich nur für wen..)
5. Macht kommt im Verbund mit Verantwortung.
topodoro 05.11.2012
Es ist gut, dass wenigstens in Australien die Ratingagenturen für ihre Ratings die Verantwortung übernehmen müssen.
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Wie Rating-Agenturen arbeiten
Geschichte
Die Geschichte der Rating-Agenturen reicht ins 19. Jahrhundert zurück, als das US-Eisenbahnnetz sich über den Kontinent ausdehnte. Das erforderte Kredite, die die Banken nicht alleine schultern konnten. Industrieunternehmen begannen, Anleihen auszugeben, um an Geld zu kommen. Heute dominieren drei Agenturen den Markt: Standard & Poor's, Moody's und Fitch.
Standard & Poor's
Standard & Poor's (S&P): Henry Varnum Poor veröffentlichte 1868 das "Manual of the Railroads of the United States", in dem die Anleger Informationen über die Eisenbahngesellschaften erhielten. 1941 verschmolzen die Poor's Publishing Company und die Standard Statistics Company zur Rating-Agentur Standard & Poor's. Das Rating reicht von AAA ("Triple A", exzellente Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko) über BBB (befriedigend) bis D (in Zahlungsverzug, keine Bonität).
Moody's
Moody's: John Moody gründete 1909 die Agentur Moody's Investors Service, die seit 1975 von der US-Börsenaufsicht SEC anerkannt ist. Die Bewertungen reichen von Aaa über Baa1 bis C.
Fitch
Fitch Ratings: 1924 entstand in New York aus der Fitch Publishing Company von John Fitch das Unternehmen Fitch Ratings. Alle drei Unternehmen haben ihren Sitz in New York, Fitch Ratings zudem in London; sie betreiben Büros in aller Welt. Das Rating reicht von AAA bis D.
Wie die Agenturen arbeiten
Rating-Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten und vergeben dazu verschiedene Bonitätsnoten. Dabei fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen oder eine Beurteilung des Managements.
Die Noten der Rating-Agenturen
Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall
Bedeutung der Noten
Je schlechter sie die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, umso teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern zum Beispiel auch institutionelle Investoren.

Hochspekulative Anleihen (Moody's: Ba1, S&P: BB+, Fitch: BB+) gelten als "Ramsch". Wird eine Anleihe als spekulativ eingestuft, müssen beispielsweise Zentralbanken sie verkaufen.
Kritik
Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen (Ratings) Mathematik und welcher Meinung ist. In der Finanzkrise wurden Rating-Agenturen an den Pranger gestellt: Weil sie Ramschpapiere als sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise gegeben.

Rating
Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall